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A-Tag ’09 – Interaktiv Barrierefrei

Inhalt

Ausgewählter Vortrag:
Die BIENE – Ruhekissen oder Nagelbrett?

  • 16.10.2009, 12:20–12:50 Uhr, Raum 1

    Mit dem Redesign 2008 gewann www.linz.at eine silberne BIENE und den Bundespreis „Barrierefreiheit in der IT“ des ebiz egovernment awards. Wie führt man Barrierefreiheit in einer großen Institution wie der Stadt Linz ein und wie wird man im Alltag der BIENE gerecht?

    • Institutionelle Einbindung der Barrierefreiheit
    • Ausschreibung
    • Qualitätssicherung
    • Kosten
    • Erfahrungen

    Unterlagen

    Transkription:

    Moderation Eric Eggert: Michael Barthofer hat das Redesign von Linz.at im Jahr 2008 geleitet und ist jetzt in der Qualitätssicherung der Stadt Linz, genau wie heißt das genau? Des Magistrats der Stadt Linz zuständig. Genau! Und in seinem Vortrag geht es halt um, darum dass Linz die Biene gewonnen hat und wie man jetzt auf diesem Gewinn dieses Preises aufbaut und die Qualität sichert, oder (holt Luft) ob das doch ein Damoklesschwert ist, das so darüber hängt. (Holt Luft) Bitte!

    Michael Barthofer: Ja guten Tag Sie haben schon gemerkt, kaum ist eine Behörde im Spiel wird es kompliziert. Da gibt es Abteilungen und Unterabteilungen. Ich komme konkret aus der Stadtkommunikation. Dort findet die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Linz statt. Und, es gibt eine Abteilung neue Medien und Publikationen und dort beschäftigt man sich sozusagen mit der, mit der Webseite. Ja zum Titel – es geht natürlich nicht um die Biene als Ganzes, sondern es geht um unsere Biene, die wir eben mit dem Redesign-Projekt 2008 gewonnen haben. Und, ja auf Lorbeeren darf man sich nicht ausruhen, das haben wir heute schon gehört und so ist es auch bei uns nicht. Also für uns ist natürlich dieser Preis ein Ansporn einen Qualitätsstandard zu halten und weiterzuentwickeln und gerade bei Testungen, wie sie eben im Rahmen des Biene-Wettbewerbs gemacht werden, hat man nur einen Moment, eine Momentaufnahme einer Webseite.

    Das heißt genau in diesem Augenblick gibt es eben einen gewissen, einen gewissen Level an Barrierefreiheit und das kann, nachdem man Autoren und Autorinnen in das Content Management System gelassen hat ganz, ganz schnell wieder ganz anders aussehen. (…) Ja, was hören Sie heute von mir? Wo passiert, sage ich jetzt mal, in Linz Barrierefreiheit? Und wie? Ich möchte Ihnen über unsere Qualitätssicherung etwas berichten. Wie gehen wir im Alltag damit um? Und, habe auch noch ein paar Erfahrungen aus unserem Redesign-Projekt 2008 für Sie. Konkret eben jetzt, wo es darum geht um die Vorbereitung, um die Ausschreibung und auch Probleme bei der Umsetzung. Die gute Nachricht – die gleichzeitig für manche eine schlechte ist – bei mir wird’s nicht technisch. Und herzlich Willkommen auf www.linz.at. Sie sehen schon auf den ersten Blick, wir haben hier keine Entertainment Seite, das Ganze ist doch ein bisschen streng. Das soll und muss so sein für eine behördliche Seite meinen Manche.

    Ich darf Ihnen kurz einen Überblick über die Seite, über den Seitenaufbau geben. Sie sehen ein großes Headerbild, das die Seite ein bisschen dominiert. Wir hatten in der vorhergehenden Version nur Bilder in der Größe 144 mal 85 Pixel zur Verfügung. Also da haben wir einen, einen großen Gewinn durch, durch die neuen Bildmöglichkeiten erhalten. Wir haben eine Hauptnavigation, die bewusst auch räumlich eingeschränkt ist. Also Sie sehen durch die Höhe des Headers lässt sich das nur ganz schwer erweitern. Jeder, der eine Seite betreut an denen viele Akteure arbeiten, kennt natürlich den Reiz der ersten Seite. Jeder möchte dort vorhanden sein, Jeder möchte dort präsent sein. Da haben wir uns beim Redesign auch ein bisschen einen, einen optischen Kniff erlaubt, dass wir diese Möglichkeiten ein bisschen einschränken. Ja wir haben einen Inhaltsbereich in der Mitte, wir haben eine Kontextspalte rechts und Sie sehen am oberen Rand eine Service-Navigation. Der Großteil von, von Accessibility Features sollte man ja nicht sehen und das ist auch gut so. Und äh, die Sichtbaren, die wir haben, die werden dort oben eben abgehandelt.

