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A-Tag ’08 — Die Zukunft ist heute

Inhalt

Ausgewählter Vortrag:
Überlegungen zur Accessibility von Geoinformationen im Web

  • 21.11.2008, 10:35–11:20 Uhr, Raum 1
    • Welche Informationen können einer Geomap entnommen werden? Nur Objekte (Punkte), Strecken (Linien), Flächen? Oder auch Trends, Statistiken etc.?
    • Welche Use Cases lassen sich welchen Zielgruppen zuordnen?
    • Welche Rolle spielt die Benutzeroberfläche?
    • Sind alternative Zugänge adäquat?
    • Informationen zur Barrierefreiheit im Stadtplan.

    Folien von Wolfgang Jörg

    Folien von Thomas Jöchler

    Unterlagen

    Transkription:

    Moderation Klaus Miesenberger:

    Es geht um Geoinformationssysteme, ein Thema, mit dem ich mich schon, ich denke, vor 20 Jahren beschäftigt habe, oder vor 15 Jahren. Wie kann man Geoinformationssysteme vielleicht einmal nutzen, um sehbehinderte und blinde Menschen in der Mobilität zu unterstützen? In der Zwischenzeit sind Geoinformationssysteme im Internet verfügbar und die Barrierefreiheit, Möglichkeiten, Chancen, aber auch Barrieren ein wichtiges Thema. Wolfgang Jörg und Thomas Jöchler von wien.gv.at werden uns nun präsentieren: „Accessibility von Geoinformationssystemen im Web“. Bitte.

    Vortrag Wolfgang Jörg

    Sehr geehrte Damen und Herren, einen schönen Vormittag seitens der Stadt Wien. Ich bin für die Geoinformation bei der Stadt Wien hauptverantwortlich und werde im ersten Vortragsteil vor allem auf geografische und kartografische Grundlagen eingehen. Der Herr Jöchler vom Presseinformationsdienst wird dann im zweiten Teil auf Überlegungen oder derzeitige Aktivitäten, die schon im Gang sind in Richtung Accessibility, konkreter eingehen.

    Zu Beginn, wenn wir über Geoinformation reden, möchte ich ein paar kartografische Grundlagen ihnen näher bringen, da sich eigentlich die Kartografie mit dem Thema Barrierefreiheit indirekt schon, ja, seit mehreren Jahrhunderten beschäftigt. Ich habe mal eine erste Definition einer Karte: „Eine Karte ist ein orientiertes, verkleinertes, verebnetes Grundrissbild eines Teiles der Erdoberfläche, das die Gesamtheit der für diesen Teil bedeutungsvollen Erscheinungen oder eine beschränkte Auswahl daraus wiedergibt.“ Versuchen wir die Definition noch stärker einzuengen: „Die Karte ist ein maßgebundenes, strukturiertes Modell räumlicher Bezüge.“ Und wenn wir’s jetzt auf den Punkt bringen: „Die Karte ist ein digitales oder analoges, grafikbezogenes Modell.“

    Wolfgang Jörg bei seinem Vortrag, Thomas Jöchler sitzt neben ihm (Bild: Martin Ladstätter)

    Wir unterscheiden, zwecks der Vollständigkeit halber dann noch erwähnt, geothetische Karten, geografische Karten und thematische Karten. Und hier auch drei Bilder dazu: Zu den geothetischen Karten, das sind sozusagen Karten, die Vermessungsgrundlagen bilden, die aus der Vermessung primär stammen. Geografische Karten, wie z.B. Geomorphologie usw. und thematische Karten, Bevölkerungsdichtekarten, Bodenschätze und dgl. [Gemurmel]

    Ganz wichtig die Abgrenzung einer Karte zu einem Plan. Diese beiden Begriffe werden sehr oft verwechselt. Der Plan, und ich habe hier einen Beispiel eines Ausschnittes Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes der Stadt Wien, ein Plan ist ein möglichst getreues Abbild der Wirklichkeit der Natur. Und da ist schon mal ganz ein entscheidender Unterschied zu einer Karte. Das Aufzeichnen von Grundrissen, also so naturgetreu als möglich, das Anbringen von exakten Maßangaben, maximal in einem Maßstab 1:10000. Von Generalisierung ist hier eigentlich Rede.

    Und damit kommen wir zu dem Modellbegriff. „Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit.“ Stark versimplifiziert, diese Definition. Wir brauchen diesen Modellbegriff aber bei der Karte. Bezogen auf die Karte bedeutet das, ein generalisiertes Abbild der Erdoberfläche auf wesentliche Informationen reduziert, unterschiedliche Gewichtung oder Hervorhebung von Informationen – und da hören sie schon ein bisschen heraus wohin ich will mit diesen Ausführungen – auf konkrete Fragestellungen, Nutzergruppen je nach Bedürfnissen zugeschnitten. Genau darum geht es auch bei Accessibility. Der Vollständigkeit halber möchte ich Ihre Fantasie ein bisschen anregen und ihre Kreativität sozusagen herausfordern. Auch im Bereich der Kartografie gibt es lange Traditionen. Es gibt einmal hier die Karte als kartografische Ausdrucksform in analoger und digitaler Form. Jetzt ist mir schon klar, die analoge Kartografie ist natürlich bei der heutigen Veranstaltung kein Thema, aber auch aus dieser Ära der analogen Kartografie können wir für die digitale Kartografie sehr viel lernen. Und es gibt aber auch andere Ausdrucksformen wie Globen, Relief, Vogelperspektiven, Panoramen usw.

    Nun kommen wir zum Thema Accessibility, Nutzergrupen und Ansprüche dieser Nutzergruppen: So stelle ich jetzt die Frage: Ist die Karte eine ideale Ausdrucksform für Accessibility? Ich denke da gibt es jetzt mal zwei Antworten darauf:

    Die eine ist einmal ja, 1. weil Sachverhalte zielgruppenorientiert und generalisiert aufbereitet werden, das letztendlich die Herausforderung der Kartografie schlechthin. Der Zwang zum Vereinfachen, zum Fokussieren auf die wesentlichen Inhalte. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Kennen Sie alle. Und hier ist mit den neuen Medien ganz entscheidend, und deshalb sitzen Sie auch hier am A-Tag, der Vorteil der Digitaltechnologie. So groß die Tradition der analogen Kartografie vor allem auch in Österreich ist, und die einige Jahrhunderte auch zurück geht, mit der Digitaltechnik haben wir hier mehr Möglichkeiten, die in der analogen Kartografie niemals möglich waren.

