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A-Tag ’08 — Die Zukunft ist heute

Inhalt

Ausgewählter Vortrag:
Keynote: »Von Jugend an…«

  • 21.11.2008, 09:40–10:25 Uhr, Raum 1

    Eine Keynote soll den Grundgedanken, den Grundton, einer Veranstaltung vermitteln. Der Grundgedanke in dieser Keynote ist, dass es mehr braucht als eine Webdesignerin oder einen Webdesigner um das Web barrierefrei zu gestalten. Man kann das Wissen einer Fachperson nutzen, aber Barrierefreiheit nicht einfach auslagern.

    • Es bedarf einer grundlegenden Einstellungsänderung des Zugangs zur Thematik.
    • Es bedarf frischer Ideen wie schon Jugendlichen die Barrierefreiheit nahe gebracht werden kann, wie ein barrierefreies Web sogar Spass machen darf und somit selbstverständlich wird.
    • Es bedarf aber auch der Grundlagen und der Unterstützung derer, die ihre ersten Schritte in Richtung Barrierefreiheit setzen.

    Die Keynote versucht in 30 Minuten den Bogen zwischen Vision und Praxis zu spannen.

    Außerdem erfahren Sie warum gerade ein Jugendministerium so großes Interesse an einer Fachtagung wie dieser hat und warum der Titel der Tagung perfekt auf Jugendliche und auf das Thema „Accessibility“ passt.

    Unterlagen

    Transkription:

    Die Transkription der Begrüßung durch Eva Papst haben wir – der Übersichtlichkeit halber – auf einer eigenen Seite.

    Klaus Miesenberger:

    Wenn man sich das exponentielle Wachstum von Webseiten ansieht – im Internet – und das doch geringe Wachstum von barrierefreien Seiten, dann ist es dringend notwendig, dass solche Veranstaltungen aufmerksam machen, Bewusstsein schaffen, das Bewusstsein für Barriere­freiheit vorantreiben und nicht erst, wie für mich, in einem hohen Alter, sondern von Beginn an, von Jugend an. Deshalb sind wir sehr froh, sehr stolz, dass wir eine Keynote haben, die sich genau mit dem Thema aus­einander­setzt, früh zu beginnen, früh Barriere­freiheit umzusetzen, dass Barriere­freiheit eine Einstellungs­änderung voraussetzt, dass diese Einstellungs­änderung vor sich geht, dass dann vielleicht Barriere­freiheit gestalten, Barriere­freiheit realisieren auch Spaß macht. Deswegen ist es mir eine besondere Ehre, Herrn Robert Lender zu begrüßen vom Bundes­ministerium für Gesundheit, Familie und Jugend und ihn zu bitten, uns die Keynote zu präsentieren. Bitte. [Applaus]

    Robert Lender:
    Robert Lender steht vor der Leinwand, im Vordergrund ist das Publikum zu erkennen.

    Das Publikum schaut gespannt zu. (Bild: Markus Ladstätter)

    Ich darf Sie ganz herzlich willkommen heißen im Namen des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend. Ich möchte ganz vorab einmal danken. Einerseits danken Ihnen allen, dass Sie heute hier gekommen sind, dass Sie Interesse zeigen für dieses Thema und auch für die ReferentInnen des heutigen Tages. Ich möchte natürlich eben auch den ReferentInnen danken, dass sie zugesagt haben, an dieser heutigen Tagung teilzunehmen und damit einen spannenden Bogen zu dieser ganzen Thematik uns zu bieten. Und natürlich auch ein Dank geht auch an die Organisatoren und Organisatorinnen, dass Sie diese Tagung heute möglich gemacht haben.

    Keynote ist so ein überspannter Begriff, wo man glaubt, dass da jetzt alles Mögliche kommen wird. Der Anspruch ist, ich habe hier alles reinzupacken. Das werde ich natürlich nicht. Ich werde mir jedoch nur eines erlauben: Im Vergleich zu vielen der Referate, die kommen werden, die sehr technisch sind, dass ich aus dem nicht technischen Bereich erzähle. Ich komme eben aus dem Jugend­ministerium, beschäftige mich hier also mit einer Thematik, die sich hier Jugend­politik nennt, Umgang mit Jugend­organisationen und bedeutet eben auch ganz andere Themen.

    Außerdem Keynote: Da steckt auch das Wort Key (Schlüssel) drin, d.h., wenn, dann sperren wir gemeinsam jetzt ein paar Räume auf, aber die wir dann auch gemeinsam entdecken müssen. In den 30 Minuten, die ich circa habe, dass ist eh kurz – oder lang. Ich hoffe für Sie nicht zu lang. Ich hoff’ für mich nicht zu kurz.

    Ich möchte ein paar Themen anschneiden: Jugend und barriere­freies Web (sitzen thematisch im selben Boot), die ersten Schritte des Jugend­ministeriums, dann etwas was ich den Coolness-Faktor genannt habe. Etwas kurz anschneiden zum Thema Beteiligung (Partizipation) und Sie dann noch zum Mitmach-Web einladen.

    Es gibt zwei Schlag­worte zum Thema, nämlich „die Jugend von heute“ und „die Jugend ist unsere Zukunft“. Natürlich ist die Jugend unsere Zukunft im Sinne, dass die Jugendlichen von heute die Erwachsenen von morgen sind, die einen wesentlichen Einfluss auf unsere Welt haben werden und damit auch auf die Gestaltung des Webs. Aber die Jugendlichen sind auch in unserer Gegenwart. Und das ist sozusagen bedeutsam und wir müssen uns heute und hier um sie kümmern.

