Ausgewählter Vortrag:
Befreite Barrierefreiheit
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21.11.2008, 16:50–17:35 Uhr, Raum 1
Christian Heilmann erklärt, weshalb es manchmal Jahre braucht, um eine barrierefreie Lösung zu erstellen und zeigt auf, wie die richtige Kommunikation, Verständnis und Interesse diesen Vorgang drastisch verkürzen kann. Als Beispiele werden Online-Video-Systeme, komplexe Formulare und Musiksysteme gezeigt. Weiterhin wird er aufzeigen wie wir vermeiden können Sprachbarrieren auch unter Menschen mit der gleichen Muttersprache als „Show-Stopper“ zu erleben. Barrierefreiheit hat als Hauptproblem, das die falschen Leute miteinander und untereinander sprechen und daraus eine Menge Vorurteile gegenüber Technologien und nötigen Änderungen an Systemen entstehen. Er versucht derzeit dieses Problem zu umgehen indem das Interesse von Technik-Fans mit dem Fachwissen von behinderten Menschen zusammengebracht wird.
Unterlagen
Transkription:
Klaus Miesenberger
Wir schreiten zum letzten Vortrag. Wir hatten ja, der Ausgangspunkt waren die vielen WAI-Kriterien. Eric hat sie reduziert auf siebeneinhalb Todsünden und jetzt wird es brutal. Jetzt brauchen wir nur mehr zwei Dinge, die wichtig sind für Barrierefreiheit, Kommunikation und Technologie. So einfach wird es nicht sein, aber Christian Heilmann wird uns präsentieren, wie man in der Praxis besser vielleicht zu Barrierefreiheit kommt.
Er ist seit 10 Jahren Web-Entwickler, hat in verschiedenste Umgebungen sein Bestes getan, Barrierefreiheit für Kunden, Manager, denen beizubringen. Wenn es gelungen ist, gratuliere ich. Er ist Autor verschiedener Bücher zum Thema, u.a. der Barrierefreiheit-Bibel „Web-Accessibility“. Er arbeitet bei Yahoo! Als Trainer und Entwickler und organisiert Scripting-enabled und so weiter und so fort. Er arbeitet in Europa, in Amerika, sein zu Hause ist die Welt und ich freue mich auf einen spannenden Vortrag. Bitte!
Christian Heilmann
Christian Heilmann trägt vor.
Poa, ist das Ding groß! Ok, ich wurde schon gecoacht, dass ich langsamer sprechen muss als normal, weil ich doch dann schnell spreche, also werde ich ein bisschen ins Wienerische gehen. Ich spreche heute über die befreite Barrierefreiheit oder warum hört uns keiner zu und das ist Sache, die ich jetzt lange Zeit gemacht habe. Ich bin in der barrierefreien Welt oder in der barrierefreien Entwicklungswelt seit langer, langer Zeit und ich bin auch Webentwickler seit langer, langer Zeit und hab’ gemerkt, dass diese beiden Welten einfach nicht zusammenklappen derzeit und wir so viele Möglichkeiten nicht ausschöpfen, weil wir eben nicht richtig miteinander reden und darum geht es heute, über was ich sprechen will.
Also, hallo erstmal, ich bin der Christian und ja ich lebe in England, ich komme ursprünglich aus Deutschland, ich kann kein Deutsch mehr, also werde ich zwischendurch auch mal ins Englische verfallen, hoffentlich nicht so oft wie ich es normalerweise tue.
Ich bin ein International Developper Evangelist bei Yahoo!. Und wenn ich das immer Leuten erzähle, fragen sie: „Mein Gott, was ist denn das?“ und ich sag’, ich mach’ Entwickler glücklich, [Lachen] indem ich eben Entwicklern Sachen zeige, wie sie einfacher ihre Sachen machen können, sie ausbilde und dann eben auch von Entwicklern höre, was meine Firma und meine Manager besser machen könnten, weil meistens das Problem als Entwickler ist nicht die Technik oder nicht die Umgebung, sondern der Boss, der direkt vor dir sitzt und was Dummes will. Und deswegen nehme ich alles, was Yahoo! Derzeit bastelt, gebe es der Welt und gebe dann das Feedback, was ich von der Welt bekomme, zurück an Yahoo!, dass man es vielleicht doch anders machen sollte. Auch noch verschiedene Bücher, bla, bla, bla.
Ich verbringe sehr viel Zeit auf Konferenzen und das sind alles diese Schildchen, die ich von den verschiedenen Konferenzen zu Hause hatte und der einzige, der mehr hatte im auf Flickr war irgendwie Tomas Caspers. [Lachen] Ich habe irgendwie keine Lust mehr, auf Konferenzen wenig über Barrierefreiheit zu hören. Die meisten Konferenzen, irgendwie Barrierefreiheit ist immer das rothaarige Stiefkind, keiner will etwas damit zu tun haben. Man hat so einen Vortrag und ja, mach doch Barrierefreiheit, weil da irgendwas mit Gesetzen und wir müssen was machen und es macht meistens keinen Sinn, was man da hört. Und zwar Leute erzählen Wunder was von der tollen Cloud z.B., jetzt dem semantischen Web oder CSS 3, was man alles so tolle Sachen machen kann in den nächsten 15 Monaten, wenn Microsoft denn endlich den Internet Explorer 6 töten würde. Und die Leute sind super beeindruckt davon, so oh, CSS 3, runde Ecken, hmmmmm. [Lachen]
Das Publikum ist begeistert und will mehr und mehr, auch wenn Sachen total keinen Sinn machen, weil man später zu seinem Chef zurückgeht, guck mal, was der tolle Designer da gemacht hat. Ja, geh in die Ecke und fix den Bug, den du jetzt hast hier und Code Monkey, geh zurück zu deinem Tisch. Aber man ist inspiriert. Leute erzählen totalen Blödsinn meistens und ja, was in den nächsten fünf Jahren im Internet geschehen wird?
