Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /var/www/atag.accessiblemedia.at/public_html/system/codeigniter/Common.php on line 123

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /var/www/atag.accessiblemedia.at/public_html/system/codeigniter/Common.php on line 129

A PHP Error was encountered

Severity: 8192

Message: Assigning the return value of new by reference is deprecated

Filename: libraries/Loader.php

Line Number: 248

A PHP Error was encountered

Severity: 8192

Message: Assigning the return value of new by reference is deprecated

Filename: database/DB.php

Line Number: 133

A PHP Error was encountered

Severity: Warning

Message: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /var/www/atag.accessiblemedia.at/public_html/system/codeigniter/Common.php:123)

Filename: libraries/Session.php

Line Number: 315

Ausgewählter Vortrag: Panta rhei - das Netz ändert sich, warum nicht wir? - A-Tag '09 interaktiv barrierefrei

Sprunglinks

A-Tag ’09 – Interaktiv Barrierefrei

Inhalt

Ausgewählter Vortrag:
Panta rhei - das Netz ändert sich, warum nicht wir?

  • 16.10.2009, 16:50–17:35 Uhr, Raum 1

    πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει - alles ändert sich und nichts bleibt wie es war, das meinten schon Heraclitus und Plato. Wenn es ums Internet und Barrierefreiheit geht scheint es aber doch so zu sein das kaum Bewegung statt findet. Da nur in der Bewegung Kraft liegt ist ist es auch kaum verwunderlich das Barrierefreiheit nicht Innovation vorantreibt. Das kann auch anders gehen und in diesem Vortrag zeigt Christian Heilmann ein paar Beispiele wie man auch als Nicht-Techniker der Welt zeigen kann wie man Barrieren im Netz umgeht oder sogar ausschaltet. Das Netz der Seiten ist tot, und das Netz der Daten besteht aus Bausteinen die man wie Lego so zusammenstellen kann wie man es braucht oder toll findet.

    Unterlagen

    Transkription:

    Moderation Eric Eggert: Schön, dass alle wieder hier sind – außer die, die noch nicht hier sind.

    Chris Heilmann: Okay.

    (Lachen)

    Moderation Eric Eggert: Wir überbrücken jetzt die Wartezeit bis zu dem „Get-together“ mit einem Vortrag von Christian Heilmann.

    Chris Heilmann: Ich stehe zwischen Euch und Alkohol. Toll.

    (Lachen des Publikums)

    Moderation Eric Eggert: Ich sollte das „Get-together“ unbedingt noch einmal erwähnen. Also: Es gibt da draußen dann alkoholische Getränke. Es gibt aber auch nicht-alkoholische Getränke und so, glaube ich …

    Chris Heilmann: Und so …

    (Schmunzeln)

    Chris Heilmann: Okay …

    Moderation Eric Eggert: (Räuspern) Ich bin jetzt mittlerweile auch ein bisschen erschöpft, entschuldige. Okay. Chris! Chris ist jedenfalls bei Yahoo! tätig, wohnt in London, spricht ein unheimliches fränkisches Englisch dafür.

    Chris Heilmann: Fr-Denglisch.

    Moderation Eric Eggert: Fr-Denglisch, genau …

    (Schmunzeln)

    Moderation Eric Eggert: … reist als Web-Evangelist (englische Aussprache) durch die Welt und ist jetzt bei uns – und jetzt viel Spaß.

    Chris Heilmann: Okay, bevor ich anfange: Ich möchte unbedingt Euch einmal hier danke sagen, für die Mädels, die hier die Übersetzungen machen. Weil ich bin immer die …

    Person aus dem Publikum: Jo.

    (Applaus)

    Chris Heilmann: … ich bin immer die Hölle für diese Mädels, weil ich einfach zu schnell spreche. Aber in Frankreich ist es noch viel schlimmer. Wenn man jetzt einmal die Frau da unten anguckt beispielsweise …

    (Einspielen der Arbeit von französischen Gebärdensprachdolmetschern und bruchstückhafter Arbeit von englischen Dolmetschern)

    Chris Heilmann: Also, es könnte schlimmer sein.

    (Schmunzeln, Einwürfe der Zuhörer, Stimmengemurmel)

    Chris Heilmann: Ja, ich kann ja nachher einmal einspringen. Ich muss auch immer aufnehmen, weil jedes Mal, wenn ich deutsch spreche, ist mein Vater ganz stolz. Also, alle einmal: „Hallo, Herbert!“

    Person aus dem Publikum: Hallo, Herbert!

    Chris Heilmann: Danke schön. Okay, heute spreche ich über: „Panta Rhei – alles ändert sich, warum nicht wir?“ Ich bin immer dafür da, um zu meckern. Und zwar bin ich seit zwölf Jahren Web-Entwickler und, ja, ich bin auch ziemlich in der Barrierefreiheit unterwegs und es nervt mich einfach tierisch, dass wir hier uns noch über Probleme unterhalten, die 1999 und 2005 und 2003 und 2007 schon einmal gelöst wurden, während die meisten Entwickler schon ganz andere Ideen haben, was heutzutage das Web ist und was wir machen sollten. Also, wir verpassen den Anschluss mit der ganzen Kreativität, die im Web derzeit passiert, und jedes Mal, wenn wir meckern, dass Entwickler nicht barrierefreie Sachen machen, dann sollten wir uns auch einmal auf den Nabel gucken und sagen: „Wie viel wissen wir eigentlich, was Entwickler heutzutage geil macht?“ Also, nicht als Frauen, sondern als Technologie, jetzt. Und eine Sache, die immer mit Innovativität oder Innovation zusammengebracht wird, ist Apple. Und das ist auch richtig so, weil Äpfel haben immer ganz gut Leute inspiriert. Und da ich nicht … da Thomas nicht der Einzige ist, der über Physik klugscheißen kann …

    (Lachen des Publikums)

    Chris Heilmann: … komme ich jetzt hier einmal an mit dem Sir Newton, Sir Isaac Newton, der herausgefunden hat, dass eine Masse, die eine bestimmte Beschleunigung erfährt, eine Kraft ist. Und der Herr Euler hat das Ganze dann auch noch so übersetzt, dass es ein bisschen einfacher ist für alle, und dann einfach in diese kleine, in diese kleine Gleichung umgebracht. Also, eine Masse mit einer bestimmten Bewegung ist eine Kraft. Und eine Kraft ist eine schöne Sache, weil die kann Sachen bewegen. Und das haben die Fanta Vier damals auch schon beschrieben: „In der Bewegung liegt die Kraft.“

    (Vereinzeltes Lachen von Zuhörern)

    Chris Heilmann: Das Problem, das wir jetzt damit haben, ist, dass die Barrierefreiheit, wie wir sie kennen, derzeit nicht wirklich eine Bewegung ist. Eine Bewegung … Wir kennen uns alle, aber der Haupt-…, die Hauptentwickler „out“, draußen sagen: „Na ja, Barrierefreiheit machen wir später, kommt dann dazu. Das ist das, was Designer machen. Das brauchen wir nicht wirklich. Wir haben keine blinden Nutzer.“ Diese Sachen. Also, wir sind derzeit eine Masse, aber wir sind nicht wirklich eine Kraft.