    Robert Lender und die Gebärdendolmetscherin Patricia Brück (Bild: Martin Ladstätter)

    Viel zu oft wird dieses Schlagwort „die Jugend ist unsere Zukunft“ dafür genutzt, dass man heute nicht darüber nachdenkt und das Ganze auf morgen verschiebt. Und das Andere ist: „die Jugend von heute“. Es gibt nicht die Jugend.

    Fragen Sie einen 14-jährigen, ob er einen 16-jährigen versteht. Wird er oft nicht tun. Ein 18-jähriger wird mit einem 16-jährigen oft auch nicht mehr viel gemeinsam haben. Ein Jugendlicher in Ottakring wird auch oft mit einem Jugendlichen in einem Bergbauerndorf in Tirol nicht viel gemeinsam haben. Natürlich sind alle Jugendliche, haben teilweise die gleichen Träume, haben teilweise die gleichen Entwicklungsschritte, aber es gibt eben auch sehr viele Unterschiede.

    Und ich würd’ sagen – und jetzt meine Sicht der Dinge: Bei der Barriere­freiheit geht es uns eigentlich genauso. Es gibt zwar Grundsätze und Regeln zum Thema Barriere­freiheit, aber es gibt einerseits nicht das Web, wenn wir uns anschauen, wie viele Applikationen, wie viele unterschiedliche Themen, wie viele unterschiedliche Angebote es gibt, dann muss man auch ganz unterschiedlich darauf reagieren. Deshalb kann es auch nicht die Accessibility geben, die so in ein/zwei Sätzen erklärt und drüber geht und erklärt: so mache ich alles barrierefrei.

    Ich brauche oft ganz unterschiedliche Ansätze, natürlich mit bestimmten Regeln, um etwas barrierefrei zu machen. Die Fragen zum Web 2.0 sind heute ein Thema und nicht ein zukünftiges und vielleicht schon morgen nicht mehr, weil wir dann vielleicht schon das Web 2.5 oder das Web 3 oder sonst etwas haben. Und in diesem Sinne freue ich mich ganz besonders, dass der heutige A-Tag sich sehr stark diesem Thema Web 2.0 widmet und der Frage, wie wir das Web 2.0 barrierefrei hinbekommen.

    Ich habe mir erlaubt, zum Thema Zukunft ist heute, zwei markante Sätze zu bilden, vielleicht etwas provokativ oder auch nicht: Wer sich der Jugend heute nicht annimmt, den hat sie morgen schon überholt. Und das sehen wir teilweise schon, dass gerade im Web die Jugendlichen uns total überholen. Dass sie Dinge machen, von den wir Erwachsene überhaupt nichts mehr mitbekommen, oder überhaupt nicht mehr verstehen, was da eigentlich im Web so abgeht; was Jugendliche machen. Und ich würd’ auf Web auch übertragen: Wer sich dem Web heute nicht annimmt, den hat es morgen schon überholt.

    In Anbetracht dessen hat das Jugendministerium begonnen, hier erste Schritte zu setzen. Wir haben neue Richtlinien für Jugendförderung erstellt, wir haben Weiterbildungsangebote begonnen und wir haben begonnen Informationen ins Web zu stellen. Dazu möchte ich gerne ein bisschen was ausführen: Das Behindertengleichstellungsgesetz fordert eigentlich, dass die Förderungsrichtlinien des Bundes entsprechend umzustellen sind, damit sie dem Behindertengleichstellungsgesetz und dessen Intentionen entspricht. Da muss ich ehrlich zugeben, da ist der Bund leider in manchen Bereichen noch ein bisschen hinterher.

    Wir haben aber begonnen und gesagt: Ok wir müssen da federführend eigentlich fast sein bzw. sind wir eigentlich fast federführend Es gibt neue Richtlinien bezüglich Jugendförderung, also der Förderung, die wir sozusagen für den Jugendbereich hergeben. Es gibt natürlich auch noch andere, die Jugendorganisationen und -einrichtungen fördern. Ab 1.1.2009 gibt es eine Verpflichtung, dass Webseiten, die wir fördern oder generell Webangebote, die wir fördern, barrierefrei zu sein haben und auch den Anspruch, dass Bundesjugendorganisationen, also die großen Jugendorganisationen in Österreich mit hundert tausenden Mitgliedern, dass deren Webseiten – zumindest im Bundesbereich – auch barrierefrei sein müssen oder sollen oder zumindest auf dem Weg zur Barriere­freiheit sind.

    Grund dafür ist einerseits, dass wir durchaus sehen, dass das auch Vorbildwirkung haben kann und soll, d.h., wenn wir das Thema als Ministerium aufgreifen, dass wir damit gegenüber anderen Initiativen und Jugendlichen zeigen, dass das Thema Barriere­freiheit ein wichtiges ist und dass wir damit auch anregen wollen, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene mit der Thematik überhaupt auseinandersetzen.

    Wir haben auch begonnen erste Seminare und Workshops anzubieten.

    Wir haben auch begonnen, weil der Anspruch auch da war – „Naja, wie geht denn das alles und was muss ich alles dazu wissen?“, schon erste Seminare und Workshops anzubieten. Aber wir haben natürlich auch gesehen, dass ehrenamtliche MitarbeiterInnen – also sprich unbezahlte, die das wirklich in der Freizeit tun; hoch engagiert -, dass die ganz andere Zugänge brauchen. Das sind oft kleine Organisationen, wo Menschen in ihrer Freiheit hoch aktiv sind, die können es sich nicht leisten, einen unter Anführungszeichen teuer oder nicht teuren Accessibility-Test zu machen, sich eine Firma zu leisten, die ihnen ein Webangebot erstellt. Die machen das oft selber und brauchen da einfach Unterstützung.