Was weiß denn ich, ich weiß ja nicht einmal, was nächste Woche passieren wird. Brauchen wir auch nicht wissen. Wenn es dann zur Barrierefreiheit geht, dann sieht das anders aus. Die meisten Konferenzen, die so verschiedene Tracks haben, wo man dann einen mit Barrierefreiheit hat und einen anderen, da sieht’s dann immer ein bisschen anders aus. Und zwar meistens sitzt man vor vier oder fünf Leuten, die man ohnehin schon kennt oder mitgebracht hat, die eben sich über Barrierefreiheit auskennen oder interessiert sind und die anderen Leute kommen rein und… „Ne, keine runden Ecken“, [Lachen] muss nicht sein. Und warum ist das so? Das fand ich immer, ich habe gedacht, also Barrierefreiheit finde ich geil und ich finde es einfach eine schöne Sache, weil für mich ist das Web dafür da, dass jeder es benutzen kann. Ich habe mit der Web-Development angefangen, weil ich einfach das machen wollte.
Ich habe beim Radio gearbeitet und habe gemerkt, ja, mein Gott, wenn jemand ins Radio will, muss er entweder Geld ausgeben oder ein Verbrechen begehen und im Internet muss man kaum Geld ausgeben, kann Verbrechen begehen, muss aber nicht sein. Und man kann seine eigene Seite haben, sofort und weltweit kommunizieren und das ist einfach Klasse. Und warum sollte ich als Entwickler nicht darauf achten, dass jeder auf diese Seite kann, darum geht’s ja wirklich. Nicht so, mein Gott, meine Seite ist für meinen Chef und dann gehe ich wieder nach Hause. Es geht darum, dass Leute ihre Seiten benutzen können, dass man die Nachricht rüberbringt. Aber Barrierefreiheit hat einen schlechten Ruf mittlerweile. Wir sind immer diese Meckerer, immer so, oh ne, das kannst du nicht machen, runde Ecken sind ganz böse. [Lachen] Und das Problem ist, dass es unsere eigene Schuld ist, wir stehen nicht auf derselben Ebene wie die meisten Leute, die jetzt auf Konferenzen sprechen oder wir inspirieren die Menschen nicht auf dem gleichen Weg. Meistens sagen wir, das funktioniert nicht, das musst du anders machen. so was macht man nicht. Es ist nie einfach, vorauszusagen, wie andere einen erleben und verstehen. Und das finde ich immer am Schönsten, wenn man dann so Sachen sieht und denkt, ja was ist das jetzt.
Nehmen wir beispielsweise dieses Bild und das ist eine Lampe, könnte aber auch ein Bikini-Unterteil sein, nicht, wenn man genauer hinguckt. Was man oft sieht, wenn es um Barrierefreiheit geht, sind die folgenden Vorträge und ich habe alle drei erlebt im letzten Monat in fünf verschiedenen Ländern. Man hat den Consultant, der erklärt, dass Barrierefreiheit, dass das Gesetz ist und man folgen muss. Morgen wird man dich vors Gericht zerren, wenn du deine runden Ecken nicht mit semantischen Sachen machst. Und das finde ich immer traurig, dass Leute ankommen, es ist das Gesetz, du musst das machen. Ich habe JavaScript verwendet. Bisher war die Polizei noch nicht in meinem Haus. Den anderen Vortrag, den man immer wieder sieht, ist der Screen-Reader-Nutzer, der haufenweise Seiten zeigt, die nicht funktionieren. So, was passiert mit dem Screen-Reader, wenn ich zu dieser Seite gehe und es klappt nicht. „Guck mal, wie böse die sind.“ Und es ist ja ganz schlimm, weil Screen-Reader so furchtbar teuer sind. Man kann ja keine Screen-Reader updaten oder man kann auch keinen Browser updaten. Es muss alles mit den ganz alten Sachen funktionieren. Und jedes Mal auf einer Konferenz hieß es dann, oh und Facebook geht ja nicht und wir würden so gerne Facebook machen. Und es ist einfach schade, dass Leute mit so vielen Negativbeispielen kommen, anstatt zu sagen, guck mal, was mit einem Screen-Reader geht heutzutage.
Ja, sie sind schweineteuer und das meiste ist auch, du hast 40 Minuten Vortrag zu halten und die ersten 20 Minuten stürzt Jaws ab [Lachen] oder der Rechner oder beides. Deswegen habe ich Artur auch gesagt, mach’ Screenshots oder Screencams von dem Teil und mach’ keine Live-Vorträge mit Screen-Readern, das ist einfach dumm. Und dann gibt es den Webdesigner, der erklärt, dass im aktuellen Design alles geändert werden muss, damit es barrierefrei ist. Das ist auch immer ganz toll so, ja, barrierefreie Seiten sind halt noch nicht so hübsch wie andere. Totaler Blödsinn, aber man hört es immer, immer wieder. Wir verkaufen Barrierefreiheit als riesig und schwer, als das große, große Ding so, oh mein Gott, das wirst du eh nicht kapieren, deswegen musst du einen Consultant kaufen oder musst ein dickes Buch kaufen und das lernen. Und in generell, Barrierefreiheit ist nicht so schwer, wenn man einfach mal von der anderen Ecke kommt und sagt, jetzt wollen wir es mal machen, anstatt, jetzt machen wir was und dann machen wir es barrierefrei. Viele Blogger machen genau das Gleiche. Da hast du dann: „Guck mal, was die schon wieder falsch gemacht haben in dem Redesign. Das geht so nicht und da ist ja ein Ampersant drin, das nicht encoded ist und die sind ja ganz, ganz böse…“, nervt.