    (Lachen einzelner Zuhörer)

    Chris Heilmann: Und es liegt hauptsächlich daran, dass wir lauter kleine Massen sind. Und lauter kleine Massen sind, die sich in verschiedene Richtungen bewegen. Und wenn viele Massen sich in verschiedene Richtungen bewegen, dann tun sie sich entweder ausgleichen oder einander stören. Und das machen wir derzeit die ganze Zeit, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht, wenn es um Barrierefreiheit geht. Jeder hat seine eigenen Gesetze, jeder hat seine eigenen Richtlinien. Es funktioniert nicht wirklich, dass wir sagen: „He, barrierefrei für alle!“ Und ne: barrierefrei für Deutsche, barrierefrei für Österreicher, barrierefrei für Engländer – überall etwas anderes. Und deswegen kapiert der Hauptmarkt nicht wirklich, dass „barrierefrei“ etwas Wichtiges ist. Und das hat politische und gesetzliche Gründe. Das war „Die Linke“ in Deutschland, die auf einem Plakat gesagt hat „Reichtum für alle“ und auf einem anderen Plakat „Reichtum besteuern“ …

    (Lachen einzelner Zuhörer)

    Chris Heilmann: … hat also dann doch den Zukunftsplan ein bisschen vorhergesagt. Das hat nicht so wirklich geklappt. Und es hat auch Gründe, dass wir … Wir haben heute früh uns übers soziale Web unterhalten und wir meckern immer über das soziale Web: Dass Twitter nicht screenreaderfreundlich, dass Facebook nicht screenreaderfreundlich ist und dass doch alle im sozialen Web so viele Sachen schreiben, die nicht einmal Language-Attribute haben und so weiter und so fort. Und dann kriegen wir solche Veranstaltungen: Dass eine Konferenz in England … „Breaking the barriers between stakeholders, bringing together service providers, policy makers and suppliers of information- and communication-technology for people with disabilities“ … Wenn ich jetzt den Titel dieser Veranstaltung in Twitter stecken würde, wäre ich schon vierzig Zeichen über dem Soll.

    (Lachen der Zuhörer)

    Chris Heilmann: Wenn ich jetzt jemandem über diese tolle Konferenz etwas erzählen will, dann kann ich ja einfach nur einen Hashtag nehmen: „b t b b s b t s p p m a s o i a c t w p d f“.

    (Gelächter der Zuhörer)

    „Menschen sind hilfreich“ am Beispiel von Tweenbots

    Chris Heilmann: Dann wissen die auch, worum es geht. Es hat etwas mit Barrierefreiheit zu tun und damit wollen wir nichts zu tun haben. Und das ist ja das Hauptproblem, das wir heutzutage sehen. Wir haben auch sprachliche nationale Gründe, dass wir keine Bewegung sind, weil jeder eben sein eigenes Süppchen kocht: Es gibt die deutschen Richtlinien, es gibt die englischen, es gibt die französischen, es gibt die belgischen, es gibt die schwedischen, es gibt, glaube ich, finnische auch. Und ich war in Frankfurt bei dem Europäischen Unionstag und jeder macht was anderes. Und jeder versteht auch etwas in einer anderen Sprache und schreibt seine Richtlinien, so dass niemand anderes das versteht. Und das ist einfach traurig, weil ich bin in England, ich war in Frankreich letzte Woche und jetzt war ich hier und ich höre überall das gleiche Zeug. Jeder löst dieselben Probleme und denkt: „Hier haben sie gerade das Problem zum ersten Mal gelöst“, weil sie die anderen Sprachen nicht gelesen haben oder keine Übersetzungen bekommen haben. Und das ist einfach traurig, weil wir sollten uns nicht im Kreis drehen, wir sollten etwas Neues machen. Weil Barrierefreiheit per Definition überschreitet ja Grenzen. Es ist genauso wie „Umweltverschmutzung“. Und es kann einfach nicht ein Thema von einzelnen Ländern werden. Ich kann nicht sagen: „Oh, jetzt habe ich es für die deutschen Behinderten gelöst und die Engländer: ‚pff’ (zischendes, Gleichgültigkeit ausdrückendes Geräusch, dann Gelächter), die kommen sowieso nicht zu meiner Seite, egal.“ Das geht so nicht. Wir müssen einfach das Ganze zusammenarbeiten und weltweit auch sagen: „Das sind Barrierefreiheit-Standards, die überall funktionieren.“ Und das geht nur über „Usability“, das geht nicht über irgendwelche Standards „W3C“ oder sonst etwas. Es geht nur darum: Wie wird das Ding einfacher für alle? Und was mich am meisten nervt im Deutschen … Gerade jetzt zum Beispiel: Vortrag von Thomas, Vortrag von Jens – „super content“, super schöne Inhalte –… Thom… Jens’ Vortrag war sehr inspirierend, war wunderschön. Kein Engländer, kein Amerikaner wird jemals davon hören. Ich habe zehn HTML 5-Vorträge gehört bisher. Die waren alle ziemlich: „Hm, okay, zeig’ mir alles, was du machen kannst, funktioniert nicht wirklich“ … sein Vortrag hat mehr Sinn gemacht, aber kein Amerikaner würde das jemals verstehen. Weil es eben nur auf Deutsch ist und nicht gemacht wird. Und es ist nicht so schwer, weil fast jeder kann Englisch lernen …

    (Gelächter im Publikum)

    Chris Heilmann: Manche tun sich schwerer …

    (Gelächter im Publikum)

    Chris Heilmann: … und andere erfinden einfach ein Englisch.

    (Gelächter im Publikum)

    Chris Heilmann: Aber ich merke das immer wieder in England. Wenn mich Deutsche besuchen, die sprechen immer kein Englisch, bis ich sie besoffen gemacht habe.