    Wir haben neben dem Sprachwechsler – das ist natürlich kein Accessibility Feature – haben wir hier Schriftgradänderungen. Wir haben eine Kontrastversion geschaffen. Und äh, seit voriger Woche haben wir ein kleines Symbol, mit, das eben die Hände eines gebärdenden Menschen darstellt. Dazu gleich später. Unsere Kontrastversion stellt die Inhalte liniarisiert untereinander dar. Wir haben die Seitenbereiche getrennt durch horizontale Linien. Und die Seitenbereiche haben auch Überschriften erhalten, die in der Standardversion nicht sichtbar sind. Zusätzlich, zusätzlich sind bestimmte Elemente speziell farblich ausgezeichnet. Also Sie sehen hier die blauen Links, es gibt eine gelbe Farbe für Überschriften (…) Und nun zu den, zu den Händen, zu dem neuen Symbol, Wir haben gemeinsam mit dem Landesverband der Gehörlosen-Vereinen in Oberösterreich vorige Woche unser erstes Gebärdensprachvideo online gestellt. Wir informieren in diesem Video über die allgemeinen Kontaktmöglichkeiten zur Stadt Linz und auch darüber, dass die Stadt Linz für Behördengänge, die DolmetscherInnenkosten übernimmt.

    Während Michael Barthofer von seinem Lehren aus dem BIENE-Gewinn erzählt…

    Eins ist Keins, kann man sicher sagen, aber mit einem muss man mal starten. Wir arbeiten eben mit dem Gehörlosenverband daran eben weitere Themen jetzt zu identifizieren. Mit welchen wir weitermachen wollen. Wir haben zusätzlich auch den Easy-YouTube Player im Einsatz – Danke an Chris Heilmann – den habe ich mir vom, letztes Jahr vom A-Tag mitgenommen und den konnten wir jetzt einsetzen. (…) So, da sollte eigentlich der Browser kommen – gut dass ich einen Screenshot gemacht habe (lacht) – ja wie gesagt – also flächendeckend wird es natürlich nicht werden, der Einsatz der Gebärdenvideos, aber wir haben uns so ein, ein kleines Budget erobert sozusagen und wir haben da fest uns vorgenommen eben das, das Angebot laufend zu erweitern. Er kommt, er kommt (…) oder auch nicht – vielleicht schauen wir uns das später an. (…) Ja – worüber sprechen wir hier bei www.linz.at? (räuspert sich) Wir haben ungefähr einen Umfang von, von neuneinhalb tausend Seiten. Im Rahmen des Redesign-Projektes wurden davon circa sechstausend Seiten überarbeitet. Das Ganze teilt sich auf in den größten Bereich natürlich – die deutsche Variante – es gibt eine sehr stark eingeschränkte englische Variante – da reden wir von ungefähr fünfhundert Seiten. Und hier liegt schon der Schwerpunkt eben auf den touristischen Angeboten. Und eine kleine italienische Variante, mit ja maximal hundert Seiten, wo überhaupt nur mehr der Tourismus arbeitet damit. Es ist auch der Auftritt des allgemeinen Krankenhauses im, im Webauftritt der Stadt Linz integriert. Wir haben einen Pressebereich und so weiter.

    Gewartet wird das Ganze mit zwei Systemen. Wir haben einerseits ein Content-Management-System namens RedDot. Mittlerweile heißt es Open-Text-Websolutions und, die nächste große Version wartet schon auf uns, (lacht) wir fürchten uns schon. Die zweite Geschichte, die wir einsetzen, ist ein Bürgerserviceportal. Das ist eine Datenbank, in der alle Inhalte drinnen sind, die aus unserer Sicht wirklich eben zum Thema Bürgerservice gehören. Und wir haben eine Menge an Applikationen – 52 Applikationen – Applikationen ist jetzt ein großer Begriff – das fängt an mit einem Kontaktformular, da ist der Shop dabei, da sind diverse Datenbanken dabei. Wir haben unsere Denkmäler alle im Internet, der Tourismus hat die Hotels eben Informationen im Internet und so weiter. (…) Ja, wer steht dahinter? Sie sehen hier schon eine Menge Leute, aber das sind maximal die Hälfte. Wir haben, wir betreiben unseren Webauftritt sehr stark dezentral. Also wir haben um die hundert Webautorinnen und Autoren, die direkt in den Dienststellen, in den Fachdienststellen angesiedelt sind und die diese Inhalte eigentlich neben ihrer ganz normalen Tätigkeit einpflegen in das Content-Management-System. Also Sie sehen hier unter diesen Kolleginnen und Kollegen, ja Leute aus dem Tourismusbereich, aus dem Sozialbereich. Ein Kollege betreibt den Spielbus der Stadt Linz. Aus ganz verschiedenen Bereichen. Und wie gesagt, die sind, machen das nicht hauptberuflich, sondern neben Ihrer Tätigkeit. Im allgemeinen Krankenhaus machen das sogar Ärzte, die eben ihre Bereiche warten. Die Inhaltsverantwortung liegt ausschließlich eben bei diesen Fachdienststellen.