„Ich bin Chris“, das Publikum schaut gebannt zu.
Und das gibt ein schlechtes Vorbild, weil im Endeffekt wollen wir ein gutes Vorbild sein für Leute und was schönes machen, anstatt zu sagen, nein, das geht nicht und du musst es anders machen, immer nein, immer nein und das muss nicht sein. Mit dem Gesetz zu drohen ist total albern, erstens weil die erste Gerichtsverhandlung, bei der der behinderte Mensch verlieren würde, das wäre ein richtiges Problem für uns. Deswegen werden die meisten sowieso außerhalb vom Gericht verhandelt, weil viele Firmen auch Angst davor haben, dass sie sich lang hinzieht. Ich war jetzt in Sao Paolo, Brasilien, vorletzte Woche und eines der schönsten Dinge war dieses Gesetz: da gibt es ein Gesetz, dass man gucken muss, ob denn der Aufzug schon da ist, bevor man einsteigt. [Lachen] Und dieses Schild steht neben jedem Aufzug: „Before entering the elevator, please check if it’s positioned on this floor“.
Und hier ist sogar die Gesetzesnummer, also für die W3C-Leute hier, die haben auch Nummern. [Lachen] Und ich habe mir nur gedacht, wenn jemand nicht mitbekommt, dass der Aufzug jetzt gerade nicht da ist, wird er das Schild auch nicht sehen, aber es ist das Gesetz. Man regelt das damit und es machen Leute auch so, ach wir sind 508 compliant in Amerika, unsere Seite ist barrierefrei, niemals getestet mit einem echten User, aber sie ist barrierefrei. Schweden hat ein ähnliches Problem, zeigt aber die Warnung in einer anderen Art und Weise. [Lachen] Und zwar ist das, das muss man später noch mal genauer erklären, aber ich möchte echt nicht wissen, warum das passiert ist. [Lachen] Man kann das Web nicht ändern, indem man Gesetze verabschiedet oder Leute verklagt. Die meisten Leute kapieren nicht, dass das Web nicht eine Firma ist, die ich verklagen kann oder ein einzelner Punkt, den ich ausschalten kann. Das Web ist viel größer, das Web ist viel besser.
Es gibt ein superschönes Buch das heißt „Spider and a star fish“ und nachher können wir darüber reden, sonst haut die Frau mich, weil ich zu schnell spreche. [Lachen] Ein Namensvetter hat es ja kürzlich probiert, das Web zu ändern und hat schmerzhaft erfahren müssen, dass es nicht so funktioniert, Wikipedia kann man nachgucken. Man schlecht verkaufen, wenn jemand sagt, was nicht geht. Du wirst niemanden haben auf einer Konferenz, der sagt, so, das ist unser Produkt und das ist kaputt. Aber wir machen das. Barrierefreiheit ist toll, aber es ist richtig schwer und du musst viel Arbeit machen, um das zu machen. Das geht so nicht. Du musst die richtige Sprache benutzen und du musst positive Beispiele für die richtige Zielgruppe haben. Und mit Entwicklern machen wir das leider nicht. Ich habe schon damit angefangen, weil ich bin so ein Zwischenteil. Ich bin ein Entwickler, aber ich bin auch jemand, der gerne Leuten was erklärt oder ich kann auch mit normalen Menschen reden, ohne mich über Star Trek zu unterhalten.
Als aller erstes habe ich dieses Ding hier gebastelt und das ist Easy Youtube. Bei einer Konferenz in London hat eine Antonia Hyde von United Response hat gemeint, es gibt keinen Videoplayer für Leute mit Lernbehinderungen. Es ist furchtbar schlimm. Es gibt viele Leute, die gerne ins Internet gehen würden und Videos angucken würden, aber YouTube ist viel zu schwer, Yahoo! Video ist viel zu schwer. Was kann man damit machen. Youtube hat diese API herausgebracht, mit dem man was Neues basteln kann und ich hab’ das Ding in zwei Stunden zusammengeschustert, habe es dann ins Internet gestellt und habe Emails bekommen wie doof. Nicht nur von ihr, sie war super glücklich, weil sie hat vorher 3000, 5000 Pfund, haben Leute gemeint, kostet das, so was zu basteln, aber auch auf einmal blinde Leute so, ja ich kann endlich YouTube verwenden. Ich habe nicht versucht, das extra für einen Screen-Reader zu benutzen oder sonst was, ich hab’s einfach einfacher entwickelt und auf einmal ging es mit dem Screen-Reader auch. Grundschulen haben mir Emails geschickt: endlich können die Kinder Videos gucken. Dann habe ich es dann fertig gemacht, dass sie nur bestimmte Videos gucken können, [Lachen] weil das ist eventuell eine ganz gute Idee.