    Die gilt es dementsprechend jetzt einzusetzen und auszubauen, denn auch hier kann man sehr viel falsch machen und macht vielleicht durchaus noch sehr viel falsch, zumindest aus der Sicht der Accessibility. Gerade durch die Digitaltechnologie können wir selektiv, interaktiv, die Karte auch gestalten und die Themen dementsprechend steuern. Wir können die Themen maßstabsabhängig steuern, wir können unterschiedliche Repräsentationen je nach benutzerspezifischen Anforderungen gleicher Sachverhalte oder Themen darstellen. Weitere Technologien wie Querverweise, Verlinkungen, Mash-Ups usw., ich denk’ da sind sie mindestens so gut unterwegs wie ich auf diesem Gebiet, sollen der Vollständigkeit halber hier erwähnt werden.

    Stellen wir uns nochmal die Frage: „Karte eine ideale Ausdruckform für Accessibility?“ Natürlich gibt’s auch eine Antwort, die Nein lautet. Bei Sehbehinderung im weitesten Sinne. Das Problem: Man muss noch nicht blind sein, um Karten nicht richtig interpretieren zu können. Es gibt auch Farbsehbehinderungen, wo einfach die Farbkodierung komplett falsch interpretiert wird und natürlich im weitesten Sinne die generelle Sehschwäche , die mir die Karte zumindest nach meinem heutigen Wissensstand die Karte nicht lesbar macht. Es gibt hier natürlich Alternativen.

    Wir werden dann vor allem im Folgevortrag einiges dazu hören, was wir uns da derzeit überlegen und auch für die Zukunft versuchen umzusetzen. Aber sicher auch angewiesen sind auf Input aus der Community, wie man solche Dinge angehen. Hier tut sich bereits sehr viel und auch große Marktführer auf dem Gebiet von Geoinformation, ohne jetzt jemanden konkret zu nennen, wenn wir das ernsthaft verfolgen sehen wir, wie schnell hier auch Fortschritte gemacht werden, wie schnell sich Portale ändern und eigentlich doch im Hintergrund, wenn man sich kritisch das anschaut, die Usability ganz stark im Vordergrund steht.

    Zu diesen alternativen Zugängen nur ganz kurz ein Input, es kommt dann im zweiten Vortrag noch genauer: Alternativen zum Kartenzugang indem man z.B. einen Listenzugang macht, Formularzugang, textliche Beschreibung räumlicher Sachverhalte, ein ganz ein spannendes Thema.

    Zum Beispiel: Wie kann ich räumliche Sachverhalte textlich beschreiben: Interessanterweise, das gab es bereits lange bevor es die digitale Geoinformation oder digitale Kartografie gab in den Datenbanken; indem man Ausdrücke wie gegenüber von, in einer gewissen Entfernung, in einer gewissen zeitlichen Distanz (nach der 3. U-Bahnstation, z.B.) also Relationen zueinander, in Kombination mit der Sprachausgabe natürlich.

    Das Thema Sonifikation werde ich heute nicht erklären, weil ich mich in dem Gebiet nicht auskenne. Ich bringe es einfach um die Breite des Spektrums hier nur aufzuzeigen, wenn das sie interessiert oder vielleicht sogar auch auf dem Gebiet tätig ist sei es hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Ein Satz dazu: Es geht darum, dass Informationsweitergabe eigentlich nicht nur über bildliche Darstellungen, dieser Satz „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ haben wir vorhin gehört, funktioniert, sondern Information indem ich Informationen in Schallwellen umwandle. Und da interessanterweise, wobei da lege ich mich als absolut nicht kundiger zurück, sichtlich über Schallinformationen weitaus mehr Informationen pro Zeiteinheit transportiert werden können als wir mit dem Auge wahrnehmen können. Also sicher ein ganz interessantes Forschungsgebiet.

    Der Tastsinn, etwas ganz wichtiges. Es gibt Tastkarten, 3D-Karten in Kombination auch mit Blindenschrift. Und es gibt auch neuerdings den 3D-Druck (Rapid-Prototyping). Hat natürlich jetzt mit Web-Technologie absolut nichts zu tun, wie aber eingangs erwähnt der Vollständigkeit halber bringe ich auch solche Themen. Oft ist es so, dass man aus ganz anderen Forschungsgebieten, Wissensgebieten sich Dinge abschaut, die modifiziert und vielleicht für die eigenen Technologien dann gewinnbringend umsetzen kann.

    Zu diesem 3D-Druck, Rapid-Prototyping hier eine Folie: Im linken Bild das Rathaus der Stadt Wien mit einem 3D-Plotter hergestellt und ich kann das auch nachher in der Pause noch kurz zeigen, ich hab hier ein Beispiel so eines 3D-Rapid-Prototyping-Modells mit dem man im Prinzip komplett realistisch ganze Landschaften herstellen kann. Es gibt auch eine Webadresse, wo man sich das im Internet ansehen kann, eine von vielen Firmen derzeit, mit dieser Firma arbeitet auch die Stadt Wien zusammen.

    Gut. Ganz kurz zu den kartografischen Elementen, die Sache ist eigentlich sehr simpel: Die gesamte Wirklichkeit wird auf wenige verschiedene Elemente/Symbole reduziert, das sind Punkte, Linien, Flächen und auch Textinformationen. Diese kartografischen Formen können in unterschiedlichen grafischen Ausprägungen durch Schraffuren, Symbolfüllungen, unterschiedliche Symbole, Piktogramme usw. dargestellt werden.

    So, jetzt versuche ich Ihnen das ganze Thema ein bisschen anschaulich zu bringen. Wie komme ich von der Wirklichkeit zu einem kartografischen Modell? Ich habe versucht in dem ich hier ein Orthofoto der Stadt Wien hernehme die Wirklichkeit Ihnen zu simulieren. Stimmt natürlich nicht ganz. Das fot ist vielleicht nicht farbkallibriert, wie auch immer. Aber im Prinzip ist das die reale Sicht auf die Stadt Wien von oben durch ein Orthofoto – ein entzerrten Luftbild dargestellt. In diesem Luftbild ist auch die U-Bahn zumindest teilweise sichtbar. Ich möchte das anhand des U-Bahn-Netzes Ihnen veranschaulichen.

    Sie wird wahrscheinlich niemand finden. D.h., das U-Bahnnetz, hier bereits kartografisch aufbereitet, ist hier jetzt über die Wirklichkeit drübergelegt worden .Es ist jedoch noch schwer räumlich zuordenbar. Auch die Relation ist aus meiner Sicht in dieser Darstellung schwer abbildbar, schwer einschätzbar. Auch die Stationsdichte ist zwar durchaus ersichtlich, aber gewisse Distanzabschätzungen sind noch nicht möglich. Wenn wir statt der Wirklichkeit = Luftbild eine Karte hinterlegen, kommen wir schon einen Schritt weiter. Die Karte ist bereits ein generalisiertes Abbild der Wirklichkeit und wir können hier durchaus bereits gewisse Korrelationen feststellen.