    (Lachen und Schmunzeln im Publikum)

    Chris Heilmann: Dann hören sie nicht mehr auf. Und die sprechen super Englisch, trauen sich toll, was zu machen. Es ist kein Problem, wenn das Englisch nicht perfekt ist. Es ist ein Problem, wenn man sich einfach nicht traut. Und Innovation im Web passiert nun einmal in Englisch. Nicht nur unbedingt die Innovation: Wir machen innovative Sachen hier, wir machen wahnsinnig innovative Sachen in Frankreich, wenn es um Barrierefreiheit geht. Aber die Leute, die zuhören, und die Millionen, die es einbinden können, sind in englischsprachigen Ländern. Und da müssen wir uns langsam einmal an die Brust fassen und sagen: „Jungs, wir können zwar nicht wirklich so toll Englisch, aber jetzt hört uns einmal zu. Und wir sprechen einmal eure Sprache kurzzeitig.“ Rammstein haben damit Erfolg und das kann ja wirklich nicht wahr sein.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Wenn es um Barrierefreiheit geht, geht es um Dichtung und Wahrheit viel. Und das sind so Sachen, wie… die seit Jahren bestehen und einfach falsch sind. Und am besten ist es immer, wenn man Leute … Leute erfährt, Projektmanager, Leute, die an Projekten arbeiten, und die sagen alle: „Alles ist so schwer und kaputt.“

    (Schmunzeln im Publikum)

    Chris Heilmann: „Das CMS-System kann nix.“ „Unsere Entwickler wissen nicht ganz genau, wie das geht.“ „Die neuen HTML-Sachen sind so schwer zu verstehen.“ „Ich finde nirgendwo, wo das im Internet ist.“ „Wo kann ich JavaScript lernen?“

    (Einzelnes Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Es ist wirklich nicht so einfach, dass Leute immer sagen: „Das geht von Anfang an nicht.“ Anstelle jetzt zu sagen: „Jetzt schaue ich einmal, ob ich etwas finde. Wo ist das beschrieben in einer Sprache, wie ich sie auch verstehe?“ Die Webtechnologien sind nicht auf Barrierefreiheit ausgelegt. Das ist auch immer so ein Ding so: „Oh, die Formulare sind viel zu schwer.“ Und: „Die Links können nicht mehr so wirklich, was wir heutzutage machen wollen.“ „Ajax ist eine schöne Sache, aber ist nicht barrierefrei.“ Und dann haben wir: „Die barrierefreien Angebote sind weniger schön als normale Webseiten.“ Das ist auch immer ein Ding, so: „Also, wir wollten eigentlich die Seite schön machen, aber die muss ja barrierefrei sein.“ Was totaler Blödsinn ist. Weil die Seite kann genauso schön aussehen, aber meistens kommen dann eben diese – was Tomas erklärt hat –, kommen dann diese Meetings zu Stande, wo man dann doch sagt: „Oh, jetzt unterhalten wir uns doch einmal drei Stunden über die Farbe der Navigation.“ Und das hat sieben Farben in der Navigation drin, das ist einfach nicht schön: Und das ist die RNIB-, das ist die offizielle Royal National Institute for the Blind -Seite in England. Und ich hacke immer auf denen herum, weil sie es besser machen wollen … müssen. Sie können es nicht besser machen, weil sie vor ein paar Jahren ein ganz tolles CMS gekauft haben, das ziemlich viel gekostet hat und ihnen nicht Zugang zu den einzelnen Sachen gibt, was sie ändern wollen. Und das ist einfach traurig, weil… Wenn ich jemandem Geld gebe, um Blinden ein besseres Leben zu ermöglichen oder auch bessere Informationen zu geben, und sie geben das Geld aus für eine sechsstellige CMS-Lösung, die nicht gibt, was sie jetzt machen sollen, dann sehe ich mein Geld hier verschwendet. Aber genug gemeckert.

    (Schmunzeln im Publikum)

    Chris Heilmann: Es wird einfach Zeit, dass wir aufhören zu meckern und zu sagen: „Technologie ist schlecht, Entwickler sind schlecht, Softwarefirmen sind übel. Die machen ja alle nichts barrierefrei.“ Das sind immer diese Meckerer in der Ecke genauso wie in der Muppet Show, bloß sind wir nicht witzig. Das ist der Unterschied.

    (Schmunzeln und Stimmengemurmel im Publikum)

    Vor der Präsentation

    Chris Heilmann: Und es ist einfach traurig, dass, wenn du mit Leuten sprichst, die sagen: „Ja, Barrierefreiheit habe ich mir einmal angeguckt. Aber, nein, die wollen ja Sachen machen, die ich seit Jahren gelöst habe.“ Ich meine, ich habe es vorhin gesagt. Frameworks haben fast alles drin, was wir heutzutage brauchen: Dojo, YUI, jQuery auch jQuery UI. Letzte Woche ist eine neue Version herausgekommen von den Widgets, die jemand als seine Magisterarbeit geschrieben hat in der Universität, vollkommen Keyboard zugänglich, vollkommen WAI-ARIA-supported. Und ich muss nicht einmal die WAI-ARIA durchlesen, um das zu verstehen. Ich kann einfach ein Menü einbauen in meine Seite und es funktioniert. Und ich weiß auch ganz genau, dass das später weiterentwickelt wird. Und was machen wir? „Nein, wir haben Entwickler in unserer Seite, wir machen das selbst.“ Wir machen es selbst: zwanzig Prozent, vierzig Prozent, sechzig Prozent. Ich habe keine Lust mehr auf diese Baustellen im Web, die ein bisschen barrierefrei sind, anstatt dass wir alle zusammen an denselben Sachen arbeiten. Und alle diesen Open Source …: „Oh, Open Source, da muss ich ja Command Line benutzen. Da muss ich ja etwas herunterladen und etwas bearbeiten. Das ist ja ganz böse.“ Nein, ist es nicht.