Und ich hab’s ein paar Leuten gezeigt, habe es dann auch mit Flickr ähnlich gemacht und anderen Seiten und habe dann von Channel 4, dem Fernsehsender in England 1000 Pfund bekommen und sozusagen mach’ doch was damit. Also habe ich Scripting Enabled gemacht. Scripting Enabled ist eine Konferenz und es ist eine Un-Konferenz, nicht so groß jetzt hier ist Planung und alles drum und dran, sondern es war einen Tag lang habe ich Leute eingeladen, behinderte, die ich kenne oder Menschen, die mit behinderten arbeiten, die vorgestellt haben, was alles falsch läuft im Internet, was sie gerne machen würden und wo sie hängen bleiben, dass wir die echten Barrieren rausfinden und nicht irgend welche Barrieren erfinden, die wir dann wegmachen, sondern wo bleiben Leute hängen und was passiert dann. Und am zweiten Tag hatte ich dann viele Developer eingeladen und gemeint, ok, hier sind die Barrieren, die wir gehört haben. Jetzt machen wir Sachen wie EasyYouTube, die um diese Barrieren rumgehen. Und es war Wahnsinn.
Ich habe wirklich 600 Pfund ausgegeben, 12 Stunden geplant und es waren an die 200 Leute da, es kamen an die fünf Produkte raus und einige Designer, die am zweiten Tag gekommen sind haben gemeint, was mach ich dort, ich bin Designer, Hacker, kann ich nichts mit anfangen. Und sie waren mit Developern zusammen gesessen und ok, das ist ja Klasse, das ist eigentlich das Schöne auch, wenn wir zusammenarbeiten. Viele Entwickler haben noch nie einen Screen-Reader gesehen. Da sieht man, Artur sitzt hier zwischendrin und Sakib von Microsoft war auch da. Und Entwickler saßen eben zusammen direkt mit Hackern, die eben auch blind waren und konnten endlich was zusammen arbeiten, anstatt zu denken, oh ein Screen-Reader wird wohl so benutzt werden oder ich benutz’ den selbst und komischer Weise klappt alles. Seltsam! Aber das war einfach ein wunder-, wunderschöner Tag und man sieht auch ich hatte auch JW hier, der diesen kostenlosen Flash-Player erstellt hat und oben, das war ein Prototyp, der demnächst rauskommt, dass man eben Videos in Flash anzeigen kann mit Gebärdensprache überlagert und mit einem halbtransparenten Hintergrund, dass man das Video sehen kann und den Gebärden-Dolmetscher drüber und das war ziemlich genial.
Feedback war Klasse. Alles, was ich gemacht habe dort ist kostenlos erreichbar auf scriptingenabled.org. Und dann habe ich gedacht ok, was mache ich jetzt damit? Ich habe keine Zeit, das dauernd zu machen und ich habe jetzt gesagt, jeder, der ein Scripting Enabled machen will, kann ein scripting enabled machen. Alles, was ich will ist, dass die Information echt von behinderten Menschen kommt statt von einer Firma, die meint, sie will sich verkaufen und dass am zweiten Tag was gebastelt wird und kostenlos rausgeschmissen wird. Alles, was aufgenommen wird, muss dort ins Internet gestellt werden und kostenlos für Leute rausgebracht werden. Vor zwei Wochen war eines in Seattle, von Amazon gesponsert und Google will eines jetzt in MountainView im März machen und jeder, der eines machen will, scriptingenabled.org stehen die Regeln, gerne bereit, das weiter zu geben und weiter auch Leuten zu erklären.
Eine andere Sache, die ich gemacht habe, ich habe mit einem Designer, Dan Rubin, nach einer Konferenz gemeckert und gemeint, das was du gezeigt hast, braucht niemand. Niemand kann so wie du arbeiten. Echte, gute Designer wie du sollten Sachen machen, die barrierefrei sind oder auch mal so Scherze machen wie ein Room-Booking-System oder ein Finanzsystem. Dass dein Blog toll aussieht, interessiert keine Sau. Das wir tagtäglich wirklich fünf Stunden verbringen, um ein Ticket zu kaufen für den Zug, das ist das echte Problem, da sind die echten Barrieren-Probleme und keiner der Designer macht damit was. Dann sagt er, ja du hast Recht. Und dann sind wir nach Atlanta zusammen gegangen und haben „Making Accessibility Sexy“ einen Vortrag gehalten und haben auch einigen Leuten gezeigt, wie man das macht und er baut jetzt ein paar Sachen, ein paar Skins für Easy YouTube und wirklich auch in der Designwelt erklärt, dass Accessibility „sexy“ ist, dass es eine schöne Sache ist, wenn Leute deine Sachen verwenden können und das ist eine tolle Message, die man geben kann, egal wie bunt und rund deine Ecken sind.
Wenn du mehr Kunden hast, macht mehr Sinn. Andere zeigen euch auch wie es geht. Letzte Woche in Paris, war bei Paris-Web waren zwei Freunde von mir, die lange, lange Zeit im Internet zusammen Artikel geschrieben und sonst was und sie haben einen Vortrag gehalten über Barrierefreiheit und haben das mit Zaubertricks gemischt und solche Sachen, oder sie haben Leute auf die Bühne geholt und ihnen die Augen verbunden und jetzt probier’ doch mal die Tastatur zu benutzen. Oder jemanden die Hand hinten an den Rücken gebunden und jetzt navigiere mal durch diese Seite mit einer Hand. Und es war also ein superschöner Vortrag. Ich hoffe, er wird beschrieben, dann kann ich es auch auf Deutsch übersetzen oder auf Englisch und es war wirklich, wirklich schön, weil das Publikum war da und das war „das ist ja Klasse. Das macht ja echt Sinn“. Wenn ich merke, wie es für mich ein Problem auf einmal gibt in diese Seite zu gehen, anstatt dass jemand dasteht, du musst diesen Guidelines folgen, sonst wirst du ins Gericht gezerrt. Echt menschliche Zusammenarbeit hat um einiges mehr Sinn in diesem Fall.