    Und da hab ich jetzt noch auf die Folie geschrieben „Gesucht Informationspool“. So ein erster Wunsch, eine erste Anregung. Vielleicht gibt es auch Menschen unter Ihnen, die sagen: Ja ich möchte eigentlich solche Initiativen, die ehrenamtlich etwas für das Wohl unserer Gesellschaft tun und auch unterstützen, indem ich sag ja, ich biete euch ein bisschen Know-how von mir an. Ich helf’ euch sozusagen ganz kostenlos oder zu einem geringen Beitrag hier etwas zu tun.

    Manchmal sind es einfach nur ein oder zwei Fragen, die die Leute haben und wo es einfach Menschen geben muss in ihrer Umgebung, die ihnen das anbieten. Das heißt nicht, dass das Ministerium hiermit entlassen wäre aus seiner Verantwortung, hier weitere Informationen anzubieten und Workshops zu machen – schon gar nicht! Aber in der ganzen Bandbreite, die es hier im Bereich der Jugendarbeit gibt, können wir natürlich nicht überall sein.

    Wir haben auch begonnen, erste Schritte sozusagen Informationen ins Web zu setzen. Sie sehen hier einen Screenshot einer Website, die sich nennt „Jugend wandert“. Das ist ein erster Versuch, das sind wir noch sozusagen am 0,1. Schritt. Nämlich das ist die Website einer nicht existenten Jugendorganisation, nämlich eben „Jugend wandert“, wo wir anhand eines solchen Beispiels zeigen wollen, wie kann ein barrierefreies Template ausschauen, wie bestimmte Elemente einer Website, die Jugendorganisationen brauchen wie Kalender und Co. wie können solche Elemente auch barrierefrei gestaltet werden können. Das war auch ein Anspruch vieler Jugendorganisationen: „Wir wollen Beispiele haben. Wir wollen Beispiele haben. Wir wollen Beispiele haben.“ Ein erster Versuch. Ein erster Schritt.

    Robert Lender beim Vortrag (Bild: Christian Heilmann)

    Und was wir gesehen haben in der Diskussion im letzten halben, dreiviertel Jahr mit allen Jugendlichen und Einrichtungen: Es bleiben viele Fragen, auch wenn wir versuchen sie zu beantworten, sie kommen immer wieder. Ich glaube Sie kennen sie alle, diese Fragen.

    Wie ich und viele andere immer wieder sehen. Sie bleiben einfach und wir müssen uns ihnen stellen. Das sind ganz einfach simple Fragen: Was ist Barriere­freiheit? Wer braucht eigentlich Barriere­freiheit? Wie messe ich die Barriere­freiheit? Das ist immer so diese Frage: Kann ich hier Maßstäbe ansetzen?

    Aber natürlich gerade, wenn ein Ministerium sagt: Wir fördern nur barrierefreie Websites, dann ist natürlich auch immer die Gegenfrage, nach welchen Kriterien bewertet ihr das eigentlich auch? Die Frage immer: Gibt es ein barrierefreies Content-Management-System? Schön, heute bekommen wir – glaube ich – auch ein paar Antworten dazu. Darf ich jetzt nicht ins Web 2.0? Das ist ja eigentlich Pfui, weil da gibt es so viele Technologien, die nicht wirklich barrierefrei sind? Und überhaupt: Wer gibt mir Informationen, wer hilft mir?

    Und einer der Gründe, warum wir den A-Tag ’08 auch mit unterstützt haben als Ministerium ist die Frage: Gibt es barrierefreie Content-Management-Systeme? Das soll jetzt nicht ironisch klingen: Willkommen zum A-Tag ’08! Sie haben sich die richtige Veranstaltung ausgesucht. Heute gibt es erste Antworten dazu.

    Darf ich Web 2.0 verwenden? Ich würde sagen: Sie müssen sogar, um bestimmte Zielgruppen und auch besonders Jugendliche zu erreichen. Erste Anregungen gibt es heute auch in etlichen Vorträgen, wie man das auch barrierefrei mitgestalten kann.

    Ja und wenigstens heute beantwortet am A-Tag ’08: Wer gibt mir Informationen, wer hilft mir? Beachten Sie die Uhrzeit 17:35 bis 23:59 Uhr, das Get Together. Hier gibt es viele Möglichkeiten, sich auszutauschen, sich erste Informationen zu holen, Visitenkarten auszutauschen und erste Schritte zu setzen, um an Informationen ranzukommen.

    Aber nach dem A-Tag ’08 und auch für all die anderen. Was gibt’s da für Antworten? Ich würde sagen: Ich kann Ihnen jetzt keine fertigen Antworten bieten. Besondern auf die Frage, wie sensibilisieren wir überhaupt junge Menschen und Jugendliche. Ich kann Sie nur mitnehmen Ihren Blick in eine bestimmte Richtung zu legen, einen Finger auf bestimmte Stellen zu legen und Ihnen ein bisschen was aufzeigen. Eben meine drei Punkte. Der Coolness-Faktor, Partizipation und das Mitmach-Web.

    Der Coolness-Faktor: Ist Barriere­freiheit im Web ein Jugendthema? Ich darf’s verwenden, ich bin schon über 40; sonst ist es eher peinlich gegenüber Jugendlichen noch das Wort Coolness zu verwenden. Aber ist es vielleicht noch erlaubt.

    Was soll der Begriff da? Das entstand eigentlich aus einem Gespräch mit einer Bekannten, die einen relativ bekannten Blogger gefragt hat: Du schreibst über alle möglichen gesellschaftspolitischen Themen, wichtige Anliegen. Ja warum schreibst Du mal nicht über Barriere­freiheit? Er sagte, dass das Thema nicht cool genug sei.