    Korrelationen zwischen dieser Thematik U-Bahnnetz und z.B. der Verbauungsdichte. Im linken oberen Bericht die Linie S45, wo man durchaus jetzt erkennen kann, dass die eigentlich am dicht verbauten Stadtrandgebiet geführt wird. Das war – ich geh vielleicht noch ein Mal zurück – aus dieser Wirklichkeitsansicht Luftbild aus meiner Sicht nicht erkennbar. Also für Experten schon, aber sicht nicht so einfach wie durch Überlagerung und Generalisierung mit eine Karte.

    Neben dem U-Bahnnetz möchten wir jetzt, und der Tenor dahinter ist benutzerspezifische Zugänge, z.B. die Korrelation mit dem aktuellen Verkehrslagebild herstellen. Diese grünen, vereinzelt roten und auch gelben Linien (Folie) sind die aktuelle Verkehrslage am 7. November um 15:30 gewesen. Ein Beispiel, wie man themabezogen, benutzerbezogen gewisse Inhalte visualisieren kann, um diese zu korrelieren, diese generalisiert

    Ein weiteres Beispiel: Ich korreliere das U-Bahnnetz mit den Standorten der City-Bike-Stationen. Wo man auch auf einen Blick gut erkennen, dass eigentlich die Aufstellorte der City-Bike-Standorte eine 100%-ige Korrelation mit dem U-Bahnnetz haben.

    Nun das nächste Thema. Uns interessieren Detailsinformationen. In einer generalisierten Übersichtsdarstellung werden wir diese nicht bekommen. D. h. wir können gewisse Objektfilter setzen. Wir können z.B. sagen: In einem mittleren Maßstabsbereich wollen wir bereits die Stationen klar ausgezeichnet habe; textuiert haben. Die LIniennummern der einzelnen öffentlichen Verkehrsmittel dargestellt haben. Das ganze können wir über den Maßstab steuern. Sei es bereits von der Applikation vorgegeben oder teilweise vielleicht auch durch den Nutzer selbst einstellbar um es seinen Bedürfnissen interaktiv anpassen zu können.

    Wenn wir noch weiter hineingehen, können wir bereits wieder durch einen speziellen Objektfilter ganz exakt den Linienverlauf des Schienennetzes darstellen.

    Als weiteres Beispiel: Wie ich sukzessive Informationen filtere, generalisiere oder bewusst wieder verdichte.Wenn man einen Schritt weitergeht, interessiert man sich für Information zu konkreten einzelnen Objekten. Ich klicke auf die Objekte und bekomme – in dem Fall über eine Sprechblase mash-ups oder wie auch immer – eine grobe Erstinformation, eine Generalisierung über wichtige konkrete Attribute zu diesen Objekten und über Verlinkungen dann weiterführende Informationen.

    Das waren jetzt Beispiele aus der Kartographie. Karten maßstabsgebundene generalisierte Modelldarstellung der Wirklichkeit.Es gibt aber auch noch einen anderen Bereich, die so genannten topologischen Modelle. Ich hab auch hier wurde bewusst auch wieder das U-Bahnnetz genommen. Ein Beispiel, dass wir täglich vor Augen haben, wenn wir mit der U-Bahn fahren. Dieser topologische U-Bahnen-Stationsplan, wo Sie die topologischen Beziehungen der einzelnen U-Bahnstationen zueinander vorfinden.

    Topologie heißt Kanten-Knoten-Strukturen, die Umsteigerelationen, Nachbarschaftsbeziehungen, was liegt vor mir, was hinter mir, aber nicht exakt die Richtung, in welcher Himmelsrichtung ist das, obgleich das aus diesem topologischen Plan sehr wohl auch hervorgeht. In den U-Bahnen selbst nicht mehr so einfach, es wird immer flacher, weil das Netz immer länger, immer ausgedehnter wird.

    Sie nicht mehr messen können. D. h. Sie haben keine Distanzmessung wie viel Meter sind es – oder Kilometer – bis zur nächsten Station? Aber sie haben die Information, die sie brauchen. Hochgeneralisiert. Welche ist die nächste Station? Wie viele Stationen habe ich bis zu meinem Ziel, wo ich aussteigen muss? Wo sind die Umsteigpunkte? In welche U-Bahn kann ich umsteigen?

    Ich würd ja fast behaupten, dass die Topologie und die topologischen Modelle durchaus auch ein Schlüssel sind für uns, um Geoinformation auch barrierefrei zu machen oder auch barrierefreie Textinformationen zu bieten. Aber dDiese Topologie biete aber keine Orientierung, keine Messbarkeit und auch die Größenabschätzung ist schwer möglich.

    Vielleicht ein Zusatz: Sämtliche Routing-Technologien/ -applikationen – wie komm ich von einem Ort zum nächsten Ort? – basieren in keinster Weise auf geografischen Maßstabskartenmodellen, sondern eigentlich nur auf solchen topologischen Matrizen. Und das Ergebnis dieser Routing-Informationen ist Textinformation, die letztlich auch sehr einfach barrierefrei wiedergegeben werden kann.Indem angegeben wird: „Fahren Sie von der Station zwei Stationen, steigen Sie dann aus, steigen Sie dann in die nächste um usw.“. Die Stadt Wien beschäftigt sich mit diesem Thema durchaus schon länger, die Geoinformation ist ein Thema, dass uns seit Jahrzehnten aktiv einnimmt. Gerade in letzter Zeit sind wir verstärkt dabei, unsere Internetauftritte im Bereich der Geovisualisierung (www.wien.gv.at/viennagis) – dort finden Sie alle Internetdienste zur Geoinformation der Stadt Wien findet, barrierefreier zu gestalten. Hier ist ein Snapshot unseres neuen wien.at-Stadtplanes, der in wenigen Tagen online gehen wird, wo wir intensiv versucht haben, erste barrierefreie Inhalte einzupflegen, die Oberflächen barrierefrei zu machen.

    Herr Jöchler wird jetzt auf diese Sachen im Detail eingehen. Ich würde Ihnen nur gerne die Botschaft mitgeben. Schauen Sie sich diese Dinge an, koppeln Sie uns Ihre Kommentare zurück, geben Sie uns Feedback, weil wir als Stadt Wien und GIS-Abteilung der Stadt Wien hoch interessiert sind, auf diesem Gebiet durchaus auch in Österreich – sag ich mal – Vorbild zu sein, Lösungen anzubieten, damit auch andere Behörden – und wir sind sehr stark mit anderen Behörden vernetzt – davon profitieren können und das Rad nicht neu erfinden müssen. Danke schön einmal für den ersten Beitrag! [Applaus]

    Vortrag Thomas Jöchler:

    Ja, guten Tag von meiner Seite aus. Mein Name ist Thomas Jöchler. Als erstes möchte ich die Entschuldigung, von meinem eigentlich geplanten Reden, oder eigentlich geplanten, eigentlich geplant war Michael Rederer, und er ist leider aufgrund eines dringenden Termins der sich nicht verschieben hat lassen, verhindert. Deswegen bin ich hier, und ich hoffe, ich kann ihnen als Ersatzmann quasi, trotzdem ein rundes Bild des Themas bieten.