    Die nächste Gruppe, die daran beteiligt ist, sind drei KoordinatorInnen. Und zwar bin das ich und zwei Kolleginnen. Hier liegt die, die zentrale Verantwortung für die Struktur, für das Design und für die generelle Ausrichtung von www.linz.at. Hier passiert sehr viel Koordinationsarbeit und hier passiert natürlich auch ein Teil des Qualitätsmanagements. Wir haben im RedDot-System einen Workflow, der genau definiert, wer etwas freigeben kann. Sämtliche Inhalte, die im CMS erstellt werden, die, wo Änderungen stattfinden, laufen eben bei uns drüber. Und wir schauen uns das Ganze nach verschiedensten Kriterien an. Inhaltlich nicht so sehr, das heißt wir sind keine Redaktion, in dem Sinne, die auf die Inhalte der Dienststellen sehr stark Einfluss nimmt, aber wir haben schon ein redaktionelles Auge. Es sollte natürlich da Nichts veröffentlicht werden, das so gegen die Interessen der Stadt Linz geht. Wir prüfen selbstverständlich die Barrierefreiheit. Ist auch ein wichtiger, wichtiger Teil geworden, seit unserem Redesign. Aber natürlich geht es hier auch um einen Styleguide, also wenn so viele Menschen an einem Webauftritt arbeiten … Sie kennen das, Jeder schreibt sein Datum anders, Jeder schreibt den Eurobetrag anders. Und hier gibt es eben einen Styleguide wo solche Schreibweisen festgeschrieben ist, sind, und wir schauen uns das an.

    Da geht es natürlich auch um Fotoformate, da geht es darum persönliche Kreativitäts-Anwallungen von Web-Autorinnen und -Autoren in Grenzen zu halten. Und wir haben auch ein Augenmerk auf die Aktualität. Ein Inhalt ist sehr schnell ins Web gestellt. Irgendwer muss halt schauen, ob das Ganze auch noch aktuell ist und ob das auch gewartet wird. Die nächsten Beteiligten sind eine Technikerin und zwei Techniker in der IKT Linz. Die IKT Linz ist quasi unsere EDV-Abteilung, die als eigenes Unternehmen ausgegliedert wurde. Hier passiert der First-Level-Support für das CMS. Das System, also die Webseite und die Einrichtung des Content-Management-Systems erfolgte eben von einem externen Partner. Das ist die Firma CyberHouse. Und, die entwickelt auch weiter. Das heißt, intern wird, wird bei uns eben eher betreut und nicht so sehr jetzt mit Templates, mit Template-Entwicklungen gearbeitet. Aber sehr wohl werden intern die, die Webapplikationen der Stadt Linz erstellt und betreut. Und hier findet auch die, die Betreuung von externen Webapplikationen statt. Natürlich müssen auch Server betreut werden und es geht hier auch um Portale Integration. Einerseits mit unserem Bürgerserviceportal, und auch mit dem Portalverbund. Ja, wie, wie kam die Barrierefreiheit in die Stadt Linz und wo wird das erledigt? Grundsätzlich ist ein Umstieg auf Barrierefreiheit natürlich mit Arbeit verbunden. Sowohl jetzt im Redesign-Prozess, als auch natürlich in der täglichen Arbeit. Und wo es mehr Arbeit gibt, ist man nicht überall freiwillig dabei. So gesehen ist für uns jetzt die gesetzliche Vorgabe durch das E-Government-Gesetz, man könnte sagen ein Segen gewesen. Das heißt, niemand kann sich da dagegenstellen, da gibt es eine gesetzliche Vorschrift – die muss umgesetzt werden. Und natürlich ist dann auch der, der Rückhalt der verschiedenen Ebenen in einer Stadt nötig. Wir haben sehr guten politischen Rückhalt bekommen von unserer Sozialreferentin, Vizebürgermeisterin Holzhammer und auch die Verwaltungsführung stand sehr stark hinter dieser Umsetzung. Sie haben gehört, die KollegInnen machen das nicht hauptberuflich. Das heißt, gerade für den Redesign-Prozess mussten hier auch Ressourcen geschaffen werden, das heißt sie mussten freigeschaufelt werden von anderen Arbeiten. Damit eben diese, diese Umsetzung ermöglicht wurde. Und ja, die Keimzelle der, der Barrierefreiheit war in der Stadtkommunikation angesiedelt, wir haben uns schon längerfristig mit dem Thema auseinandergesetzt und konnten dann eigentlich während dem Redesign-Prozesses auch die IKT dazugewinnen.