    Bitte, sprecht mit Entwicklern, dann können wir auch barrierefreie Sachen basteln. Denn es geht auch anders. Und jetzt gebe ich ein bisschen an, weil ich bei einer Firma arbeite, bei der ich ganz, ganz stolz bin, dass wir gute Leute haben, die gerne auch einmal Barrierefreiheit bauen wollen und auch in einer kreativen Art und Weise. Das ist unsere Suchmaske auf der Fernsehseite in Yahoo!. Und das ist so ein klassisches Ding, das jeder auf seiner Seite hat. Man hat hier oben das Web, Images, Video und Audio. Als Links … wenn man da darauf klickt, dann ändert es sich, hatten wir ein JavaScript, dass die Action des Forms geändert hat. Und dann hat man eben Images, Video und Audio gesucht statt des Webs. Blöd, wenn JavaScript nicht da war. Dann hat man irgendeinen von diesen Links geklickt und es hat immer das Web gesucht. Und das ist einfach nicht gut genug. Gut. Was machen wir? Schauen wir das JavaScript an, schauen wir das genauer an. Und dann haben wir einen Schritt zurück gemacht und haben gesagt: „Okay, jetzt schauen wir einmal, was das Ding machen soll.“

    Und das ist der Schritt, den ich jedem, wenn er… wenn ihr herausgeht, morgen in eure Firma geht: Schaut irgendetwas an und denkt nach: Was soll dieses Ding machen? Was macht es hier? Ich will aussuchen: Web, Images, Video oder Audio, etwas eingeben und die Suchmaske abschicken. Da brauche ich kein JavaScript dafür. Dafür haben wir Radiobuttons. Wir haben das Ding durch Radiobuttons ersetzt, haben es dann mit CSS gestylt, dass es genauso aussieht wie die anderen. In IE6 sieht es so aus, uns egal. Weil es muss nicht wirklich so schön wie das andere aussehen. Es funktioniert wunderbar für jeden. Und was wir auch gemerkt haben: Dadurch mussten wir kein Click Tracking auf diesen Links mehr machen. Weil wir die Weiterleitung auf dem Server gemacht haben, hatten wir viel bessere Statistiken, wer jetzt was gesucht hat. Weil vorher haben wir es mit JavaScript gemacht, wussten nie, wer JavaScript aus hat, wer es an hat, was da falsch läuft. Und jetzt haben wir bessere Statistiken und es funktioniert für jeden, indem wir nicht nur angeguckt haben, wie das Ding auszusehen hat, sondern was es zu tun hat. Und das ist Wahnsinn, wie oft man solche Sachen im Web findet, die eigentlich sehr einfach sind, aber ganz schwer gemacht werden, weil sie dann doch hübsch sein sollen. Die meisten Leute fangen bei dem an erst einmal: „Oh, jetzt fangen wir mit dem Styling an, jetzt schneiden wir erst einmal die Grafiken aus und machen das schön bunt und bla…“ Anstatt zu denken jetzt: Wie soll das Ding funktionieren? Also, einmal zurückdenken, immer einen Schritt zurückgehen.

    Das ist unser Währungsrechner. Und das ist ganz, ganz toll gelaufen. Ich reise viel herum und gebe viel Geld in komischen Rechnungen aus und muss dann zurückkommen und das Geld von meiner Firma irgendwie zurückbekommen. Und deswegen musste ich immer „XE.com“ und andere Währungsrechner benutzen und jedes Mal die Seite neu laden, wenn ich etwas Neues eingegeben habe. Unser Währungsrechner jetzt hier funktioniert mit JavaScript. Ich kann hier die United States-Dollars eingeben und in Euro umrechnen und dann auch einmal schnell zwischen … hin und her switchen. Die Seite wird nicht neu geladen. Das ganze Ding funktioniert mit JavaScript. Das ganze Ding lädt die Daten mit Ajax rein, damit sie immer neu sind. Und das richtig Schöne daran: Es ist vollkommen screenreaderkompatibel, es ist vollkommen Keyboard kompatibel. Und wenn JavaScript aus ist, lädt es die Seite einfach nur neu. Und es ist ein einfaches Formular. Warum hat das funktioniert? Weil der Projektmanager es so wollte? Ne. Weil ein paar Entwickler sich hingesetzt haben: „Das machen wir jetzt einmal richtig.“ Und einer von den Entwicklern war blind. Das macht es natürlich noch einfacher. Kann nicht jeder haben. Und bitte keine … hier nicht irgendwelche … eure Entwickler blenden oder so… Dass ihr einen blinden Entwickler habt oder so. Das wäre nicht gut.

    (Vereinzeltes Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Aber es zeigt einfach, dass so etwas – was jeder meckern würde: „Oh, Ajax laden, Formular, ganz übel“ –, dass so etwas wirklich gut funktionieren kann, wenn die Leute es wirklich richtig machen wollen.

    (Husten im Publikum)

    Chris Heilmann: Anderes Beispiel: Unsere neue Homepage hat kleine Applikationen drin, die man einbinden kann, die man selbst schreiben kann in einer bestimmten Sprache. Und das ist die Facebook-Applikation. Und Facebook hatten wir jedes Jahr auf jeder Web Development-Konferenz und Accessibility-Konferenz, Facebook ist „evil“, weil es vom Screenreader wieder nicht geht, keine richtige Struktur hat, einfach nicht funktioniert für Leute, die blind sind. Innerhalb unserer Homepage ist Facebook jetzt erreichbar für jeden Screenreader. Ist das geil?

    (Vereinzeltes Schmunzeln im Publikum)

    Chris Heilmann: Wenn eure Firma Facebook blockt, könnt ihr es auch in unserer…

    (Stocken)

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Auf unserer Seite ist Facebook und…

    (Lachen und Applaus im Publikum)

    Chris Heilmann: … und es funktioniert wirklich nur, weil Facebook ne API hat. Und das will ich jetzt jedem auch einmal zu bedenken geben: Die Daten, die auf jeder Seite im Internet stehen, sollten zugänglich sein für jeden, um diese Daten zu mischen. Dann bauen wir richtig klasse Sachen. Jedes Mal zu bedenken: „Wir bauen die beste barrierefreie Webseite auf diesem Planeten“, kann nicht funktionieren. Wenn man dagegen die Daten ins Web schmeißt und Leuten erlaubt, diese Daten woanders einzubinden, wie Facebook das hier gemacht hat, können barrierefreien Lösungen gezeigt werden. Und wir haben die an Facebook zurückgeschickt: „Könnt ihr es auch ändern?“ Ob das passieren wird, wissen wir noch nicht. Aber es ist ganz gut, so etwas einmal aufzuzeigen.