    Es geht um Accessibility von Geoinformationen, konkret jetzt aus der Sicht von wien.at. Wie schaut’s aus in der Praxis. Wo stehen stehen wir? Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin?

    Als Einstieg hätte ich ein Beispiel kurz noch gebracht. Das ist eine Verdeutlichung auch dessen, was der Herr Jörg im Vortrag schon erwähnt hat. Sie sehen hier ein Bild, wo ganz Wien im Umriss auch zu sehen ist. Im Mittelpunkt, im Zentrum, sehen Sie das Tech Gate. Hier befinden wir uns, und Sie sehen hier ein Beispiel. Ich habe mir hier die Eckpunkte von Wien ausgesucht. Es gibt hier eine Beschreibung, die jenseits von einer Kartendarstellung schon existiert. Das sind Beispiele aus dem Statistik-Jahrbuch der Stadt Wien. Ich les die mal vor, weil ich finde sie sind, sie geben durchaus einigen Aufschluss. Der nördlichste Grenzpunkt Wiens befindet sich ca. 1.400 m nord-westlich des Wirtshauses „Rendez-Vous“ am Grenzpunkt 60 in der Katastralgemeinde Stammersdorf im 21. Bezirk. In Wien, ein Rendez-Vous erwartet einen. Der östlichste Grenzpunkt ist 700 m nördlich der Gänsehaufen-Traverse, Grenzpunkt 176 in der Katastralgemeinde Kaiser-Ebersdorf-Herrschaft im 22. Bezirk. Sie sehen das hier rechts unten. Sind Luftlinie von hier, ich glaub 16,2 km. Der südlichste Grenzpunkt, ca. 370 m süd-westlich des Schutzengelkreuzes in der Katastralgemeinde Umtlar im 10. Bezirk. Das Schutzengelkreuz fand ich auch sehr schön. Der westlichste Grenzpunkt ist die westlichste Ecke der Lainzer Tiergartenmauer ca. 1.000 m nord-westlich des alten Diana-Tores im 13. Bezirk.

    Thomas Jöchler richtet seinen Blick auf seine Folien (Bild: Martin Ladstätter)

    Ich denke, diese Beschreibungen stammen aus der Zeit vor einer GIS-Information, geben aber trotzdem ein gutes Bild, wo ungefähr ich mich hier befinden könnte. Gut, sie können das nachlesen. Die Fläche von Wien 415 km², 136 km Stadtgrenze. Ausdehnung von einem höchsten Punkt, den Hermannskogel mit 543 m, bis zu einem tiefsten Punkt in der Lobau 152 m. Durch den Ausläufer Alpen hat Wien eben eine sehr, sehr abwechslungsreiche geografische Lage.

    Was bedeutet das für die Kartendarstellung, die wir im Internet haben? Ich nenne ihnen jetzt mal den alten Stadtplan, das ist der bekannte Stadtplan von wien.at. Seit Jahren ein sehr beliebter Stadtplan, ist ein sehr stark genützter Stadtplan, über 100 tausend tägliche Zugriffe, ist allerdings mit der Zeit schon etwas in die Jahre gekommen. Er hat allerdings, und das ist wichtig zu wissen, immer aktuelle Daten, die in den Stadtplan einfließen. Die Darstellung passiert, sie haben hier eine Einzelgrafik, und keine Kacheltechnologie oder Layer-Technologie. Und der Einstieg erfolgt zurzeit mit einem Suchformular, und das kommt dann im Detail später noch später.

    Eine andere Applikation, die es schon gibt, ist die Radroutensuche auf wien.at. Sie geben hier in einem Formular Ihre Startadresse und Ihre Zieladresse ein, wählen, ob Sie eine sichere oder kurze Route bevorzugen. Die sichere Route führt Sie über eben gesicherte Radfahranlagen, während bei der kurzen Route auch Straßenabschnitte dabei sind. Sie geben Ihre Geschwindigkeit, die Sie ungefähr für realistisch einschätzen, ein, und Sie können auch einen Zwischenstop einschalten und bekommen dann die Route in einer Visualisierung eingezeichnet in der Karte. Sie sehen hier den violetten Graphen und haben aber auch eine Routenbeschreibung, wo Sie in einer Liste die einzelnen Knotenpunkte erhalten mit den jeweiligen Hinweisen Sie müssen nach rechts abbiegen, nach links abbiegen, und Sie haben auch den Hinweis welcher Typ Radfahranlage Sie haben; ob Sie eben einen Radweg haben oder ob Sie einen kombinierten Geh- und Radweg haben um sich hier ein Bild zu machen.

    Eine andere Applikation ist das Wien Kulturgut. Hier befinden sich, das ist ein Führer, ein kartenbasierter Führer in die Kulturgeschichte Wiens, von der Frühzeit bis heute. Sie haben hier umfassende Inhalte vom Weltkulturerbe, über Denkmäler, Kunstwerke, Architektur, Sakralbauten bis hin zu archäologischen Fundstellen. Sie haben hier den Zugang ist thematisch gegliedert in Architektur, Kunstwerke, Stadtgeschichte, Stadtarchäologie, und können können jeweils einsteigen über eine Kartenansicht oder über eine Objektsuche. Wenn sie über die Kartenansicht eingestiegen sind, sehen Sie einzelne Punkte in verschiedenen Farben, Sie haben da links eine Legende und können jeweils ein Fenster öffnen, wo Sie Detailinformation haben. Wenn Sie die Objektsuche gewählt haben, bekommen Sie ein Formular, im Formular geben Sie entweder ein, einen Objektnamen, den Sie kennen eingeben oder Sie wählen einen bestimmten Typus also z.B. ein Denkmal, ein Sakralbau, etc.. Wenn Sie ihn kennen, können Sie auch den Künstler eingeben, und Sie können wählen, in welchem Bezirk Sie suchen möchten und Sie erhalten hier eine sehr kompakte Liste der in Frage kommenden Kunstwerke. Und es ist also ein gutes Beispiel, dass es einerseits ein barrierefreier Zugang ist und zugleich ist es ein für bestimmte Fragestellungen wesentlich schnellerer Zugang als über die Karte, z.B. alle Denkmäler in einem bestimmten Bezirk sich anzeigen zu lassen. Zu jedem Denkmal haben sie dann eine Detailansicht, wo Sie die Detailinformationen finden, wo Sie auch Bilder finden, Multimedia-Inhalt kommt hier demnächst. Also Videos oder Tondokumente