    Konnten hier Sensibilisierungsarbeit durchführen, dass das durchaus auch eine Aufgabe ist für die Techniker. Und hier wurde dann, wurden dann gleich Schritte gesetzt. Das heißt es fanden interne Schulungen statt der, der Kollegen, die eben im Webbereich arbeiten und es ging auch hier um den richtigen Einsatz von Entwicklerwerkzeugen. Ja wie passiert Qualitätssicherung? Ich habe ganz vergessen, ich sollte vielleicht ein bisschen erwähnen – die Bildinhalte – also Sie sehen hier eine Mitarbeiterin des AKH, die in ein Mikroskop schaut. Auch die Qualitätssicherung passiert in, in verschiedenen Bereichen, in der Stadtkommunikation – wie schon erwähnt – die laufende Freigabe im Rahmen des Workflow-Prozesses. Und wir begleiten alle, alle Projekte, alle städtischen Projekte, die in irgendeiner Form einen Web-Bezug haben. Natürlich die IKT nimmt, nimmt Projekte ab und betreut Sie technisch. Und wir haben einen wertvollen externen Partner gefunden, der uns in diesem Bereich unterstützt. Und zwar ist das KII, Gott sei Dank habe ich es hier stehen. Das ist alleine schon eine Barriere … (verspricht sich) (lacht) eine Barriere, dieser Name! Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen. Dazu noch später!

    Und natürlich gehört zur Qualitätssicherung, dass wir uns an Best-Practice-Beispielen orientieren. Und selbstverständlich auch die Schulung der AutorInnen. Ja, wie unterstützt uns KII in unserer Arbeit? Einerseits hatten wir eben quasi massive Unterstützung im Rahmen des Redesigns. KII hat unser Projekt von der Ausschreibung, bis zur Abnahme begleitet und daraus resultiert eben auch ein Beratervertrag mit der IKT Linz AG. Vorteile waren für uns: KII hat ein Netzwerk von potentiellen Nutzern mit Behinderungen. Das heißt, wir konnten Lösungen direkt von den Personen testen lassen, die sich wirklich damit auskennen. Und die auch dann sehen, ob das für sie gut umgesetzt ist. Und wir haben die Erfahrung gemacht das gerade mit externen Dienstleistern hier eine dritte Instanz, so quasi eine moralische Instanz, ganz gut eingesetzt werden kann, die eben sagt, okay das ist gut umgesetzt, das ist nicht gut umgesetzt. Und natürlich kann man eben mit so einem Berater auch Dinge diskutieren, wo es nicht in erster Linie um den Aufwand und um die wirtschaftlichen Aspekte geht. Und selbstverständlich konnten wir auf den reichen Erfahrungsschatz von KII zurückgreifen. Ein nächster Schritt eben in der Zusammenarbeit mit KII wird noch heuer Ende des Jahres eine Nach-Testung der Seite, nach WCAG 2.0 werden. Ja, Sie sehen hier Geldscheine. Und Alles was mit Arbeit verbunden ist, ist vielfach auch mit Kosten verbunden und jetzt könnte jemand hergehen und sagen: Ja Barrierefreiheit gut und schön – was kostet der Spaß? Entgegen der Folie werden Sie von mir keine Eurobeträge hören. Bei unserem Redesign-Projekt war es so – wir haben das Ganze ausgeschrieben mit einer maximalen Auftragssumme – das heißt ich kann Ihnen hier schon nicht seriös sagen welcher Anteil davon jetzt auf die Barrierefreiheit, oder für die Barrierefreiheit ausgegeben wurde. Ich kann Ihnen aber sagen, wo eben personelle Ressourcen notwendig waren. Und das war natürlich in einem sehr großen Maß, bei der Überarbeitung der Inhalte durch die Autorinnen und Autoren.