    Und wenn so etwas wie kleine Applikationen, die in einer anderen Webseite laufen, Screenreader und Keyboard accessible sind, dann habt ihr keinerlei Entschuldigung mehr, dass eine Hauptnavigation von einer Seite das nicht kann. Und es ist einfach nur, weil die Technik da ist und wir die Technik auch genommen haben und nicht darüber nachgedacht haben, wie kann ich sie verwenden? Nicht so: „Welches Framework will ich verwenden und wie viel CSS-Lines kann ich hineinschreiben?“ Sondern: Was soll das Ding machen und wie machen wir es? So, das Web ist nicht die Seite. Es ist, wie End-User immer unsere Seiten sehen. Dann hat man Entwickler und Entwickler sehen den Source Code. Das ist immer das Schönste: Tolle Website gebastelt, Leute kommen an: „Oh, guck einmal, mein Source Code. Oh, da ist ja ein Ampersand drin, das nicht encoded ist. Du bist ja ein Schwein, du kannst ja überhaupt kein Webdesign.“

    (Vereinzeltes Gelächter im Publikum)

    Chris Heilmann: Und ich habe mich schon lange davon gelöst. Ich habe keine Lust mehr auf Interfaces, ich habe keine Lust mehr auf Source Code, mir da einen zu nerven. Für mich besteht das Web aus leckeren Daten. Ein Süßigkeiten-Shop von Informationen, die ich mit verschiedenen Techniken und ganz einfachen Techniken vermixen, verschieben und zusammenpacken kann. Meine Seite beispielsweise … Ich hab kein CMS dafür. Ich lade meine Präsentationen auf SlideShare hoch, ich lade meine Bilder auf Flickr hoch, ich gehe auf Delicious und habe Videos, wo ich Bookmarks setze, ich gehe auf Delicious, wo ich mein Audiobookmark setze. Und davon erstellt sich meine ganze Seite, mit fünfzehn Lin… mit fünfzehn Zeilen PHP. Und das richtig Geniale an diesem Web der Daten ist, dass ich meine Daten in diese ganzen anderen Seiten reinstelle und dadurch kommen die auf meine Seite zurück und das ist schon einmal für Suchmaschinen gut.

    Außerdem muss ich mich nicht darum kümmern, wie meine Bilder umgerechnet werden, weil Flickr das für mich macht, muss mich nicht darum kümmern, wie meine Videos umgerechnet werden, weil YouTube das für mich macht, muss mich nicht darum kümmern, ob jetzt mein Lebenslauf auf meiner Seite auch up to date ist, weil er mit meiner LinkedIn-Seite zusammengepackt ist. Wenn ich auf LinkedIn gehe, das abändere, ist meine Seite neu. Und genau so sollte man das soziale Netz auch bedenken. Jedes Mal, wenn Leute kommen: „Ah, soziales Netzwerk – oh, schreibst du etwas in Twitter und bist du auch in Facebook?“ Nein, schmeißt eure Daten ins Netz. Nehmt diese ganzen Seiten, verbreitet die Daten, so weit wie ihr könnt und dann bringt sie zurück. Weil, jede dieser Seiten hat auch Kommentare, Tags, Beschreibungen, die wieder zurückkommen und deine Daten besser machen und einfacher verständlich machen. Viele von meinen Bookmarks kriegen Tags in Delicious von anderen Leuten und dann merke ich erst einmal, was ich geschrieben habe oder was ich da …: „Hey, das ist ja noch ein Keyword, das ich da einbinden kann!“ Und so etwas wie die Yahoo!-Homepage und so etwas wie der Währungsrechner passieren wirklich nur, weil die richtigen Leute daran arbeiten. Das sind Entwickler, die auf der Homepage gearbeitet haben und die auch … Manche von denen kennt ihr wahrscheinlich auch: Das ist Andy Phillipo, Artur Ortega, Dirk Ginader oben dran, unsere Amerikaner und andere Engländer. Und warum können sie das? Weil sie absolut wahnsinnig gute Entwickler sind? Weil wir die besten Entwickler der Welt einladen? Zum Teil.

    Aber hauptsächlich ist es Leidenschaft und Talent. Und darauf geht’s. Wenn ich keine Leidenschaft für Barrierefreiheit habe, kann ich so talentiert sein, wie ich will: Ich werde niemals eine barrierefreie Lösung machen. Wenn ich kein Talent habe, kann ich keine barrierefreie Lösung machen, egal, wie groß meine Leidenschaft ist, was leider oft genug passiert. Leidenschaft entsteht durch Interesse und positive Erfahrungen. Und das ist eigentlich auch ganz wichtig. Und die positiven Erfahrungen mit Barrierefreiheit sind ganz, ganz selten. Weil meistens sind wir die Meckerer in der Ecke und sagen: „Oh, das ist schlecht. Das ist schlecht. Das ist schlecht.“ Nicht so: „Das ist gut. Das könnte besser werden.“ Da wir in Wien sind, habe ich gedacht, ich nehme einmal den Falco mit hinein. Womit spielen kleine Mädchen heute hier und dort und da? Mit dem iPhone natürlich.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: iPhone ist derzeit wohl das Genialste, was man als Entwickler haben und als Entwickler für entwickeln kann. Entwickeln …

    (Schmunzeln)

    Chris Heilmann: … entwickeln kann. Und es ist einfach eine klasse Plattform, leider total geschlossen. Man kann HTML, CSS und JavaScript und sonst etwas verwenden, aber man macht halt wahnsinnig viel Geld als Entwickler, wenn man eine kleine Applikation schreibt, die derzeit Leute auf ihrem iPhone herunterladen können, um sie dann zehn Minuten später wieder zu vergessen. Und dann war eben die große Meckerei: „iPhone Touch Interface, kein Blinder kann das benutzen. Schweinerei. Was kann man da machen?“ Und jetzt hat Tomas ja schon gemeckert. Marco Zehe hat im Blog… im Blog-Post hier… wie er erklärt, wie er sein iPhone als blinder Mensch benutzt und es wunderbar funktioniert. Und es liegt daran, dass das iPhone genauso wie OS X und andere Mac-Maschinen eben von Anfang an mit einem Screenreader schon kommen. Und beim installieren von OS X fragt es mich: „Brauchen Sie einen Screenreader? Wollen Sie die Sachen hören?“ Als Audio, wenn ich das Ding installiere. Ich war kürzlich … habe ich ja … Accessibility 2.0 die Keynote gehalten, das war im Microsoft-Gebäude. Da habe ich dann gesagt: Wenn 2009 ne’ Firma ein neues Operation-System herausbringen sollte, wäre vielleicht ein kostenloses Screening eine gute Idee. Schönes Gebäude auch: Kam nicht so gut an. Aber, na ja, was soll man machen?