    Ja, jetzt zum neuen Stadtplan, der in der Betaversion in der nächsten Woche online gehen wird, basiert auf dem neuen Framework, das ist die Weiterentwicklung von der Radroutensuche und dem Kulturgut. Wir haben hier eine Kacheltechnik mit Ajax, wie man es von Google Maps oder Yahoo Maps kennt. Der Einstieg erfolgt direkt mit einer Karte, also nicht mehr über das Suchformular. Sie haben eine optimierte Kartendarstellung. Mit unter anderem ist die Karte selber hoch auflösender, ein hochauflösenderes Luftbild, Ortofoto und Sie können auf eine HD-Breite, so volle HD-Breite von 1920 Pixel gehen und natürlich gibt es auch mehr Daten-Layer, also Dateninhalte als bisher, die links über ein Menü ausgewählt werden können. Ein paar Details, was wir schon gemacht haben, um auch die Accessibility zu verbessern. Ein Beispiel ganz simpel, stärkerer Kontrast bei Steuerelementen. Hat sich gezeigt dass das nicht wahrgenommen wurde. Das war ein Usability-Problem aber auch ein Accessibility-Problem. Wir haben einfach den Kontrast verstärkt. Gleiches bei demm Fadenkreuz für die Übersichtskarte. Hier war nicht zu erkennen, welchen Bezirk man auswählt, das sollte jetzt etwas klarer sein, auch ein anderes Beispiel, das intelligenterer Suchfeld. Wir haben beim jetzigen Stadtplan zwei Drop-Downs und zwei Eingabefelder, das eine Drop-Down-Feld wähle ich, dass also den Typus aus. Ich kann hier nach Straßenname oder in einer anderen Kategorie, also ein Objekttyp wählen, und habe dann noch bei der Straße noch eine Hausnummer in einem eigenen Feld einzugeben. Jetzt gibt es ein Adressfeld, wo ich, egal was ich eingebe, hoffentlich einen richtigen Treffer bekomme. Thema Reduktion: Wir haben auch keinen Button mehr, um eine Karte neu zu zeichnen, wenn man Layer verändert hat, also wenn man einen neuen Layer einblendet, musste man früher jedes Mal die Karte neu zeichnen, und es hat sich als zentrales Usability-Problem herausgestellt, weil die Leute das einfach, da gab es überhaupt keine Erwartungshaltung, dass man das tun muss. Man erwartet eindeutig, dass das von selber funktioniert.

    Das haben wir gemacht, natürlich ist das ein Thema, das wir dann für auf jeden Fall Javascript brauchen. Das ist sicher noch ein Diskussionspunkt, inwieweit eine Zugänglichkeit blockiert.

    Jetzt im zweiten Block zu den Vorgaben. W2G2.0-Design-Richtlinien: Ich werde das kurz halten. Die vier Punkte:

    • Wahrnehmbarkeit
    • Bedienbarkeit
    • Verständlichkeit
    • Robustheit

    Wie schaut’s aktuell bei unserm neuen Stadtplan Beta aus? Wir haben hier eine Quicktest gemacht, zusammen mit Wolfram Huber von WebTech. Und beim Punkt der Wahrnehmbarkeit, Thema Kontrast, wir haben hier bei den kleinen Straßen noch ein nicht ausreichendes Kontrastverhältnis. Die kleinen Straßen sind deswegen klein gezeichnet, weil sie auch eine Wertigkeit darstellt, es sind eben untergeordnete Straßen. Das übergeordnete Straßennetz ist gut erkennbar. Das heißt, beim Hineinzoomen wird die Lesbarkeit besser. Deswegen haben wir das, wir wissen, dass das ein Thema ist, aber das nicht als sehr drastisch eingestuft. Die Skalierung ist soweit ok, Verkleinerung ist möglich.

    Bedienbarkeit: Tastatursteuerung schauen wir nicht gut aus, das wissen wir. Ja, kann man so stehen lassen. Verständlichkeit: Dazu komm’ ich noch, was wir hier machen können. Das ist der IST-Stand den wir hier abbilden, ich kann das nicht beschönigen. Bei Sprachauszeichnung: es wird eine Mehrsprachigkeit des Interface geben, d.h. es gibt jetzt schon deutsche und eine englische Version. Die Sprachauszeichnungen liefern wir noch nach.

    Konsistenz: Firefox und Internet Explorer werden unterstützt. Mit anderen Browsern schauen wir noch etwas schwächer aus.

    Robustheit: valider Code, das ist im Prinzip ok, das schaffen wir.

    Interoperabilität: mangelhaft; ohne JavaScript und CSS ist die Seite zurzeit nicht benutzbar.

    Eine schnelle Lösung, die wir uns überlegen, ist, dass man ohne Skripte auf den alten, sprich derzeitigen Stadtplan weitergeleitet wird.

    Zum Thema assistive Technologien z. B. Screenreader:

    Ein Zitat aus dem UK, auf englisch: “At present it isn’t possible to make graphic presentations of some types of geographic information systems data directly accessible to those using text, speech or braille formings the PC and the web.”

    Das wäre der Status, also es geht nicht, es direkt zugänglich zu machen. Plan B wäre eben eine Alternativversion. Wir haben hier, überlegen hier eine Lösung, ähnlich wie beim Kulturgut, dass wir schon gesehen haben, zu machen, d.h. über formularbasierte Objektsuchen, den Inhalt zugänglich zu machen.

    So, im letzten Block möchte ich jetzt den Ausblick geben, wo stehen wir zurzeit, was sind unsere nächsten Schritte und wo möchten wir hin. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, innerhalb des nächsten Jahres den Stadtplan im Bereich Accessibility so zu verbessern, dass er wirklich, dass wir das umsetzen, was momentan möglich ist.

    Wir sehen zwei Varianten: Eben das alternative Interface: das bedingt eine Analyse der Use-Cases. Welche Aufgaben / welche Ziele verfolgen Menschen konkret bei einer bestimmten GIS-Applikation? Für diese Use-Cases dann ein alternatives Interface zur Verfügung zu stellen. Wir haben im Vortrag von Herrn Jörg gesehen, dass man mit einer Karte sehr viele Dinge leisten kann und sehr viele Dinge möglich sind. Es wird aller Voraussicht nach nicht möglich sein, für alle Möglichkeiten ein alternatives Interface zu bauen. Das ist die Frage.

    Das Andere wäre, ohne alternatives Interface ein barrierefreies GIS machen: Hier hätten wir den Status, was technisch möglich ist.