Weitere Schritte zur barrierefreien Weltherrschaft: [Lachen]
Christian Heilmann beim Vortrag
Das habe ich bei einem Arbeitskollegen von mir gefunden, so schön. Anstatt Technologien zu verdammen, warum machen wir nicht Beispiele, wie sie barrierefrei gemacht werden. Ajax, oh, böse, kann man nicht machen. Aber anstatt richtig schöne Beispiele und die überall ins Web zu stellen und zu sagen, hier ist eine Lösung, hier ist eine Lösung, ruhig, Ajax ist nicht böse. Man kann schöne Sachen mit machen. ARIA-Live-Region ist eine tolle Lösung dafür beispielsweise. Aber nein, wir meckern immer rum. Anstatt zu verlangen, dass Dinge in einer bestimmten Art und Weise gemacht werden, Gründe angeben, beispielsweise keine JavaScript-Version. Ich zeige meinen Black-Berry und Black-Berry ist richtig scheiße mit JavaScript. Und jeder Manager, den ich kenne, benutzt einen Black-Berry. Also wenn die Seite da drauf läuft, kann ich in der U-Bahn auch hier deine Emails beantworten.
Wenn du mit JavaScript das machst, kann ich es nicht. Und das sind so Sachen wie Barrierefreiheit habe ich auch gerne verkauft mit Mobile Phones oder mit anderen Devices, dass ich eben dastehe und sage, gut, läuft bei mir jetzt und das ist ein Touch-Interface und solche Sachen. Es ist einfach nicht, wir machen die Technologie so, es muss so schwierig sein. Eines der schönsten Beispiele und sorry, das kommt nicht in den Slides vor. Eines der schönsten Beispiele ist das Nintendo Wii, die Spielekonsole. Seit Jahren hat Sony und Microsoft sich die Köpfe eingeschlagen, wer die tollste Konsole hat. Viele Grafiken, viel Musik, ganz, ganz toll, ganz schnell. Und dann kommt Nintendo mit einer Konsole raus, die eigentlich schlecht aussieht, die Spiele, aber ich spiele das Ding, indem ich meinen Kontroller hin- und herfuchtel.
Und es ist so intuitiv und so einfach, dass es jeder, dass es so Klasse. Es gibt ein Video auf YouTube, wo in einem Altersheim in Amerika haben sie ein Wii aufgestellt und haben den Leuten nichts erklärt. Und innerhalb von fünf Minuten haben die 80-, 90-jährigen Leute angefangen zu spielen, weil es eben so intuitiv und so einfach ist, das zu machen. Und ich habe meiner Familie ein Wii geschenkt, meine Eltern, mein Bruder, seine Kinder, alle zusammenhaben gespielt. Meine Eltern würden keinen Computer anfassen. Sie haben den Magnetstreifen in ihrer Kreditkarte verkratzt, weil kann man ja klauen dann. Aber Wii, Klasse. Genauso muss Barrierefreiheit sein. Es muss Spaß machen, es muss einfach sein und es muss einfach toll sein, das zu machen. Vor allem allerdings wird es Zeit, dass wir verstehen, dass die Webentwicklung sich entwickelt und das kapieren viele Leute in der Barrierefreiheit-Welt nicht. Entwicklung ist ein geiles Wort, wer hat es denn so verknotet. Wir haben hier die Barrierefreiheit: „Das geht nur mit Jaws 5 und Internet Explorer und ich werde niemals eine Möglichkeit haben, meinen Internet Explorer zu verbessern, weil ich bin ja ein armer blinder Mensch und es geht ja für mich alleine nicht.“.
Wer hier kann seinen Rechner installieren oder reparieren mittlerweile? Man braucht immer irgend jemanden, der einem hilft, weil Windows, nein, mache ich nicht mehr. Webentwickler auf der anderen Seite, jeder hat JavaScript und Flash und IE6 ist tot, IE6 braucht keiner mehr, wir haben die neueren, wir sind Firefox, wir haben das und das. Das sind die beiden Welten, in denen wir uns bewegen und dann wundern wir uns, wenn Webdevelopper nicht auf Barrierefreiheit-Menschen hören. Weil wenn ich höre, was ich vor fünf Jahren weggeschmissen habe und nicht mehr haben will, wenn Leute sagen, das kann man nicht ändern, das ist so, wo wir jetzt sind, wir sind einfach nicht mehr da, es gibt die Möglichkeiten, wir müssen bloß zu den Menschen reden in der richtigen Art und Weise. Mit Firefox, Firebug und Greasemonkey kann ich jede Seite im Web abändern und ich gebe übernächste Woche einen Vortrag in Schweden, wo ich das eigentlich zeige, wie ich Seiten verändern kann, wie ich Prototypen erstellen kann, ohne dass ich auf den Server muss und groß rumschrauben muss. Und ich kann auch jede Seite reparieren für jemanden.