    Sie haben gehört 6000 Seiten wurden überarbeitet. Und ein extrem hoher Aufwand war auch die Überarbeitung der internen Webapplikationen. Also hier müssen Sie denken an Formulare, hier müssen Sie denken an Tabellen – Sie können Sich vorstellen, also da ist ordentlich Zeit reingelaufen. Der Aufwand für den laufenden Betrieb – ich habe mit KollegInnen gesprochen, sowohl jetzt bei uns in der Stadtkommunikation, als auch mit den AutorInnen. Wir schätzen die Erstellung der Inhalte und Änderung der Inhalte ungefähr mit einem eineinhalbfachen Aufwand im Vergleich zu vorher. Die Kontrolltätigkeit, also die Freigabe durch die Stadtkommunikation würden wir sogar auf einen zweifachen Aufwand schätzen. Es ist viel stärker notwendig, dass man durchaus auch mal in den Code reinschaut. Auch wenn, auch wenn die Inhalte in erster Linie eben mit, mit einem Editor, der im Content-Management-System enthalten ist, gemacht werden. Also man sieht in dem Editor zum Beispiel nicht ob jetzt irgendetwas sprachausgezeichnet wurde, da muss man schon einen Blick in den Code werfen. Für neue Projekte, haben wir aus den Erfahrungen des Redesigns einen umfangreichen Katalog an Projektvorgaben geschaffen. Hier gehe ich davon aus, dass wenn ein Auftragnehmer dieses Papier in die Hand bekommt, dass sich das selbstverständlich auf die Preisgestaltung auswirken wird. Aber auch hier habe ich keine Projekte, wo ich Ihnen Vergleiche sagen kann, das heißt ein Projekt in der Größenordnung kostet jetzt so viel mehr als Früher. Hingegen die internen Webapplikationen, also wenn hier etwas neu gemacht wird, haben wir kaum Mehraufwand. Also diese Vorgaben sind in der IKT quasi verinnerlicht. Wir haben genug Beispiele aus dem Content Management System, aus dieser Umsetzung.

    Wie wird wo welcher Code verwendet – also da gibt es eben kaum Mehraufwand. Wir haben in unserer täglichen Arbeit einen Sonderfall, in der Stadtkommunikation findet die Pressearbeit statt. Das heißt wir veröffentlichen täglich circa vier Pressemitteilungen. Und bei uns laufen auch die Pressekonferenzen der Politiker ab. Und da ist es oft so, wir bekommen kurz vor der Pressekonferenz die Unterlage. Und Politiker arbeiten sehr gerne mit Zahlen und das lässt sich wunderbar in kompliziertesten Tabellen dann darstellen. Und die Problematik der Tabellen und Barrierefreiheit, die kennen Sie sicher. Hier haben wir momentan ein Tool in der Erprobung, mit dem man relativ schnell diese Tabellen umsetzen kann. Und zwar ist das der Complex-Table-Markup-Toolbar. Wenn man eine Tabelle erstellt, jetzt rein nur mit Table Headers und Table Datas, dann kann man diesen Toolbar drüber lassen und der erzeugt automatisch die ID und Headers-Verknüpfung. Weiter kann man mit diesem Toolbar auch sehr gut testen, ob eine Tabelle korrekt umgesetzt worden ist. Sie sehen hier rechts die Ansicht mit diesem Toolbar – das hießt ich fahre mit der Maus über eine Datenzelle drüber und sehe alle Abhängigkeiten, die eben für diese Zelle mit ID und Headers geschaffen worden sind. Ein weiterer Sonderfall ist Software mit Webkomponenten, das heißt, wir brauchen oft Software die in erster Linie für den internen Gebrauch angekauft wird. Also da sind die Beschaffungskriterien sehr stark auf die interne Verwaltung ausgerichtet. Beispiele wären hier eine Bibliotheksverwaltung oder das VHS-Kursprogramm.

    Hier ist der Webkatalog, oder die Online-Reservierung eigentlich nur ein kleiner Teil. Und da haben wir die Erfahrung gemacht, dass dieser kleine Teil sich dann auch nicht in umfangreichem Know-how bei den Firmen niederschlägt. Und hier hatten wir einen Fall, also gerade mit dem Online-Katalog. Da hat die Firma den Bobby darüber gelassen und hat gesagt, ja es werden keine Fehler mehr angezeigt – es sind nur mehr Warnings – und wir sind fertig. Und ja, wir haben dann KII eingekauft und haben den Entwickler kommen lassen nach Linz – also zumindest den aus Deutschland – die Firma selbst war in Australien – und haben dann eben in einem zweitägigen Workshop mal versucht die gröbsten Probleme irgendwie aus dem Weg zu schaffen. Das Problem bei solchen Software-Paketen ist dann natürlich immer folgendes: Das ist Standard-Software, die an sehr vielen Standorten ausgerollt wurde, und wenn hier Eingriffe stattfinden – und sei es auch nur eben in der Webkomponente – dann, überlegen die sich das natürlich drei und viermal, bevor Sie hier eine Änderung machen. Aber Einige unserer Anregungen sind eben aufgenommen worden und wurden in den neuen Versionen eben dieser Software schon umgesetzt.