    Jetzt ein paar Beispiele, alternatives Interface:
    Wir haben es schon kurz gesehen bei der Radroutensuche. Beispiel Routenplaner. Wir möchten einen Routenplaner machen, der dem Ziel, und das Ziel schaut so aus, ich möchte von A nach B kommen. A und B sind Adressen oder auch Objekte, wie z.B. das Tech-Gate. Und ich möchte hier wählen, welches Verkehrsmittel ich nehme. Wir haben momentan mit der Radroutensuche nur ein Verkehrsmittel, das Fahrrad, uns ist klar, dass das noch nicht ausreichend ist. Also weitere Verkehrsmittel sind: ich möchte zu Fuß gehen, ich möchte öffentliche Verkehrsmittel wählen, ich möchte auch das Auto nehmen können und ich möchte das auch kombinieren können und das Ganze noch abhängig von verschiedenen Parametern. Parameter wären sicher oder schnell, was hier nicht steht, abhängig von der Verkehrslage, was hier steht und was ein wichtiger Punkt ist, eine barrierefreie Route. Wir haben bei der Stadt Wien sehr viele Daten über die Stadt, über die Beschaffenheit der Stadt und auch barrierefreie Inhalte, die den Straßenraum betreffen, z.B. Gehsteigabsenkungen.

    Wir wissen im Prinzip auch, wo barrierefreie Zugänge zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, z.B. U-Bahn, sind. Das alles in einen Stadtplan zu bringen und in Echtzeit verfügbar zu machen, wäre eines der sehr ehrgeizigen Ziele, das wir uns gesteckt haben. Wir haben die Daten aktuell noch nicht alle bei uns – hier muss man zusammenarbeiten mit den Wiener Linien, aber wir sind dran und wir sehen das als wichtiges Thema. Ergänzt würde das werden durch eine Zugänglichkeit von Gebäuden. Wenn man z.B. an Amtshäuser denkt, barrierefreier Zugang zu Amtshäusern wo genau muss ich in diesem Gebäude hin und wie komme ich dort hin am Schnellsten.

    Der Zugang würde über ein Suchformular funktionieren und als Ausgabe hätten ich, wie wir das schon gesehen haben bei der Radroutensuchen, eine Karte. Wir haben auch schon bei der Radroutensuche, das habe ich vorher nicht hergezeigt die GPS-Koordinaten, die ich mir runterladen kann und in mein mobile, ja, jetzt steht ich auf der Leitung, also mein mobiles Navigationsgerät, also in meinen TomTom oder wie immer die Geräte heissen, übernehmen könnte, um mich so weiterzubewegen. Ich habe die Listenansicht mit der textlichen Beschreibung.

    Jetzt ein Beispiel, weil wir auch immer im Spannungsfeld stehen, wir sehen uns immer in der Konkurrenzsituation, auf der einen Seite zu den Marktführern, die auch im Bereich Usability sehr viel vorgeben. Hier ist Google Maps zu nennen und andere web-basierte Karten-Services zu nennen. Und auf der anderen Seite haben wir eine interne Sicht und Verwendung von Geodaten. Und wir müssen, wir sehen hier eindeutig, dass wir in dieser Konkurrenz stehen und wir stellen uns diesen Anspruch, einen möglichst dem Standard, dem aktuellen Standard entsprechendes Interface auch zu bieten.

    Was macht momentan Google, wenn ich z.B. kein JavaScript habe? Also ich habe hier links oben eine Ansicht auf die normale Google Maps Karte der USA. Wenn ich JavaScript abdrehe oder die Karte direkt aufrufe, in dem ich anhänge output=html dann komme ich auf eine Seite, die schaut eigentlich eher aus wie die Google-Startseite. Ich hab nur ein Suchfeld. Wenn ich im Suchfeld einen Begriff eingebe, also einen Geobegriff wie z.B. Wien, bekomme ich eine Karte, die ist hier links unten zu sehen, das ist eine sehr einfache, reduzierte Karte. Es ist eine einzelne Grafik, ich hab hier keine Ajax-Technologie und ich hab rechts daneben, man sieht das etwas schlecht, einen Slider zum Vergrößern des Ausschnittes und auch zum Bewegen in der Karte. Der ist ganz einfach textbasiert gehalten, also auch sehr leicht mit der Tastatur ansteuerbar. Ich hab hier auch einen Routenplaner integriert und kann eine Start- und Zieladresse eingeben und bekomme dann jeweils eine Ausgabe und kann mir auch ein Verkehrsmittel auswählen. Ein Unterschied, der verdeutlichen soll, in welchem anderen Kontext wir die Dinge sehen als die Privatwirtschaft es hier kann, ist das Beispiel der Fußgängersuche, die Google schon integriert hat. Hier gibt es eine Beta-Version und den Warnhinweis: „Seien Sie vorsichtig. Auf dieser Route gibt es möglicherweise keine Bürgersteige oder Fußwege.“ Eine solche Route könnte die Stadt Wien sich nicht leisten, anzubieten. Deshalb haben wir einen höheren Anspruch an die Datenqualität. Und Deswegen sind wir auch hier noch einen Schritt hinterher.

    Jetzt ein anderes Beispiel und eine Herausforderung: Wie kann ich Objekte im Umkreis nicht nur visualisieren, sondern auch textlich als Alternative zugänglich machen? Wir haben hier schon gesehen das Beispiel Kulturgut. Die Aufgabenstellung ist, was ist in der Nähe eines bestimmten Standortes z. B., also nicht nur eines Standortes, sondern auch einer Region, z.B. welche Denkmäler gibt es hier im 22. Bezirk, es sind nicht so viele, deswegen habe ich auch dieses Beispiel hier gewählt. Wir befinden uns hier im 22. Oder wo ist der nächste Arzt in meiner Nähe? D.h. die Lösung geht über ein Formular. Ich habe eine Adresse, die ich eingebe und zwar einen Standort, habe eine Objektwahl, und erhalte eben eine Karte oder eine Liste. Die Liste ist sortierbar nach verschiedenen Abfragekriterien und so komme ich über die Liste oft, also recht oft sehr viel schneller zum Ziel als über die Karte es möglich ist.