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Jedenfalls: Wer einen Mac hat, einmal Voice-Over ausprobieren. Und wer einen PC hat, NVDA herunterladen, das Beste, was man derzeit machen kann, weil es ist „freedom“ und nicht „scientific“ und es ist wirklich gut auch für ARIA- und WAI-Unterstützung. Jetzt was Schönes mit diesen Applikationen auf einem iPhone. Viele Leute machen Spielereien, machen totalen Unfug damit. Aber ich habe auch ein paar Sachen gefunden, die wirklich interessant sind, beispielsweise SoundAMP: SoundAMP ist eine Applikation, die eigentlich ein kleines Hörgerät ist. Also, der hat heraus-… der hat gemerkt, dass das iPhone ein Mikrofon hat und einen Kopfhörer. Warum kann ich nicht im Mikrofon aufnehmen, was ich höre, verstärke es und gebe es im Kopfhörer wieder aus? Natürlich ist es keine volle Lösung: Das ist kein Hörgerät. Aber es ist schön, dass jemand so etwas gebastelt hat. Und wenn wir jetzt die Meckerer in der Ecke wären, würden wir sagen: „Ja, Spielerei, braucht niemand. Ist nicht wirklich gut für Gehörlose, bla, kann man bessere Sachen machen.“ Aber anstatt dessen sollte jeder von uns den Mann anmailen und sagen: „Schöne Idee, hier ist es, wie man es besser machen kann. Klasse Idee, danke dass Sie an Gehörlose gedacht haben, obwohl Sie eine Applikation gebaut haben für das iPhone, wo man dann mit – keine Ahnung –, mit etwas Hin- und Herschmeißen auch einmal dreihundert Dollar machen kann.“ Dafür kann man weniger Geld machen, aber es zeigt, dass diese Plattform auch Möglichkeiten hat, barrierefrei Lösungen zu bringen, weil es eben einen Eingang und einen Ausgang hat. Und kein anderer hat das Mikrofon benutzt bisher. Und es war ganz witzig, das zu sehen. Andere interessante Sache ist iSign, was ein Schulungsprogramm für amerikanische Gebärdensprache ist für das iPhone. Das kann man dann … Das ist auch ein bisschen dämlich, denn für Gebärdensprache braucht man zwei Hände und wenn ich mein Handy in der Hand habe, wird es ein bisschen schwierig.

    (Schmunzeln im Publikum)

    Chris Heilmann: Aber es ist schön, dass jemand daran gedacht hat. Dass jemand gedacht hat: „Pass auf, Leute sind unterwegs mit ihrem iPhone, vielleicht wollen sie da Gebärdensprache damit lernen.“ Und es ist ja auch gut, weil das haben wir immer dabei. Da müssen wir uns nicht mit dem Computer hinsetzen und so weiter und so fort. Ich war auf dem iPhoneDevCamp in San Francisco, wo eben wir Entwickler eingeladen haben, für das iPhone etwas zu basteln. Ja, wo die iPhone-Leute also eingeladen haben und wir haben nur unser Büro gegeben. Und jeder hat diese lustigen, spaßigen… „Oh, guck einmal, ich habe eine Website aufs iPhone geschmissen, guck einmal, wie toll ich bin.“ Einer von unseren Designern war sehr interessant, weil der hat ein Interface gebastelt, das heißt „Senyala“. Und das ist ein Experiment auf dem iPhone, das keinerlei Interface hat, sondern nur das Interface benutzt, dass Leute einfache Gesten benutzen können auf dem Interface, um Sätze zu schreiben, sozusagen „I’m okay“, „Where is my hotel?“, „Please don’t touch me there“, solche Sachen.

    (Vereinzeltes Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Und gleichzeitig haben sie das auch dann in verschiedenen Sprachen herausgebracht. Ich könnte jetzt mit diesem Programm mit einem richtigen Datensatz … kann ich jetzt in Taiwan beispielsweise ins Taxi gehen und kann sagen: „Bring mich zurück zum Hotel“, und dann den Hotelnamen, ohne dass ich sage, dass seine Mutter Hundewasser ist, weil ich die Sprache nicht wirklich kann, sondern weil es von vornherein eingestellt ist. Und das ist einfach genial, dass jemand so ein Interface nimmt wie das iPhone, wo jeder sagt: „Boh, genial, Touch Interface. Weißt du etwas, wir geben dem Ding nichts Grafisches, wir nehmen es nur als Input-Element.“ Und das ist die Innovation, die derzeit mich vorantreibt, wo ich sagen muss: „Das ist schön, das ist wunderbar.“ Hören wir so etwas auf barrierefreien Konferenzen? Nein, nicht wirklich. Weil wir doch immer darüber meckern, wo jetzt der Alt-Text hingehört, ob jetzt ein H1 oder fünf da sind. Nokia hat das Gleiche gemacht und die haben einen Braille Reader für das Mobil Phone entwickelt, der in verschiedener Art und Weise vibriert, wenn man über die Knöpfe oder über die leeren Knöpfe geht. Was ganz wichtig ist, wenn man eine SMS in zweiundzwanzig Minuten lesen will.

    (Einzelnes Lachen und Zustimmung im Publikum)

    Chris Heilmann: Aber, wieder einmal: Man kann das sagen. Man kann aber auch zu Nokia gehen und sagen: „Jungs, schöne Idee.“ Jedenfalls erfahren Leute damit, dass Braille vielleicht doch noch eine wichtige Sache ist. Und dass man auch vielleicht etwas damit machen kann: „Und jetzt zeigen wir euch einmal, wie wir euch helfen können, das Ganze besser zu machen.“ Ein schönes Beispiel: Kaffeemaschinen in unserem Büro. Wir haben neue Kaffeemaschinen bekommen. Artur, unser blinder Entwickler, läuft herum mit seinen Braille-Aufklebern und macht überall seine Braille-Aufkleber neben dran, dass er weiß, welcher Kaffee wo ist bei welcher Taste. Und es sind echt so Sensor-Tasten. Unsere… die Leute, die das Büro machen, sagen: „Okay, das ist ja klasse, das machen wir schlauer“, und haben dann Braille-Aufkleber gedruckt, die durchsichtig sind und haben die auf die Knöpfe geklebt. Was ja auch noch fast schöner ist. Wenn die Knöpfe nicht so sensitiv wären, dass du, sobald du anfängst, das Braille zu lesen, deinen Kaffee dir holst.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Außerdem war die Kaffeemaschine in so einem Winkel, dass jetzt niemand mehr lesen kann, was hinter diesen Aufklebern steht, weil die Braille-Knöpfe die Lampe reflektieren. Also, wir haben es jetzt barrierefrei gemacht und dadurch nicht zugänglich für alle.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Andere Beispiele: Top Trumps, diese Quartett-Karten – so „Mein Laster ist so schwer und hat so viele Reifen“ und so weiter und so fort – gibt es jetzt in Amerika oder auch in England kann man sie schon kaufen. Die haben diese Two-D-Barcodes unten dran, diese 2D-Barcodes (deutsche Aussprache). Und Kinder können im Internet mit einer Webcam diese Bilder einscannen und sehen dann 3D-Animationen von diesen Karten, so, so Transformers und Autos und sehen das Ganze dann und können auch Quizze damit eingeben und auch miteinander kommunizieren und miteinander Quartett spielen über das Internet. Nehmen wir jetzt diese Karten und würden daraus Sätze basteln, könnten Leute beispielsweise mit … Autisten könnten damit beispielsweise kommunizieren auch übers Web, wenn sie nicht sprechen wollen in dem Moment. Oder Menschen, die die Sprache nicht sprechen, können wenigstens ein paar Sätze zusammen miteinander reden. Wenn man die Sprache auf einfache… zusammen… auf einfache Sätze zusammenfügt, kann man schon einmal etwas anfangen damit.