Ich meine, Artur hat beispielsweise echte Sprachen reingebastelt mit Greasemonkey. Wir haben Greasemonkey für ihn installiert und jetzt schreibt er sich kleine JavaScripts, um seine Seiten zu reparieren. Wie geil ist das denn, anstatt zu sagen, oh, wir brauchen eine Firma, die das jetzt für uns repariert und bitte macht doch ein anderes Content-Management-System und so weiter und so fort. Man kann damit ganz schnell Sachen basteln und wir sollten einfach mal anfangen, auch diese Sachen zu kennen, bevor wir anfangen, Leuten zu sagen, ja, es geht nur IE. Das macht so viel Spaß, mit dem Ding rumzuspielen und die kosten nichts. Und die sind auch immer neu. Wenn da ein Fehler kommt, werden die gleich neu upgedatet und mein Rechner sagt mir, oh, da ist ein neuer da, willst du ihn installieren und ich muss noch nicht einmal neu starten. Internet Explorer, meistens muss ich den Rechner neu starten. Entwickler lieben es, mit Technologien zu spielen und was Tolles, Neues zu erstellen, immer, die ganze Zeit. Also so normalerweise hast du 10, 20 Minuten, wo ein Entwickler dir zuhört. Dann fängt er an, was rumzutippen und was Schönes zu machen. [Lachen]
Und die 10 Minuten muss man richtig nutzen. [Lachen] Dabei kommen meistens interessante, aber auch nicht unbedingt sinnvolle Sachen raus. [Lachen] Mein bestes Beispiel von 2001 ist Primärzahlen scheißende Bär. [Lachen] Das ist eine kleine Animation, wo der Hintern wackelt und Primärzahlen bei rauskommen. Und es gibt sogar einen Highscore, wer seinen Bären am längsten laufen hatte. Für 2001 beeindruckend, weil er macht auch Furzgeräusche. [Lachen] Und das sind solche Seiten, die man immer wieder findet und denkt sich, der hätte auch was Anderes machen können. [Lachen] Wir haben echte Probleme von echten Menschen, die Lösungen brauchen. Und ich habe keine deutsche Tastatur, deswegen ist das „oe“ und nicht „ö“, komische Sprache das.
Entwickler haben Zeit und Lust, diese zu lösen, aber das Problem ist, dass wir nicht miteinander reden. Wo es hapert, ist, dass wir nicht in der richtigen Sprache miteinander reden. Wenn ich nicht weiß, wie der Typ tickt, dann kann ich ihm auch nichts verkaufen, sondern wir reden aneinander vorbei. Das war im Hongkong Hauptbahnhof. [Lachen] Gleich auch kürzlich bei der BBC, da war ein Straßenschild, dass das auf Englisch sagte und unten drunter auf Gälisch, in Wales. Und die gälische Übersetzung war: ich bin heute nicht im Büro, ich komme am Montag zurück. [Lachen] Aufpassen! Also, wir brauchen mehr Information über Open Source-Technologie und Barrierefreiheit. Anstatt dass Leute über Jaws reden, über Window-Eyes und andere teure Sachen, sollten wir mehr über Orca reden, über die kostenlosen Linux-Versionen, die es gibt, mit Screen-Readern drin, über die Sachen, die wir kostenlos sofort installieren können und Leuten zeigen können, was sie damit anfangen können. Firefox, Greasemonkey, bei uns im Büro ganz normal, dass ich jemandem die Seite umschreibe und ihm ein Greasemonkey-Script schicke und er klickt dann an, so würde es dann aussehen, wie lange brauchst du, ok, zwei Monate, basteln wir es. Nicht so, oh, ich brauch Zugang zum Server, muss was Neues erstellen, muss was runterladen, nein, ich kann es schnell mal einfach da haben und es ist umsonst.
Wir müssen mit der Webentwicklungswelt arbeiten und sie nicht zurückhalten, anstatt zu sagen, das geht nicht, ein blinder Mensch kann das nie machen und jemand, der keine Maus benutzen kann usw. Sondern so, weißt du, dass ein blinder Mensch so was richtig gut machen mit einem Screen-Reader heutzutage, weißt du, das so und so was funktioniert? Wir hatten dieses Yahoo! Live z.B., das war ein Onlinechat-System, wo man sich eigentlich eine Webcam, wo man seinen eigenen Fernsehsender hat und andere Leute konnten mit ihrer Webcam sich auch zeigen und miteinander kommunizieren. Meistens waren es richtig schlechte DJs oder Leute, die sich irgendwas zeigen wollten, aber dann habe ich einen Chat für Gebärdensprache gefunden. Und zum ersten Mal im Internet konnten Leute miteinander kommunizieren über Gebärdensprache, ohne 1:1 über Videochat das zu machen, sondern über eine Webseite. Und jeder so, Flash und das war ja ganz böse, eine ganz, ganz nicht barrierefreie Seite, anstatt zu bedenken, dass es andere Behinderungen gibt oder andere Möglichkeiten gibt, dass Menschen dann doch deine Sachen benutzen können und daraus einen Vorteil ziehen können. Es geht nicht nur um Blinde, es geht nicht nur um Gebärdensprache, es geht nicht nur um Lernbehinderung, es geht um alle und man findet immer was schönes in allen Sachen.
Assistive Technologie muss einfacher werden und billiger. Das ist das Hauptproblem. Als Entwickler allein schon einmal Jaws zu installieren, war so ein ganzer Spaß mit Jaws 4. Startdiskette, ich hab keinen Rechner mehr gehabt mit einem Laufwerk mehr. Ich musste ein Image von der Diskette runterladen und ein Laufwerk simulieren, um Jaws auszutesten, also toll, ganz gewaltig. Und das passiert 100%-ig nicht im kommerziellen Bereich, weil der kommerzielle Bereich derzeit in der Innovation in unserem Markt an die 2, 3 Jahre zurückhängt. Das sieht man in Sachen wie was Linux beispielsweise heutzutage rausbringt und an Apple schön macht, macht Microsoft drei Jahre später und verkauft es nicht. [Lachen] Hab’ ich gehört. [Lachen] Entwickler müssen mehr über echte Barrierefreiheit und Informationen über echte Barrierefreiheit erhalten, anstatt zu denken, ich hab 1999 das Buch gelesen, so benutzt jeder Screen-Reader-User das Web, nö, ist nicht mehr so, ist weitergegangen.