    Ein Beispiel jetzt auch wieder Objekte im Umkreis, was eine Karte allerdings leistet ist eine Entfernung der Objekte vom Standort. Ich sehe hier, ich hab hier eine Karte, eingezeichnet sind die Symbole für Sehenswürdigkeiten. Der rote Kreis, meine Adresse, ist wiederum das Tech-Gate. Also wir sehen hier ich hab hier einen roten Kreis, und dann gleich ein Symbol wird vom Kreis noch getroffen und es sind zwei weitere Symbole in der Nähe. Alle anderen Symbole sind recht weit entfernt. Die meisten gruppieren sich wahrscheinlich rund um den 1. Bezirk, um den Ring. Und Dann gibt es eine gewisse Häufung da weiter draußen, irgendwie links. Wie kann ich das nun textlich umschreiben? Ein Beispiel ist, die Distanz in einer Tabelle darzustellen. D.h. Entfernungen vom Tech-Gate von Sehenswürdigkeiten in 330 m Luftlinie, in nord-östlicher Richtung ist die Uno-City. 940 m nord-westlich ist der Donau-Turm. 1,9 km nord-westlich ist das islamische Zentrum Wien. Das waren diese drei Symbole in relativer Nähe. Etwas weiter entfernt, 2,2 km in süd-westlicher Richtung dann das Riesenrad. 2,3 km, auch im Prater, das Planetarium und 2,9 km das Hundertwasserhaus. Und so würde es hier weiter gehen.

    Wie kann, wie kann ich jetzt wieder auf dieser Karte allerdings diese Verdichtungen, die ich aus der Karte gut entnehmen kann, was ich skizziert habe vorher mit den Häufungen im ersten Bezirk, mit den Häufungen hier weiter unten, also ich kann’s ja verraten, das dürfte Schönbrunn sein, wo’s mehrere Sehenswürdigkeiten gibt. Den Tierpark, die Gloriette. Wie kann ich das darstellen? Das heißt, ich brauche maßstabsabhängig, mit der Häufung, eine geografische Zuordnung. Ein Beispiel wäre, dass ich die Anzahl pro Bezirk aufzähle oder auch die Anzahl pro Gebiet. D.h. eine simple Liste, erster Bezirk, zweiter Bezirk und jeweils die Anzahl. Diese Zahlen sind jetzt nicht komplett exakt. Bitte um Nachsicht. Und das andere Beispiel wäre, ich gebe hier an, innerhalb des Rings sind 52, zwischen Ring und Gürtel 26, außerhalb des Gürtels 11. In diesen 11 würde sich Schönbrunn verbergen. Und über der Donau, wo wir uns befinden, gibt es lediglich 3. Jeweils verlinkt wäre die Anzahl auf eine Liste. Das wäre ein Vorschlag.

    Ok, wie schaut ein barrierefreies GIS ohne alternative Suchmaske aus? Ich hab’ hier ein Beispiel gefunden von der bereits schon erwähnten Opera Entwickler-Community. Es ist etwas technisch, es ist vielleicht interessant, wenn Sie sich den Artikel mal anschauen und die Demos, die dort enthalten sind. Der Autor, Patrick Lauke, hat gemacht nichts anderes als das, was Google mit der alternativen Version gelöst hat. Er wollte den Slider, sprich das Navigationstool, mit der Tastatur benutzbar machen. Er ist dabei in einem sehr interessanten Artikel und Verfahren zum Schluss gekommen, dass er mit der Kirche ums Dorf gehen muss, er muss nämlich über die Google-API, also die Schnittstelle, sich den Code von Google schnappen und HTML-Elemente verändern, damit er die Links, die im HTML-Code von Google als DIVS markiert sind, damit er diese Links, in Links, also, es sind keine Links es sind DIVS die man mit Javascript der Link drauf gelegt wurde. Er braucht darum mit der Tastatur hinzukommen, braucht er einen Link, eine Imagemap oder ein Form-Element, und er macht daraus Buttons, und diese Buttons danach mit der Tastatur ansteuerbar machen. Also ein aufwändiges Verfahren.

    Ein anderes Beispiel aus England, von southtyneside.info: Hier schön gelöst eine Umsetzung, dass ich hier in einer Karte Informationen bekomme und dann „find my nearest“, also vom Arzt über den Zahnarzt bis zum Spital bis zum Kindergarten, alles auch in einer sehr schönen und detaillierten Liste bekomme, also eine schöne Korrespondenz zwischen der Karte und der Liste.

    Wie könnte das bei uns, unserem Stadtplan aussehen? Ein kleiner Ausblick. Also möglich wäre eine Integration der Trefferliste in diese linke Spalte, wo ich einen Reiter, den ich eventuell nennen könnte „meine Inhalte“. Das heißt, ich steuere entweder eben über die Karte oder über die dann auch barrierefrei zugängliche Navigation, hoffentlich. Die Inhalte wählen ich aus, welchen Inhalt ich sehen möchte und erhalte eine jeweils korrelierende Trefferausgabe.

    Ja, das ist das Fazit: Wir sehen, dass wir einen pragmatischen Weg gehen werden, haben also keine klassische Entscheidung, sehen auch kein Entweder-Oder zwischen diesem alternativen Interface und der integrierten Barrierefreiheit. Wir wollen eine weitestgehend barrierefreie GIS-Applikation machen, haben hier auf der To-Do-Liste ganz stark Tastaturbenutzung, Skip-Links, Kontrastoptimierung und werden alternative Interfaces dort sinnvoll einbinden können, wo wir konkrete Use-Cases hinterlegen. Die Feedbackvariante, also die Beta-Version des Stadtplanes geht, wie gesagt, in der kommenden Woche online. Wir sind sehr dankbar über Ihr Feedback. Es gibt einen Feedback-Button. Bitte benutzen Sie ihn und unterstützen Sie uns mit Ihrem Wissen und mit Ihrer Kritik! Danke! [Applaus]

    Klaus Miesenberger:

    Herzlichsten Dank für die beiden Referenten, gibt es Fragen im Publikum? Wir haben zwei, der Herr da hinten war schneller wie du Eva, tschuldigung. Die Geschwindigkeit zählt.