    Die Frage ist: Wie man es cool genug machen kann? Wie können wir Jugendliche erreichen? Ich kann Ihnen jetzt keine fertigen Antworten liefern. Ich kann Ihnen nur Anregungen liefern, mit der Bitte, dass wir einfach gemeinsam darüber weiter nachdenken, wie wir an Jugendliche herankommen.

    Wobei ich sag: Wir müssten wahrscheinlich sicherlich auch an Erwachsene herankommen oft in diesem Bereich, aber ich bin eben aus dem Bereich Jugendpolitik und deswegen, darf ich mich jetzt nur mal um Jugendliche kümmern.

    Barrierefreies Web ist so ein Thema. „Barrierefreies Web schränkt mich in den Möglichkeiten ein. Da gibt es viele Regeln, man darf nicht das machen, was man möchte, man kann seine Website nicht so gestalten, wie ich möchte. Barrierefreies Web ist nur ein Randthema, das braucht fast keiner, es ist fad.

    Das gibt alle möglichen Listen und Sonstiges, aber wen interessiert das schon? Barrierefreies Web ist nur für Techniker und Technikerinnen. Also mich selber interessiert das dann auch nicht. Ich verstehe eigentlich überhaupt nix davon. Wenn ich mir die Liste der WCAG-Kriterien anschaue; wie soll ich den das verstehen? Barrierefreies Web ist auch Zwang, wie z.B. die Richtlinien des Ministeriums. Ja, das Ministerium will, dass ich barrierefrei Webseiten anbiete.“ Kann’s das sozusagen sein?

    Da oben sollte eigentlich „Der Weg zur Barriere­freiheit ist dann cool, wenn“ stehen, jetzt steht aber dort oben – ich hab mich vertippt – „Der Web zur Barriere­freiheit“. Ich hab mir gedacht: Ja, ich lass es weil eigentlich: „Das Web ist der Weg“, könnte ich rein philosophisch jetzt sagen. [Lachen] Das ist eine Herausforderung, aber die gebe ich sozusagen an die Fachleute hier weiter, ich halte nur eine Keynote, ich sag ja nicht wie’s geht.

    Der Weg zur Barriere­freiheit ist dann cool, wenn ich experimentieren darf, wenn ich die Möglichkeiten habe einfach zu schauen, wie kann ich bestimmte Dinge hier umsetzen. Experimentieren ist etwas Wichtiges, gerade in der Phase der Entwicklung Jugendlicher. Wenn ich etwas mitentwickeln darf, wenn ich etwas mitentscheiden darf – und wir werden heute, glaube ich, ein paar Beispiele sehen, wo es Möglichkeiten gibt auch mitzuentwickeln, mitzuentscheiden und einfach auch zu experimentieren; wie kann man alternative Player, alternative Ausgaben sozusagen, für Dinge von denen wir bis vor kurzem gedacht haben, dass sie gar nicht barrierefrei sind.

    Das kann höchst interessant für manche sein, ja wenn ich auffällig sein darf. Barrierefreies Web hat noch immer den Nimbus bei manchen, dass es eine Art Gleichmacherei sei, ein fades graues Layout und das schaut dann alles gleich aus. Ich denke, das muss man wegnehmen, man muss zeigen. Man auch mit barrierefreien Webangeboten durchaus auffällig sein.

    Ja und wenn es einfach mit mir zu tun hat, wenn es mich einfach betrifft. Nicht im Sinne so einer mitleidsseeligen Betroffenheit, sondern wenn ich merke sozusagen es hat etwas auch mit meinem Leben hier zu tun.

    Ich hoffe ich bin nicht zu schnell für die Dolmetscherinnen. [...] Bisher nicht, gut. Ich bemüh’ mich weiterhin.

    Ich möchte ihnen ein paar Beispiele zeigen, gar nicht von weit weg her, sondern eher aus meiner praktischen Erfahrung, weil das ist mir sozusagen das Nächste. Ein paar Beispiele wie man Jugendliche vielleicht anregen kann, über diese Thematik mal nachzudenken. Es sind ganz simple, ganz einfache Beispiele, sie sollen nur einfach mal so Wegrichtungen zeigen wo’s hingehen kann, was man vielleicht machen kann. Wie gesagt, das weiter überlegen, das weitere nachdenken, das weiterentwickeln liegt an mir, liegt an uns.

    Überschrift: „Tapp mal wieder“. Im Rahmen einer Aktion habe ich einen Beitrag eines Bloggers entdeckt, der sich Mr. Jean nennt. Der hat in dem Beitrag geschrieben: Überschrift: „Webseiten ohne Maus bedienen“. Und da schreibt er als ersten Satz: „Ja, ich hab auch nicht schlecht gestaunt, als ich das gelesen habe.“ Ich denke mir, das ist eine gute Erkenntnis, dass man das sozusagen antrifft. Und er schreibt dann weiter unten in seinem Beitrag: „So viel einmal zur Theorie des Ganzen, in der Praxis habe ich mal versucht, auf die Maus zu verzichten und denke, dass sollte man nicht tun.[Lachen im Publikum]

    Sabine Zeller dolmetscht Robert Lender (Bild: Martin Ladstätter)

    Das klingt erstmal negativ, wenn Sie den ganzen Beitrag lesen sehen Sie einfach, der Jugendliche – eigentlich ist er ein junger Erwachsener – er hat sich zumindest mit der Sache auseinandergesetzt und hat auch eine wichtige Sache erkannt, nämlich dass es oft die einzelne Website ist, die ihn hindert, mit der Tabtaste sich da durchzubewegen. Das heißt er hat einfach mal experimentiert, er hat einmal ein paar Seiten ausprobiert und ist zu Erkenntnissen gelangt, die vielleicht auch dazu führen, dass er sich einmal überlegt, wie seine Seite mal ausschaut. Aber es war zumindest mal ein erster Schritt überhaupt erstmal ein Bewusstsein für die Thematik hier zu bekommen.