    Also, die Technik, eine Webkamera nicht nur als, nicht nur zum Flirten zu benutzen, sondern auch als Eingabeformat zu nehmen, ist wirklich, wirklich praktisch. Eine andere Sache, die mich richtig freut derzeit, ist Augmented Reality. Augmented Reality bedeutet, dass ich auf einem Video, auf einer Videoaufnahme Daten überlagere in Echtzeit. Das heißt, oben, oben links ist eine iPhone-Applikation, die in England funktioniert, bei der ich einfach in eine Straße gehen kann, die Straße filmen kann: Es zeigt mir, in welchem Abstand welche U-Bahn-Station ist, welche Linie kommen wird zu welcher Zeit. Und ich kann dann zu meiner U-Bahn-Station laufen, indem ich einfach mein iPhone angucke. Das andere unten dran ist eine Immobilienfirma in Frankfurt, die es genauso macht. Da kann man durch die Stadt laufen und mit einem Google Phone eben filmen und sieht dann, wo die nächsten Gebäude sind, die diese Immobilienfirma anbietet für wie viel Geld. Dass man jetzt einmal schnell sagt: „Kaufe ich jetzt einmal schnell.“ Nein, wenn man es angucken will. Und das ist derzeit das Größte, was du machen kannst.

    Augmented Reality ist absolut genial. In London … in Liverpool hat die BBC einen Großbildschirm auf dem Marktplatz aufgestellt, der eine Live-Kamera hat von allen Leuten, die auf den Marktplatz laufen, und da ist dann so eine Hand, die Leute kitzelt oder auch einmal aus dem Bild herausholt oder draufdrückt, dass sie kleiner sind und wieder größer werden – totale Spielerei, aber wunderschöne Technologie. Und mit dem „Wo bin ich?“ und „Wie kann ich das Ganze sehen?“ ist das Neueste, was ich an Mobile Phones machen kann, an Handys. Ich weiß, wo ich bin, ich kann damit die Daten bekommen. Und das gab es schon einmal. Und zwar ist es diese… der Maestro von HumanWare Canada. Und das ist ein „GPS receiver“ für blinde Menschen, die ihm sagen, auf welcher Straße sie gerade laufen, welche Straße kommen wird, an welcher Hausnummer sie gerade dran vorbeilaufen, wo der nächste Park ist und so weiter und so fort. Daten, die ich als sehender Mensch nicht weiß, weil meistens die Straßenschilder von irgendetwas verdeckt sind, aber die in diesem Prog… die in diesem Teil schon drin sind. Einziges Problem: 1350 Dollar. Weil es dann doch weniger Leute gekauft haben als ein iPhone.

    Aber es ist ganz schön, dass solche Sachen in der Barrierefreiheit-Welt schon vor vier Jahren da waren und die Mobilfunk- oder die Handywelt jetzt gerade anfängt, solche Sachen zu basteln. Und das wäre so ein Weg in … ein Weg in … das wäre so ein „Way in“ für uns, einfach zu sagen: „Jungs, schauen wir einmal, was wir gemacht haben, und ihr macht es jetzt. Können wir einmal zusammen reden über Technologien?“ Anstatt zu sagen: “Schreibt doch einmal gescheite Texte.“ Weil die sind Entwickler, die wollen keine gescheiten Texte schreiben. (…) Menschen wollen Spaß. Und das ist es, was wir meistens vergessen, wenn wir anfangen mit „Oh ja, ihr müsst es ja barrierefrei machen.“ VW in Schweden hat das in einer U-Bahn-Station gemacht. Die haben eine Treppe durch ein riesiges Piano ersetzt. Jede Stufe macht einen anderen Ton. Und das ist direkt neben der Rolltreppe. Und nach einem Tag haben sechzig Prozent mehr Leute die Treppe benutzt anstatt die Rolltreppe, weil sie einfach so viel Spaß hatten daran, es zu machen. Das Gleiche haben sie jetzt auch gemacht mit Mülltonnen im Park. Wenn man etwas reinschmeißt, gibt es den Sound von Wiley E. Coyote, von Road Runner …

    (Lautmalerisches Nachahmen eines sirenenhaft fallenden Tons und eines dumpfen Aufschlags)

    (Lachen des Publikums)

    Chris Heilmann: Und sie haben mehr Müll an einem Tag gesammelt als sonst in einer Woche, den sie nicht mehr aufheben mussten. Und das sollten wir bedenken: Wenn wir Leuten Barrierefreiheit bringen, das bringt Spaß, das bringt Interesse auf. Und nicht so: „Oh, mach’ das jetzt!“ Menschen sind auch hilfreich. Das ist Tweenbots. Tweenbots war ein Experiment. In der Universität in Washington hat jemand versucht, einen Roboter zu bauen, der durch einen Park durchgeht, durch Laserabtastungen und allem drum und dran, der ohne irgendeine Hilfe durch den Park durchkommt. Und das Ding hat es, glaube ich, in drei Stunden geschafft oder so. Und ein Kunststudent aus derselben Universität hat dann diesen kleinen Roboter gebaut, der in einer vorgefertigten Richtung und vorgefertigten Geschwindigkeit einfach nur läuft. Und er hat einen kleinen Smiley drauf und er hat eine Fahne dran, wo drauf stand: „Bitte bring’ mich zum Südende des Parks.“ Dieser Roboter hat es in einer halben Stunde geschafft.

    Chris Heilmann zu Beginn seines Vortrags

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Weil jedes Mal, wenn der stecken geblieben ist, hat jemand dem geholfen. Und da gibt es ein wunderschönes Video, wie Leute an diesem Roboter… wie sie mit ihm interagieren und sagen: „Don’t go there! That’s, where the street is.“

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Also, es ist eine Pappschachtel mit einem Smiley drauf!