    Fragen aus dem Publikum:
    Frage:
    Danke, mi würd sehr stark interessieren, ob meiner dicken Brillen is des immer mein schwerstes Zugangsproblem, wie sieht’s mit größeren Schriftgrößen in den Plänen aus?
    Antwort Herr Jörg:
    Wir haben versucht, mit der Carius-Technologie die Schrift überhaupt lesbar zu machen auch mit dem Antialiasing. Das Problem ist, wenn die Schriften fix vorgeneriert sind, haben sie diese Größe, d.h., Sie müssen im Prinzip generell den Browser als solches größer stellen oder die Auflösung des Bildschirms größer Stellen. Wenn wir die Schrift wieder dynamisch generieren, wie es im alten Stadtplan war, könnte man sich natürlich überlegen, mehrere Schriftgrößen in verschiedenen Layern oder Themen anzubieten, war bis jetzt eigentlich noch nie ein Thema, eine Überlegung, geb ich ehrlich weise zu.
    Frage Eva Papst:
    Ich, hm, wie stell ich jetzt die Frage, dass es allgemein verstanden wird. Die Problematik, die Sie bezüglich Accessibility haben, ist ja eine Zweigeteilte. Es ist auf der einen Seite die Zuverlässigkeit des Datenmaterials, dass von der Datenbank abgefragt werden kann, dass aber auch natürlich der Stadt Wien selbst wieder nützlich ist, wenn sie so objektorientierte und gezielte Abfragen machen müssen. Und die andere Seite, das Problem, das sie haben ist die Bedienoberfläche für den Nutzer, also sozusagen das Backend in dem Fall, die Sie so gestalten müssen, dass Sie halt mit Tastatur und weniger Sehvermögen usw. durchkommen. Mir persönlich sieht es so aus, als hätten Sie bei der Fahrradroutenplanung, die ich ja kenne, den ersten Weg gewählt, also zuerst mal vom Datenmaterial auszugehen und dann die optische Variante dazuzubauen oder abzurufen, während es den Eindruck hat, dass Sie bei der neuen Variante den umgekehrten Weg gehen. Also zuerst das visuelle Material und danach die Daten erstellen. Trügt dieser Eindruck oder ist das tatsächlich so?
    Antwort Herr Jörg:
    Ich würd sagen es ist in dem Fall kein Entweder-Oder. Faktum ist, dass mit jeder neueren Applikation, die kommt und der Stadtplan Beta ist das allerneueste, was wir jetzt bieten, immer mehr auf die Accessibility und die Usability schauen. Das Datenmaterial dahinter wird unabhängig von dem Frontend, von dem GUI weiterentwickelt, weitergewartet, weiterverbessert. Das sind im Prinzip zwei komplett getrennte Paar Dinge bei der Stadt Wien. Die Stadt Wien erhebt den Anspruch, dass die Geodaten, die sie bereitstellt, bestmögliche Qualität haben. Oder vielleicht für Sie verständlicher ausgedrückt, die Qualität die Sie in diesen GIS-Applikationen sehen, ist die Originalqualität mit der die Stadt Wien intern arbeiten darf, oder muss. D.h., wenn hier Fehler enthalten sind, dann hat auch die Stadt Wien selbst in ihren Verwaltungsprozessen diese Fehler drinnen. Deshalb erheben wir selbst den Anspruch beste Qualität bereit zu stellen, und auch 1:1 diese Qualität in den Internetapplikationen durchzuschleusen.
    Kommentar Herr Jöchler:
    Wichtig ist auch zu sagen, dass der derzeitige Stadtplan nicht abgeschalten wird, sondern noch erhalten bleibt. Wir sind eben bewusst auch in eine Beta-Phase mit dem neuen Stadtplan gegangen, um zu sagen, ok, wir wissen hier gibt es noch Verbesserungsbedarf und dem stellen wir uns ganz offen. Den werden wir auch, so weit es möglich ist, umsetzen und erst dann wird der Beta-Stadtplan zum hauptsächlichen Stadtplan.
    Frage:
    Sie bieten für die Umkreissuche sehr viele Möglichkeiten an, was Sie finden können. Beschreiben Sie dann auch diese Kulturgüter, öffentlichen Gebäude auf Barrierefreiheit etc.?
    Antwort Herr Jöchler:
    Die Beschreibung mit der Umkreissuche noch nicht ungesetzt zum Teil, Sie haben’s gesehen wo’s schon funktioniert, beim Kulturgut zum Beispiel. Das ist der zweite große Standpunkt oder Schwerpunkt, dass ich’s rausbring. Es sind eben barrierefreie Inhalte in den Stadtplan zu bekommen. Das heißt die Zugänglichkeit wie sie bei Wahllokalen gegeben wird, wo sie erhoben wird. Das transparent zu machen, über den Stadtplan auch abfragbar. Ich hab’ erwähnt kurz bei der Routensuche, dass wir eben auch eine barrierefreie Route durch die Stadt auch in die Gebäude, wo wir diese Informationen haben. Also, hier gibt’s ein großes Projekt, das auch voranzutreiben. Das wird als sehr wichtig auch gesehen.
    Frage:
    Ich habe mitm Senatsrat Wilmersdorf begonnen, eine derartige Karte aufzustellen, die also lesbar ist und die Barrierefreiheiten bzw. Zugänglichkeiten zu öffentlichen Gebäuden auch darstellbar macht im Sinne dessen, dass ich in diesem Stadtplan, in dieser Stadtkarte mir bestimmte Kulturgüter oder Theater aussuche und dann auch noch feststellen kann, ob ich als sehbehinderter Mensch dort überhaupt reingehen kann bzw. ob ich mit dem Rollstuhl dort hineinkomme und was für Probleme dort auf mich warten, eventuell. Wenn Sie Interesse haben, dann wende ich mich gerne an Sie wieder und wir können über dieses Projekt sprechen, weil ich sehe, dass Sie sehr viele Dinge jetzt schon einkleiden in diese Stadtkarte und ich nehme an, sie nehmen die Daten aus der Mehrzweckkarte der Stadt Wien, die ja sehr aufschlussreich ist und sehr viele Informationen bietet und ich würde empfehlen, dass wir dann gleich auch Nägel mit Köpfen machen in der Richtung, wenn sie eine Umkreissuche haben und den nächsten Arzt vorschlagen, dass auch dort eine Beschreibung steht, für welche Menschen mit Behinderungen es möglich ist, diesen Arzt auch aufzusuchen.
    Antwort Herr Jörg:
    Das Angebot nehmen wir sehr gerne an. Ich bin ja der Nachfolger von Herrn Wilmersdorfer geworden, und wir haben im Prinzip auch einen politischen Auftrag bekommen und der ist nur eigentlich ein paar Wochen her muss man sagen, uns mit diesem Thema wieder in der Gesamtheit der Stadt Wien näher zu beschäftigen. Die Stadt Wien hat ja 170 Dienststellen und es gibt einige Dienststellen, die sie mit diesem Thema von der Definition her zu tun haben und die müssen wir jetzt alle mal auf einen Tisch wieder bekommen.
    Moderation Klaus Miesenberger:

    Vielen herzlichen Dank! Auch herzlichen Dank für das Einhalten der Zeit! Wir sind gut in der Zeit, etwas drüber. Bevor wir in die Pause gehen, die Erinnerung, bitte wieder pünktlich, zehn Minuten vor der vollen Stunde zurück zu kommen! Und eine weitere Bitte, nutzen Sie in der Pause die Gelegenheit, bei den Ausstellerinnen und Ausstellern vorbeizuschauen, gibt interessante Ansätze, Lösungen, Anbietende von Lösungen, und bitte nutzen Sie auch diese Möglichkeit! Danke schön! [Applaus]

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Der A-Tag ’08 ist eine Veranstaltung von accessible media und dem BMGFJ