    Ja, ich sehe mir läuft die Zeit davon. (räuspert sich) Kurz noch zu unserem Redesign 2008. Das Foto das Sie sehen ist vom Linz-Fest. Wir haben jährlich zu Pfingsten ein Fest, da gibt es eine Wasserbaustelle für Kinder. Da geht es zu, wie ungefähr bei unserem Redesign. (Zuschauer lachen) So hat die Seite vorher ausgesehen – zur Erinnerung – so sieht sie jetzt aus. (lacht) Vielleicht sagen Sie ja, das ist eigentlich sowieso fast das Gleiche. Aber beide Seiten resultieren natürlich auf unserem ja CD-Manual, das heißt das Graue ist geblieben. Aber ich denke schon, dass sie lebendiger und frischer geworden ist. Und hier sehen Sie schon die Problematik, die wir hatten eben mit der Navigation. Da hat sich jeder rein reklamieren können, oder hat es zumindest versucht. Und, ja man soll über Verblichene ja nicht schlecht sprechen. Wir haben hier ein Foto von einem Fischmarkt – ich hatte keine sonstigen toten Objekte in unserem Header-Bildfundus. Die Bilder, die Sie da sehen sind eben Headerbilder von www.linz.at. Aber ich mache es trotzdem, ich spreche jetzt schlecht über unsere alte Seite. Und die Probleme werden kaum Jemanden überraschen, die gibt es überall – Inhalt, Layout vermischt. Wunderbar verschachtelte Layout-Tabellen. Die semantische Struktur war nicht toll umgesetzt, wir hatten teilweise – ich traue es mich kaum zu sagen – Überschriften, die eben nur farblich und fett ausgezeichnet wurden. Und eine kleine Anleihe an den Vor-Vortrag, wir hatten auch böses JavaScript in Applikationen.

    Ganz kurz noch – also wo waren für uns wichtige Schritte in der Vorbereitung? Also wir haben sehr viel Vorarbeit versucht im Haus zu erledigen. Wir haben ja in Linz das Ars Elektronica Center mit dem Future Lab, das ist der Entwicklungsteil dieser Institution. Und das ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Linz in der Unternehmensgruppe. Und mit denen haben wir eben eine Usability-Studie abgewickelt, die auch eben die Barrierefreiheit betroffen hat. WCAG-Standards, Iso-Normen und so weiter. Da wurden eben Experten, ein Experte und eine Expertin darauf angesetzt. Und was für uns ganz wesentlich und nützlich war, waren eben die Usertests. Wir haben einen Katalog von Aufgaben erstellt, den BenutzerInnen üblicherweise auf www.linz.at erledigen. Und haben uns da dazugesetzt und haben das Ganze auch aufgezeichnet, wie sich die teilweise gequält haben. Und das war auch für uns eine Qual – also da sitzt man daneben und denkt sich: Ja klick schon hin, das ist doch da, siehst du es nicht? Also da muss man, wenn man da daneben sitzt, muss man sich fast festschnallen am Sessel um nicht einzugreifen. Und in Wirklichkeit ist das auch nicht mit viel Aufwand verbunden, also das kann ich Jedem nur empfehlen. Schnappen Sie sich jemanden von der Straße, (lacht) setzen Sie ihn vor einen Computer und lassen Sie ihn sich quälen. Und ein Teil dieser Tests waren auch – also wir hatten zwei blinde Benutzer – und ja da wurde uns Einiges klar. Also wenn man dann gesehen hat wie schwierig eben diese verschachtelten Layout-Tabellen gerade in der Navigation waren. Ist klar das eben Handlungsbedarf da ist. Wir haben auch noch eine Internet-Umfrage gemacht, wir haben intern Know-how aufgebaut – die Führungskräfte mit eingebunden. Und dann gibt es bei uns noch ein Programm, das heißt: Amtsdeutsch aD, Amtsdeutsch außer Dienst. Da gibt es eine Broschüre und es gibt auch im internen Seminarprogramm, gibt es da Veranstaltungen dafür. Und trotzdem muss man immer wieder verhindern, dass solche Begriffe wie (lacht) Verkehrslichtsignalanlage auf die Homepage entfleuchen. Ja, zur Ausschreibung noch ganz kurz. Wir hatten ebenfalls einen Wettbewerb gemacht, uns war wichtig, also wir brauchten eben Unternehmen, die eben RedDot-Firm sind und wir hatten auch eben einen Schwerpunkt auf regionale Anbieter. Das heißt im Bereich Oberösterreich haben wir gesucht. Und wie gesagt, die Unterstützung von KII habe ich schon erwähnt.