    Überschrift „Neue Welten erfahren – über Second Life das First Life kennen lernen“. Ich weiß nicht wie viele von Ihnen Second Life kennen, ich beschreibe es in 2 Sätzen – also ich versuch’s, das ist net so einfach: Es ist an sich eine virtuelle Welt mit vielfältigen Möglichkeiten, die man sich dort schaffen kann und indem man sich mit einer Figur, die man selbst geschaffen hat, einem so genannten Avatar, durch diese Welt durch bewegen kann.

    Und dann habe ich auch jemanden gefunden, der mit seiner Figur plötzlich gelandet ist bei einem Verein von Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Wir sehen hier einen Screenshot, da steht der Avatar vor ein paar Palmen und davor stehen unterschiedlichste Rollstühle, die im Second Life, dort, geschaffen wurden. Er berichtet darüber, dass er einerseits dieses Haus betreten hat, dass er sich auseinandergesetzt hat, mit den Menschen, die da in diesem virtuellen Vereinshaus sind, auch mit der spannenden Frage, manche von denen sitzen auch im virtuellen Bereich im Rollstuhl. Warum sie das eigentlich tun. Sie könnten sich ja dort total frei bewegen, sie könnten sogar in Second Life fliegen.

    Spannende Fragen und ein interessante Auseinandersetzung die auch zu dann weiteren Überlegungen geführt hat, die es vorher schon gibt. Z.B. zu der Entdeckung, dass es auch einen Textbrowser für Second Life gibt. Ich hab mir den noch nie angeschaut. Ich stelle mir das höchst kompliziert vor, aber es soll sehr gut gehen. Und auch so Überlegung, ob man nicht auch so etwas wie einen Blindenstock oder FührerInnen durch Second Life schaffen kann, um damit auch blinden oder sehbehinderten Menschen die Möglichkeit gibt, Second Life zu erfahren. Second Life ist auch etwas, was sich übers Internet abspielt, das nicht so typisch Web eigentlich ist, da ist keine Weboberfläche sondern ein virtueller Raum, aber es war die Möglichkeit eines ganz neuen Zugangs für diese Person, um auf dieses Thema Behinderung zu stoßen und sich damit auseinander zu setzen.

    Der nächste Punkt hat nicht direkt was mit Web zu tun. Ich bin gestern erst auf gehörlose Rapper gestoßen. Diese Rapper gebärden teilweise ihre Rapsongs. Das finde ich deshalb auch spannend, weil es auch einen Bezug zur Lebenswelt mancher Jugendlicher hat. Da geht es um Rap, das ist für manche Jugendliche ein Teil ihrer Kultur, des Ausdrucks dessen, wie sie sich fühlen, wie sie mit der Welt umgehen oder welche Probleme sie haben. Da stoßen also Rapper hinein, die zeigen, dass es auch andere Kommunikationsformen gibt. Das – sag ich mal – ist eine Möglichkeit, auf Jugendgruppen zu stoßen, die man sonst wahrscheinlich gar nicht erreichen würde mit der Thematik. Die sind im Web zwar vertreten, aber nicht speziell mit barrierefreien Angeboten, aber ich wollt’s einfach erwähnen, auch im Hinblick dessen, dass immer die spannendste Frage oder die erstaunteste Frage in dem Bereich, die ich immer erlebe ist: „Ja, wieso brauchen denn eigentlich gehörlose Menschen Gebärdenvideos im Web?“ Und das ist immer dann spannend das zu erläutern.

    Ja, und dann wollte ich noch erwähnen: Am 28. November ist der Blue-Beanie-Day – ich setze das jetzt nicht auf, das schaut irrsinnig peinlich aus, aber eigentlich sollte ich’s aufsetzen. [Setzt eine blaue Mütze auf.] Der Blue-Beanie-Day ist auch ein Versuch von Menschen rund um die Welt, von Web-Entwicklern, von Menschen, die sich mit Barriere­freiheit auseinandersetzen, das Thema einfach mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.

    Am 28. November setzen Menschen blaue Mützen auf, also Blue Beanie, blaue Mützen, blaue Hauben, um hier für Webstandards und Barriere­freiheit im Web zu demonstrieren. Und sie machen Fotos von sich und diese Fotos stellen sie dann als ihre Profilfotos in soziale Netzwerke, in denen sie sind. Damit erreichen sie wahrscheinlich auch wieder Menschen, die sich vorher mit der Thematik noch gar nicht auseinandergesetzt haben. So eine blaue Mütze kann auch bei anderen Menschen, wir haben hier einen Screenshot von jemandem, auch mit einem Blue Beanie auf dem Kopf, das kann bei anderen Menschen als wie bei mir sicherlich auch cooler ausschauen. Ich kann Sie nur einladen: Machen Sie mit! Machen Sie einfach mit. Wenn Sie keine blaue Haube haben, es darf auch eine andere sein.

    Ganz kurz noch erwähnt, das Thema Partizipation oder Beteiligung. Das ist an sich ein wichtiges Thema und ein Lieblingsthema von mir, aber ich müsste jetzt 3 Stunden darüber reden und das tue ich jetzt nicht, das verspreche ich Ihnen. Es sind nur zwei drei Minuten. Ich denke mir: Was spannend wäre und wir erst in geringen Schritten geschafft haben und was für uns ein wichtiger Meilenstein wäre, Jugendliche selbst mit einzubinden, um das Web barrierefrei zu gestalten. Ein Schritt allein von der Awareness, also von dem Erkennen, dass es das braucht, bis zur Frage wie gestalten wir auch als Jugendliche unser Web, unseren Webbereich einfach barrierefrei.