Leute können bessere Sachen heutzutage machen. Die echte Information ist nicht da und es liegt hauptsächlich daran, dass wir nicht rausgehen und dorthin gehen, wo die Entwickler sind. Wow, ich wusste, was mein nächster Slide ist, Klasse! Und zwar, wo wir Entwicklerinformationen herbekommen und nicht an unseren eigenen Sachen, das ist das zweitrangige Problem. Wir geben Informationen raus und dann schmeißen wir es auf unsere Webseiten oder auf Mailinglisten, die sowieso nur für barrierefreie Interessenten sind. Toll, wenn die Information da ist, wissen wir alle, was wir schon wussten. Wenn wir die Informationen auf andere Mailinglisten schmeißen, lernt vielleicht jemand was davon, nein, gefährlich, muss nicht sein. Also, z.B. GoogleReader, Shared Items. Ich benutze GoogleReader, um alle RSS-Feeds zu lesen oder ja, MyYahoo! Glaub ich, kann das auch. Und wenn ich was Schönes finde, kann ich einen Knopf drücken und sagen, das ist toll, bitte lest es doch auch. Und ich schmeiß da alles, was Barrierefreiheit ist rein, selbst, wenn es Leute nicht interessiert, aber sie können immer wieder sagen, gut, will ich nicht haben, aber hey, das hört sich interessant an.
Favoriten bei Delicious oder Mr. Wong: Mr. Wong ist eine ganz seltsame Seite, [Lachen] ist halb rassistisch teilweise, aber egal. Wenn Leute da was finden und es auf der Homepage von Mr. Wong irgendwas über Barrierefreiheit ist, das wäre doch Klasse, aber wir können es nicht verkaufen, indem wir sagen, Barrierefreiheit ist schwer. Wir können sagen, guck mal, was wir gemacht haben, was jetzt ganz toll ist in Barrierefreiheit.
Kommentare und große Gruppen in Facebook und Xing, Crossing, wie man das nennt: auch ganz wichtig, dass eben in diesen neuen Netzwerken, wo Leute sich finden, dass wir da hingehen, anstatt zu sagen, wir kommen da eh nicht rein, das kann ja kein Blinder benutzen, bla. Ich war auf der Together Rate Festival in London, da geht es um IT, dass Verbesserung der sozialen Mitarbeit in England machen soll. Und eine Firma, die sich vorgestellt hat, will eben Kriminalität von Jugendlichen bekämpfen mit IT-Systemen und irgendwie Netzwerken im Internet. Und sie haben einen Preis gewonnen und haben irgendwie gemeint, ja, wir kriegen jetzt Funding dafür und wir können jetzt eine Seite machen und geht auf die Bühne und ja, danke für den Preis, wir brauchen jetzt eine Design-Agentur, die uns eine ganz schöne Seite macht. Und ich stehe auf, nein, ihr braucht eine Facebook-Gruppe, weil da sind die Jungs, die ihr erreichen wollt. Nicht auf einer tollen Seite, die niemand finden wird, wo ihr dann noch mal 3.000 Euro ausgebt fürs Search Engine Optimization.
Das Netz ist die Plattform. Eure Seite ist nicht, wo Leute hingehen. Je mehr wir Sachen auf das Netz schmeißen, je breiter wir uns fächern, desto mehr Leute erreichen wir. Und dann schicken wir sie zurück zu einer Seite. Wenn ihr eine Gruppe habt mit 50 Jugendlichen und irgend welche Informationen habt, dass das sich geändert hat, dann macht eine Webseite da draus, aber vorher bring es nichts. Was wir brauchen sind inspirierende Videos, Podcasts und Präsentationen und nicht so, oh, das geht nicht, sondern, so geht das, so funktioniert ein Screen-Reader, so funktioniert jemand, der nur Tastatur benutzen kann. Hier gibt es zwei Stück, die leider jetzt hier nicht gehen, weil ich keinen Ton habe. Und zwar ist das mit Easy YouTube, beide. Einmal ein lernbehinderter Mensch und einer mit einem Screen-Reader und die Videos sind absolut Klasse, weil die Screen-Reader-Sache, sie fängt an, das Video anzugucken und sagt dann irgendwie so, ja, oh Gott, YouTube, da kann ich doch eh nichts sehen und dann so, da sind ja Knöpfe, geil, das ist ja der Hammer.
Und dann fängt sie an mit dem Ding durchzugehen und der letzte Satz ist irgendwie, dass das Internet uns Macht geben sollte, dass wir eben Möglichkeiten im Internet bekommen würden und meistens gibt es das nicht und das ist irgendwie traurig. Und so was macht es dann, dass Leute das Internet nicht benutzen können, weil sie dachten, sie konnten es nicht. Auf der linken Seite die lernbehinderte Frau hat das Video aufgefunden und sie hat ein eigenes Video auf YouTube gehabt, weil sie singt bei einer Band auch und sie hat das Video nie angucken können, weil sie eben YouTube nicht kapiert und hat dann eben diesen YouTube-Player ausprobiert. Und die Researcherin, die sie interviewt hat und gemeint hat, jetzt mach’ das doch mal, zum Schluss hat sie gemeint, ja du kannst jetzt gehen, ich will jetzt meine Videos angucken. [Lachen] Und das ist so genial, weil es geht ja nicht darum, dass wir behinderten Menschen helfen, ins Internet zu kommen, die brauchen ja immer unsere Hilfe. Nein, wir wollen, dass Leute ins Internet gehen können ohne unsere Hilfe zu brauchen und darum geht’s. Darum geht es, dass wir Leute befreien und nicht irgendwie sagen, ja wir helfen denen, oh mein Gott, der arme Kerl. Das muss ja nicht sein. Also, meine Damen und Herren, erhebet die Hintern und auf geht’s ins Web! Und das ist alles, was ich sagen wollte. Danke Schön!