    …legen sich auch die Gebärdensprach- dolmetscherinnen ins Zeug.

    Was haben wir gelernt? Natürlich, nicht so zu skaten wie dieser Sportler hier auf dem Bild. Gesetze sind dringend notwendig. Es müssen die Rahmenbedingungen und das Klima geschaffen werden durch die Führung, das ist eine erhebliche Voraussetzung. Und wir haben auch gelernt, dass die AutorInnen dafür gewonnen werden können. Also es muss Verständnis. Verständnis ist vorhanden. Man muss eben diese Erschwernisse, warum macht man das, warum zeichnet man das jetzt so aus? Warum muss ich hier im Link das zusätzlich auszeichnen, dass ein neues Fenster öffnet? Wenn man das plausibel macht, dann ist die Bereitschaft da. Ja und ein Problem ist selbstverständlich bei Fremdfirmen, da haben wir die Erfahrung gemacht, dass das auch sehr oft unterschätzt wird. So ganz kurz noch Probleme bei der Umsetzung. (…) (räuspert sich) (lacht) Wenn ich zuviel überziehe bitte eine kurze Meldung. Die grauen Haare da vorne in meinem Bart, die hatte ich vor dem Redesign noch nicht. Wir hatten zwei große technische Probleme. (lacht) Also dass ich mehr Haare hatte, das werden Sie mir sowieso nicht glauben.

    Wir hatten ein technisches Problem, dass sich, das konkret mit der Barrierefreiheit zu tun hatte. Und zwar gibt es für RedDot einen Navigation-Manager, der eben diese Erstellung und Wartung der Navigation regelt. Und da wurde von der umsetzenden Agentur – die hatte den Wunsch, dass man den eben verwendet. Wir hatten von mehreren Seiten da ein bisschen Warnungen erhalten und es ist nicht ganz ausgereift. Und wir haben uns dann Gott sei Dank auch im Pflichtenheft ein Ausstiegsszenario einbauen lassen. Das heißt wir hatten im Zeitplan eine Deadline, bis zu der hin wir uns gegen den Navigation-Manager entscheiden konnten. Und das war dann im Endeffekt doch schlau, denn dieser Navigation-Manager kam nicht damit zurecht, dass wir ihm als P-Code dann noch Barrierefreiheit-Features eingebaut haben. Das heißt eben ja, Akronyme in der Navigation, das heißt Abkürzungen, das heißt Übergabe von Parametern an das Portal und solche Dinge. Ja also eigentlich Sachen, die nicht sehr aufwändig sind. Aber das Ergebnis war, dass das Backend, dass CMS dermaßen die Performance in den Keller ging, dass wir das eben nicht einsetzen konnten. Und ja, da hatten wir schon mal fast drei Monate Verzögerung. Und – also wenn Sie es bis jetzt noch nicht gemerkt haben – wir sind die Streber. Wir wollen Alles supertoll machen. Und wir hatten auch geplant schon Mitte 2007 mit der barrierefreien Version online zu gehen. Und nicht auf das Datum 01.01.2008 zu warten. Geworden wurde es der 01.02.2008, wir hatten noch ein zweites technisches Problem, das nicht jetzt barrierefreiheitsbezogen war. Da hatte ein Teil, und zwar dieser Page-Builder, der die Seiten generiert ein Memory Leak. Und da haben wir die Erfahrung gemacht, dass man durchaus auch mal Juristen benötigt für ein Redesign. Das war durchaus aufwändig RedDot dazu zu bewegen, hier mal genauer hinzusehen, wo eigentlich das Problem liegt. Über Richtext-Editoren brauche ich Ihnen Nichts sagen – da gibt es Einschränkungen. Ja. Kann ich noch? (leise) Bitte? Okay. Also umgesetzt haben wir es toll. (lacht) Da geht’s jetzt darum, dass wir Navigationen als Listen haben und solche Dinge, also eigentlich Sachen, die selbstverständlich sein sollten. Und diese Folie gibt es natürlich dann auch online. (lacht) Danke für ihre Aufmerksamkeit, besuchen Sie uns auf www.linz.at und wir sind noch 76 Tage Kulturhauptstadt Europas. (lacht) Für das Riesenrad ist es schon ein bisschen kalt, aber gut anziehen, dann geht es auf den Höhenrausch! Danke sehr. (Zuschauer klatschen)

    Moderation Eric Eggert: (räuspert sich) Vielen Dank für den Vortrag. Das ist immer schön diese Einsichten zu gewinnen in Redesign-Projekte. Ich glaube für die ein oder andere Frage haben wir Zeit noch und dann müssten wir weitermachen. (schnauft) Gerade da vorne. Shadi war zuerst.