    Das Web 2.0 ist eigentlich schon Beteiligung oder bietet viele Möglichkeiten der Beteiligung. Es gibt hunderttausende Videos auf YouTube, es gibt hunderttausende oder jetzt sind es, glaub ich, schon ein paar Milliarden Fotos auf Flickr. Zwei Plattformen, es gibt natürlich noch andere, ich will jetzt nicht Werbung dafür machen. Aber es sind die Bekanntesten. Wobei Werbung schon, apropos Flickr: Sie haben die Möglichkeit, Fotos vom A-Tag auf Flickr zu stellen und dort mit atag08 zu taggen und wenn Sie das tun, wird das automatisch auf der A-Tag-Seite im Bereich Interaktiv rein importiert. Der Verein Accessible Media sammelt dort alle Fotos, die heute so gemacht wurden von allen, die hier anwesend sind. Also: Machen Sie einfach mit, wenn Sie eine Handycam oder einer Kamera haben. Sie sind herzlich eingeladen hier mitzumachen.

    Es gibt Podcasts, es gibt Social Networks, es gibt Wikis, es gibt Blogs. All das ist eine Möglichkeit zur Beteiligung und gleichzeitig ist es auch eine Barriere. All diese Dinge haben Barrieren eingebaut oder können Barrieren eingebaut haben. Wir werden heute hören, wie man sie beseitigen kann. Und das ist jetzt eine Folie ist jetzt nur eine kleine Anregung, wo ich sage ein Lösungsansatz, einer von vielen, das kann nur einer sein, liegt im Web 2.0 selbst. Es gibt dort den Begriff Crowd-Sourcing. Ich weiß nicht ob Ihnen der Begriff bekannt ist.

    Die Wikipedia sagt dazu – ich darf’s vorlesen: „Crowd-sourcing bzw. Schwarmauslagerung bezeichnet die Auslagerung auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer Masse von Freizeitarbeitern im Internet. Eine Schar Amateure generiert bereitwillig Inhalte, löst diverse Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.“

    Ich denk mir, das soll jetzt nicht heißen, dass Sie alle Aufgaben, die es rund um Barriere­freiheit gibt einfach auf die Menschen im Web auslagern. Es gibt viele Dinge, zu denen wir verpflichtet sind, die wir auch zu machen haben, aber denke mir andererseits es gibt auch Möglichkeiten, Seiten oder Teile barrierefrei zu kriegen, von denen wir es vielleicht nicht glauben, mit der Intelligenz und der Hilfe vieler.

    Beispiel mag zum Beispiel sein [Lachen] Beispiel mag sein: Viele Videos im Web. Laden wir doch die User von Videos im Web ein, selber Beschreibungen zu diesen einzelnen Videos anzubieten. Einerseits ist es sicherlich spannend einmal zu sehe wie unterschiedlich unsere Videos auch hier beschrieben werden, wie unterschiedlich auch User diese Seiten sehen oder dieses Video sehen. Machen wir vielleicht sogar noch eine Bewertungsfunktion, das regt immer an, die Leute wollen ja auch gerne bewertet werden und schaffen wir dann eine Top-Beschreibung, die dann vielleicht wirklich als gute Beschreibung dieses Videos gilt. Oder laden wir ein, da haben wir schon gute Erfahrungen auf unseren Seiten gemacht, z.B. bei einem Wiki, das wir betreiben laden wir ein – die Leute tun sich in Wikis immer schwer mit den Editoren umzugehen und dann auch noch richtige Sprachauszeichnung hinzukriegen – laden wir einfach ein: Sucht Fehler, sucht nicht vorhandene Sprachauszeichnung, deckt die auf, ändert sie vielleicht auch noch, kommt vielleicht in eine Bestenliste. Also man muss nicht immer eine Bestenliste und sonst was generieren aber es animiert halt oft dazu. Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen, auch junge Menschen, auch mitgestalten zu lassen bei dem, was wir an barrierefreien Möglichkeiten haben.

    Titel „Fast eine Projektvorstellung“. Ich habe vor kurzem ein Projekt zum Thema barrierefreies Blog in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Ein kurzes Bild, das dort dabei war: Ein Jugendlicher durchbricht mit einem Rollstuhl und seinem Keyboard eine Mauer und fährt auf einen Bildschirm zu. Ich hätte Ihnen gerne mehr dazu erzählt, weiß aber selber noch wenig, außer, das dieses barrierefreie Blog technisch gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt und diese Jugendlichen, behinderte wie nicht behinderte Jugendliche, gemeinsam jetzt auch bloggen werden. Ich nehme dieses Nicht-Wissen jedoch als Anregung, ich möchte Sie zum Schluss zum Mitmach-Web einladen.

    Das Web 2.0 wird ja auch Mitmach-Web genannt, ist zwar nicht ganz einwandfrei der Begriff, aber ich möchte Sie jetzt gerne einfach zum Mitmachen einladen. Kennen Sie ein Projekt mit Jugendlichen zum Thema Barriere­freiheit im Web? Wenn ja, Sie finden in Ihrer Tagungsmappe auch ein Begrüßungsschreiben des Ministeriums, dort finden Sie unten auch eine Email-Adresse. Ich würde Sie ganz herzlichst einladen: Schicken Sie mir, schicken Sie uns das, schicken Sie uns einen Hinweis auf Projekte. Wir kennen noch viel zu wenige und möchten gerne als Ministerium auf unserem Jugendportal auch diese Projekte präsentieren. Wir möchten sie sammeln, präsentieren und damit vielleicht einer größeren Anzahl von Menschen auch zugänglich machen und damit vielleicht auch Anregungen bieten anderen Organisationen, wie sie mit Jugendlichen gemeinsam das Web etwas barrierefreier hinkriegen.