Klaus Miesenberger
Und ich soll jetzt einen ganz normalen ordinären Konferenzschluss machen mit dem üblichen Dankeschön. Mach’ ich nicht! Wer irgend welche Fragen hat, drauf los!
Christian Heilmann
Die wollen alle essen. [Lachen]
Klaus Miesenberger
Ja, das ist auch eine Un-Konferenz.
Christian Heilmann
Ich habe noch zwei Sachen, die ich zeigen will allerdings. Hier ist ein Foto von mir gestern beim Baden, ne [Lachen] und zwar wir haben hier von Crowd-Sourcing gesprochen. Das bedeutet, dass wir anstatt Leute einzukaufen, was zu machen, das einfach ins Web schmeißen und Leute es selbst reparieren. Und da gibt es zwei ganz tolle Sachen, ist es das, nein, nein. Erstmal habe ich das, habe ich vorhin schon gemeint, GoogleAjax, eine Gruppe, die kleine Scripts schreibt, um Webseiten zu verbessern für Leute mit Screen-Readern und man kann Seiten selbst reparieren und ganz schnell was reinschicken und es geht ganz gut ab. WebVisum ist für Firefox 3 ein Plug-In und zwar ist das eine Seite, dass jemand, der Firefox 3 benutzt und Screen-Reader und damit durch das Web surft, eigene Probleme lösen kann. Man hat jetzt beispielsweise so auf einer Seite 200 Links, die sagen: „Click here“. [Lachen]
Und wenn ich WebVisum installiert habe, kann ich auf den Link klicken, gehe zu der Seite, kann die Seite durchlesen und dann sagt WebVisum mir, über was geht die Seiten, willst du diesen Link umschreiben. Und dann kann man den Link selbst umschreiben und der nächste Benutzer, der WebVisum benutzt und eben auch einen Screen-Reader hat den richtigen Link, anstatt den „Click here“. Also Menschen mit einer Behinderung können das Web selbst für sich reparieren, ohne dass sie andere Leute brauchen und das ist absolut genial. Das Zweite, was ich machen will und was ein bisschen schwieriger ist, ist das CAPTCHAs mit WebVisum gebrochen werden, also diese verschnörkelten Zahlen-Dings-Bums-Dinger, die man da eingeben muss. Und zwar was WebVisum macht ist, einen OCR-Scanner da drüber laufen lassen und dann sagt, was das wahrscheinlich ist. D.h. ein Blinder muss nicht jemanden fragen, dass er doch bitte dieses CAPTCHA für ihn eingeben soll, sondern kann es selbst damit machen. Ist ein bisschen Security-Problem, Leute meckern ein bisschen drüber, aber andererseits ist ein CAPTCHA, also wer heutzutage meint, ein CAPTCHA ist eine Sicherheitsmaßnahme, der kann auch eine Zeitung gegen den Regen nehmen, das kommt aufs Gleiche raus. Bestes Beispiel, wie man ein CAPTCHA umgeht. Ich nehme eine Seite, ich schreibe ein Script, dass zu deiner Seite geht und versucht, sich einzuschreiben.
Dann kriege ich ein CAPTCHA zurück. Ich nehme dieses CAPTCHA, schmeiße es auf eine andere Webseite und sage, wenn du Kätzchen sehen willst oder Pornografie meistens, gebe mir dieses CAPTCHA ein. Der andere Nutzer gibt dieses CAPTCHA ein, ich gehe zurück zu deiner Seite und log mich ein, kein Problem, 20 Zeilen im PHP. Aber naja, CAPTCHAs, ganz sicher. Es ist nur dafür da, dass wirklich dumme Leute, die da in deine Seite reinkommen wollen, abgeschreckt werden und Nutzer, die dann wirklich deine Seite benutzen wollen. Das zweite, was wir haben, ist das IBM Social Accessibility Project. Das ist ähnlich, aber doch anders. Und zwar ist das ein Plug-In für Screen-Reader, für Jaws und für Window-Eyes, dass eben zu einem Server sich verbindet bei IBM und Leute können sagen, ich helfe dir mit dieser Seite.
Blinde Menschen können also sagen, ich habe ein Problem hier, schicke es an Social Accessibility Project und die Leute, die eingeschrieben sind beim Social Accessibility Project machen das dann für dich und das nächste Mal ist es dann schon fertig. Und das ist so eine Zusammenarbeitssache, die auch ganz nett gemacht ist. Und das sind eben solche Sachen, wo ich mehr hören will. Ich will mehr solche Beispiele haben und nicht solche Meckerbeispiele, dass wir dann doch diese Guidelines befolgen müssen oder dieses Gesetz. Und ja, es gibt wahnsinnig viel draußen rauszufinden, einfach nur die Augen offen halten, dann können wir weitermachen. Und jetzt gehen wir was trinken, oder? [Lachen] [Applaus]
Klaus Miesenberger
Vielen Dank noch mal! Vielen Dank den Organisatoren im Namen von accessible media! Vielen Dank der Computergesellschaft für die Registrierung! Vielen Dank vor allem auch den Gebärden-Dolmetschenden Personen, [Applaus] die den wienerischen Dialekt und den deutsch-amerikanischen Dialekt gut verstanden haben! Und auf, erhebt, wie hast du gesagt, die Hintern, dass ich nicht das wienerische Wort erwische,[Lachen] und ran an die Rechner oder ran ans Buffet, neue Idee, nach Hause ins Web und ran an die Rechner! Vielen Dank!
Christian Heilmann