    Shadi Abou-Zahra: Ja. Shadi Abou-Zahra von W3C. Danke für den Vortrag. Gratuliere zur Biene. Ich glaube es ist sehr wichtig auch die Kosten anzuschauen, was da (stottert) für Mehraufwand für die Umsetzung von Barrierefreiheit ist. Aber wird auch angeschaut was für Vorteile oder Nutzen davon zu ertragen sind? Zum Beispiel, ich weiß nicht, ich kann mir vorstellen gerade bei so verschachtelten Tabellen. Dass man daraus vielleicht sehr viel, Suchmaschinen-Optimierungen vielleicht daraus gewonnen hat. Was ich mir auch vorstellen kann, ist vielleicht, dass es auch auf Mobiltelefone jetzt besser funktioniert. Schaut man sich das an?

    Michael Barthofer: Ja. Natürlich, das sind halt die, die anderen Argumente für Barrierefreiheit – das kennt man ja. Und Suchmaschinenoptimierung betreiben wir nicht – (lacht) wir werden schon gefunden von denen, die uns brauchen. Aber, natürlich sind das Vorteile. Also es geht jetzt nicht nur um den gesetzlichen Anspruch, sondern alle diese Maßnahmen, die wir setzen, haben auch andere Dinge, oder haben auch andere Vorteile. Natürlich.

    Shadi Abou-Zahra: Ich meine, wenn man die Kosten anschaut, dass man vielleicht auch die Einnahmen …

    Michael Barthofer: Ja. Kosten – für uns ist aufgrund der gesetzlichen Vorgabe jetzt der Kostenfaktor nicht so sehr ausschlaggebend. Aber Kosten, die wir auf jeden Fall in Projekte einplanen ist natürlich KII. Das heißt, die Betreuung und die Abnahme durch KII ist bei uns ein Kostenfaktor geworden, den wir bei jedem Projekt. Also wenn eine Dienststelle kommt, dann ist das auf jeden Fall in der Kostenplanung drinnen.

    Moderation Eric Eggert: Okay. Vielen Dank, wir hatten hier vorne noch eine Frage. Und, nein in der zweiten Reihe. Und ich bitte, bitte um Kurzfassung.

    Mark Wassermann: Mark Wassermann, Uni Klagenfurt. Ich habe noch eine kurze provokante Frage: Warum wird bei jedem Vortrag, wenn zwei vorgestellt werde, sofort darauf hingewiesen, dass es auch einen Button gibt zum Vergrößern der Seite? Welche Zielgruppe wollen Sie damit ansprechen? Ganz ehrlich?

    Michael Barthofer: Ja, die Diskussion die, die kennt man natürlich. Also selbstverständlich kann man unsere Seiten auch so vergrößern. Also wir nehmen da auch noch auf den IE6 Rücksicht. Nicht nur die, die Browserzooms der, der neuen Versionen. Und wir haben auch geschaut, dass in den Templates eben der Bildeinbau so ist, dass auch in alten Browsern die Bilder mit skalieren. Gewährleisten können wir das nicht, bei den Bildern, die im Richtext-Editor mit eingebaut werden. Aber, ja, man hat es mittlerweile der Vollständigkeit halber. Nicht jeder weiß mit dem Browser umzugehen und wo man die Schriftgröße verstellt.

    Mark Wassermann: Ja. Okay.

    Michael Barthofer: Behaupte ich jetzt.

    Moderation Eric Eggert: Okay. Vielen Dank.

    Mark Wassermann: (Zuruf von F2)

    Michael Barthofer: Bitte? Ach so, ja wir machen es Ihnen zu leicht, den Benutzern, oder?

    Mark Wassermann: Also, wirklich ein Sehbehinderter, der sieht den Button gar nicht. Das ist das Problem.

    Michael Barthofer: (lacht) Wir haben es – juhu.

    Moderation Eric Eggert: Okay. Die weiteren Fragen bitte ich dann in der Mittagspause zu stellen.

    Bilder von Karola Riegler. Intro von Derek K. Miller.

Der A-Tag ’09 ist eine Veranstaltung von accessible media. A-Tag 2008