    Ja und damit bin ich schon am Schluss. Wie gesagt: keine fertigen Lösungen, nur Anregungen. Ich danke nochmals fürs Teilnehmen und allen, die mitgewirkt haben. Ich hoffe, ich habe Ihnen auch einen kleinen Einblick geben können, warum es gerade für uns als Jugendministerium so wichtig ist, diese Veranstaltung mitzuunterstützen. Ja und ansonsten – wie es auch hier steht: „Danke ich wünsche Ihnen heute einen interessanten und kreativen A-Tag ’08“. [Applaus]

    Klaus Miesenberger:

    Herzlichsten Dank Herr Lender für die Anregungen und ich hoffe die sind angekommen und die Ideen oder die Fragen, die weiteren Beiträge kommen aus dem Publikum, wir haben noch einige Minuten, die wir natürlich gerne nutzen wollen, für Fragen.

    Beiträge aus dem Publikum:
    Frage:
    Werden die Folien der Veranstaltung auf ihrer Webseite verfügbar sein?
    Klaus Miesenberger:
    Wahrscheinlich ja, in der Annahme, dass uns die Folien zur Verfügung gestellt werden. Es gibt natürlich entsprechende Autorinnen- und Autorenrechte. Für sehbehinderte und blinde Menschen dürfen sie auch abfotografiert und so digitalisiert werden entsprechend dem österreichischen Copyright-Gesetz. [Gelächter]
    Robert Lender:
    Ich kann es nur von meiner Seite aus sagen. Ja, meine Folien gibt es, wenn es jemand versteht, was auf den Folien steht. Ich bin aber gerne auch bereit, inklusive der Fotos das Material entsprechend zu beschreiben, sodass es zugänglicher wird.
    Klaus Miesenberger:
    Ich denke, im Sinne eines Sozialen Netzwerkes, wo wir ja das gemeinsame Interesse haben das voran zu treiben, denke ich, dass das sicher von den Vortragenden akzeptiert wird und gerne gemacht wird. Weitere Fragen?
    Frage:
    Es existiert eine Gruppe von Jugendlichen, alle Jurastudenten, die aus zehn oder zwölf Ländern eine Gruppe gebildet haben und für sich selbst und auch für andere gewisse Hilfe im Netz reinstellen wollen. Ist so etwas interessant für das Bundesministerium?
    Robert Lender:
    Ja, ich würde aber gerne näheres erfahren, um dann konkreter zu sagen, wie ma da … Also es zu wissen auf alle Fälle. Wenn die Frage auch heißt, ob es unterstützt können, dann müsste ich näheres wissen. werden kann.
    Frage:
    70 % aller Maturaprojekte sind schätzungsweise derzeit Webseiten bzw. Webseitenprojekte. Gibt es da irgendwelche Förderungen oder Unterstützung von ihrem Ministerium?
    Robert Lender:
    Ich kann es mir einerseits leicht machen, obwohl ich das gar nicht will. Das Jugendministerium ist für den außerschulischen Bereich, für den Freizeitbereich, zuständig. Für den schulischen Bereich gibt es das Unterrichtsministerium. [unverständlicher Zwischenruf] Das ist in Österreich so, die Dinge sind einfach schön in Kasteln geteilt, da kann ich einfach nix machen, da darf ich teilweise nix machen. Wobei ich immer persönlich sage, es ist teilweise absurd, so von acht bis 14 Uhr heißen’s Schüler, ab 14 Uhr heißen’s Jugendliche und sind dann bei uns dabei. Aber so ist mal so. Beim Unterrichtsministerium anklopfen: Auch die müssten mal auch ihre Richtlinien da mal ändern. Ob’s für Maturaprojekte prinzipiell Förderungen gibt? Ist nicht mein Bereich, kann ich jetzt nicht sagen. Ist eine Vertreterin oder ein Vertreter vom Unterrichtsministerium hier? Nein. Können wir aber gerne mal nachfragen.
    Klaus Miesenberger:
    Ich hätte auch eine Frage zum Informationspool. Gibt es hier eine Initiative? Ich denke alleine hier – wenn wir vielleicht eine Liste herumgeben oder die Anwesenheitsliste nachher. Das ist ja die Basis für einen Informationspool in Österreich. Wie könnte das vorangetrieben werden? Gibt es dazu Überlegungen dazu – von Seiten des Ministeriums – so etwas als Triebfeder voranzutreiben?
    Robert Lender:
    Absolut konkrete nicht, weil die Idee mir eigentlich erst bei der Entwicklung der Präsentation gekommen ist. Ich muss sagen: Die Präsentation war teilweise vielleicht sogar für mich wichtiger als für Sie. Also ich hoff es nicht. [Lachen] Aber es war für mich wichtig mich noch einmal mit der Thematik in all seiner Bandbreite auseinander zu setzen. Da kam mir eben bei diesen Fragen eben auch die Idee: So etwas wäre wirklich hilfreich. Dadurch – muss ich ehrlich sagen – hab ich noch keine konkreten Ideen. Aber im Sinne des Mitmach-Web würde es mich jedoch freuen, eine Liste zu haben von Menschen, die sagen, ich wäre prinzipiell bereit. Ich lade Sie daher herzlich ein, das Ganze weiterzuentwickeln. Was das bedeuten könnte, so ein Informationspool. Was es hier an Möglichkeiten gibt. Es gibt sicherlich auch viele Ideen, die mir noch gar nicht eingefallen sind in dem Bereich. Danke an jeden, der überhaupt Bereitschaft hätte hier überhaupt einmal mitzudenken.
    Christian Heilmann:
    Es gibt auch schon einige Informationspools auf Englisch, die jetzt im zweiten Schritt übersetzt werden müssen, also wenn jemand das machen will. Es gibt schon ohne Ende Informationen im Netz, die vor zwei Jahren auf englisch geschrieben wurden und jetzt noch einmal auf Deutsch übersetzt werden müssen. Ein Beispiel ist die Opera Webstandards Curriculum, dass für Universitäten geschrieben wurde und das W3C bringt jetzt auch eines raus. Also die nächsten paar Wochen mal Internet gucken. Wir werden so einige Übersetzer brauchen, für solche Sachen. Und es sind super Information, die schon da sind, die wir nicht noch einmal neu erfinden müssen.
    Robert Lender:
    Danke für den Hinweis. Schriftliche Informationen sind das Eine, ich merke einfach, dass es oft trotzdem nicht nur den Übersetzer vom Englischen ins Deutsche braucht, sondern auch den Übersetzer vom Deutschen in das, was die einzelnen brauchen und wissen wollen und dann teilweise anhand der Texte nicht verstehen oder trotzdem nicht finden, weil es so spezielle Fragen sind oder weil sie teilweise ihre Frage nicht klar formulieren können. Weil sie einfach nicht wissen: Was geb ich wirklich jetzt in Google ein, oder auch bei Yahoo … [lacht] ... damit ich zur richten Antwort komme. Ich denke es bedarf trotz all der Technik, all der Papiere immer noch auch der Menschen, die auf ganz individuelle Fragestellungen der Einzelnen eingehen. Also Beides, aber danke für den Hinweis.
    Martin Kliehm:
    Danke, ich werde dazu auch noch mailen. Es gibt eine hervorragende Kombination: Ich glaube, in der Gegend von St. Gallen oder so, Computersternli, wo Kinder und Jugendliche alten Leuten das Internet und den Computer erklären. Das sind eigentlich zwei Bereich für das Ministerium gleich [lacht].
    So können die Jugendlichen bzw. die Kinder was tun und sie haben oft auch die Geduld dann den Omas und Opas zu erklären, wie das geht. Ich mit meinen Eltern hab manchmal nicht die Geduld. Und die älteren Leute mögen das auch total gerne, wenn ihnen die Kinder das erklären und haben dann weniger Angst, das Gesicht zu verlieren oder so. Das ist ein ganz hervorragendes Projekt.
    Robert Lender:
    Danke für den Hinweis. Zur Ehrenrettung Österreichs möchte ich sagen. Solche Projekte gibt es auch in Österreich, aber noch immer viel zu wenige, aber es gibt sie.
    Anmerkung aus dem Publikum:
    Auch nur zur Ergänzung. Solche Projekte gibt es in vielen Städten, an vielen Schulen. Das wird aber nicht weiter publik gemacht. An den Schulen meiner Kinder ist das zum Beispiel auch so, dass die das dann in der Schule organisiert haben und dann raus gehen. Da müsste man sich stärker vernetzen, um das auch weiter zu streuen, eventuell auch europaweit – vielleicht.
    Robert Lender:
    Ich sage jetzt nur einen Satz dazu, den ich auch Dr. Miesenberger gesagt hab: Ich bräuchte 96 Stunden am Tag. Dann wär’ es genial. Trotzdem ja. Das mal zu sammeln, publik zu machen, anderen zu zeigen. Wir bekommen ja auch immer wieder Anfragen: Was gibt es es da? Da ist es oft auch hilfreich, wenn man sagen kann, da gibt es die fünf Informations­platt­formen. Und das Thema Jugendliche und Web insgesamt ist natürlich noch ein viel breiteres, da gäbe es noch viel, viel mehr dazu zu sagen.
    Klaus Miesenberger:
    Ich plädiere für Arbeitsteilung.
    Robert Lender:
    Wenn Sie mir einen Kollegen beschaffen oder eine Kollegin. [lacht]
    Klaus Miesenberger:
    Prioritäten zu setzen. Ich denke ist auch ein Anliegen. Thema Barriere­freiheit zu einem Thema zu machen, dass es eben auch dementsprechend gewürdigt wird und dass man die Dinge auch angehen kann, ist ein zentrales Ziel auch dieser Veranstaltung.
    Robert Lender:
    Eben. Deswegen haben wir es auch als Anliegen genommen und begonnen, Richtlinien und Unterstützung usw. zu starten. Da sind wir im Bundesbereich relativ federführend – in gewissen Bereichen.
    Klaus Miesenberger:
    Es war keine Kritik, sondern eine allgemeine Anregung.
    Robert Lender:
    Aber ich muss ja als Mitveranstalter auch ein bisschen Werbung fürs Ministerium machen.
    Klaus Miesenberger:
    Sei genehmigt. [lacht] Gibt es noch weitere Fragen an den Lender? Ansonsten … Sie haben gesagt: Wer heute sich nicht mit dem Web beschäftigt ist morgen out, oder was gestern schon out. Wer sich nicht mit dem Web beschäftigen kann, wegen technischer Barrieren, ökonomischer Barrieren, sozialer Barrieren, der wird morgen ausgeschlossen sein. Und in diesem Sinne: Danke ich nochmals herzlichst für Ihren Vortrag. Es war wirklich anregend. Dankeschön. [Applaus]
    Robert Lender:
    Ich danke fürs Zuhören und ansonsten: Ich bin heute 23:59 Uhr da. Sprechen Sie mich an, diskutieren Sie mit mir. Es würde mich sehr freuen.

Der A-Tag ’08 ist eine Veranstaltung von accessible media und dem BMGFJ