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Aber es ist einfach… Emotionen, Emotionen … Leute aus ihrem aus ihrem Es gibt diese Uncanny Valley: Immer, wenn ich was Technisches mache, was so halb menschlich aussieht, aber nicht wirklich, sagen die Leute: „Hä, hä! Das ist nicht so toll!“ Aber wenn es so ein kleiner Roboter mit einem Smiley drauf ist: „Och, dem Ding helfe ich jetzt einmal, hier weiterzugehen.“ Und das war ein wunderschönes Experiment. Und das geht hauptsächlich darum, Gemütlichkeit und Wohlfühlen beim Menschen zu bringen. Weil, nur wenn wir uns sicher fühlen, wenn wir uns wohl fühlen, können wir lernen. Wenn ich in einem Kurs sitze, wo der Stuhl arschkalt ist und richtig hart ist, und ich sitze da: Dann lerne ich auch nichts. Wenn ich mich zurücklehnen kann und sagen kann: „Okay, jetzt gib mir einmal deine Informationen.“ Dann kann ich die auch aufnehmen. Und deswegen ist es eigentlich ganz wichtig, dass wir aus dieser Technikecke ein bisschen herausgehen und schauen, wo Leute Informationen benutzen. Und das ist ein ganz neues Ding, das … ja, nicht neu … aber das ist ein Ding, das immer größer auch werden wird. Und zwar ist das Reichweite. Und Reichweite erreicht man durch „Fernseher“.

    (Starke Betonung des Wortes und zeitliche Dehnung beim Aussprechen)

    Chris Heilmann: Ich kann jetzt vorhersehen, dass in den nächsten paar Jahren immer mehr Internetprogramme auf den „Fernseher“ kommen werden, weil Leute den schon benutzen. Und … blöd genug, den zu benutzen… sogar so Sachen wie – was weiß ich – „Big Brother“ angucken und sonst etwas und ihre Zeit damit verschwenden. Aber die Leute benutzen den Fernseher und haben keine Angst vorm Fernseher. Vor einer Tastatur, vor einem Rechner, vor einem Laptop haben Leute dann doch noch ein bisschen Angst. Während der Fernseher, der ist täglich da, der übernimmt meinen Tag sowieso: Dann benutze ich den weiter. Bestes Beispiel: Nintendo Wii. Nintendo Wii war eine neue Konsole, die auf den Markt gekommen ist, sah total albern aus. Die Spiele: eigentlich schlechte Qualität gemessen an den anderen Konsolen, die schon auf dem Markt waren. Und ich musste in England drei Wochen warten, bis ich die erste „Wii“ kaufen konnte, weil sie alle ausverkauft waren in den ersten zwei Tagen. Weil es einfach wahnsinnig Spaß macht, mit einer „Wii“ zu spielen, anstatt irgendwelche Knöpfchen zu drücken oder an einer Tastatur zu schreiben oder einen Joystick zu bewegen. Wenn ich einen Tennisschläger … wenn ich einen Ball schlagen will, bewege ich die Fernbedienung. Und ich bewege mich dabei. Ich benutze das, was ich als Mensch natürlich benutze, und benutze damit einen Computer. Und auf einmal ist dieses ganze „Ah-ich-will-keinen-Computer-Anfassen“ … wird um einiges einfacher. Ich gehe zurück auf den Mensch, ich gehe zurück auf eine Bewegung, die auch Leute mit Behinderungen machen könnten beispielsweise.

    Schönes Beispiel: Ein Video auf YouTube, wo sie einfach eine „Wii“ in ein Zimmer gestellt haben und ältere Leute einfach hereinliefen und nichts erklärt haben. Und innerhalb von zwei, drei Minuten haben die alle das Spielen angefangen, hatten richtig Spaß dabei. Und wenn ich meinen Eltern eine Computerkonsole erklären wollte wie „Komm’, jetzt spielen wir ein Spiel zusammen“: „Nein.“ Aber das war einfach zu erklären: „Komm’, spiel’ einmal Tennis hier mit mir!“ „Kein Problem.“ Und was jetzt in Amerika viel gemacht wird mit „Wiis“, dass sie in Altersheimen oder Pensionistenheimen, wie das hier genannt wird, eingeführt werden, damit die Leute sich wenigstens ein bisschen bewegen und nicht nur vor dem Fernseher hinvegetieren. Und wenn man dies dann anguckt und diese Fotos sieht: Wenn irgendeine Software, die ich schreibe, jemals solche Effekte hat, dann bin ich richtig glücklich.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Das sind Fotos hier von … von Pens… von alten Menschen in Altersheimen, die wirklich abgehen wie Schmidts Katze auf Wii-Playing. Und es ist einfach wunder-, wunderschön, das zu sehen, diese Freude auf dem Gesicht zu sehen und zu sagen: „Guck einmal, wir spielen jetzt hier mit einer ‚Wii’.“ Anstatt zu sagen: „Oh, ich muss jetzt ein ‚X’ drücken und dann herauf- und heruntergehen.“ Das geht so weit, dass ein Krankenhaus in Los… in San Francisco die gesamte Reha-Abteilung für Leute, die Arme gebrochen haben und sonst etwas, durch „Wii‘s“ ersetzt haben und nennen das „Wiihab“.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Und die normalen Geräte, mit denen du deinen Arm bewegt hast … Sie haben an die sechstausend Dollar gekostet. Die Wii kostet zweihundert Dollar …

    (Kürzere Pause, Hüsteln im Publikum)

    Chris Heilmann: … und kann auch immer wieder einmal ausgetauscht werden, ohne dass sie jetzt geölt werden muss und sonst etwas. Und es funktioniert wunderbar. Und jeder hat hier schon gezeigt, dass mein Easy-YouTube eine tolle Idee war, dass ich endlich YouTube zugänglich gemacht habe für Keyboard-Nutzer und für blinde Menschen und sonst etwas. YouTube hat ein „Wii“-Interface, das so aussieht. Und das ist „YouTube.com/xl“, habe ich auch noch nichts von gewusst, hat mir jemand auf Twitter geschrieben. Und das ist Keyboard accessible, ist einfach zu bedienen, ist um einiges einfacher als das normale YouTube-Interface. Und das sollte man bedenken. Es wurde für die „Wii“ gemacht, weil es ein anderes Eingabeformat war. Und ein anderes Eingabeformat bedeutet, dass Leute Software umschreiben müssen und anders schreiben müssen. Ich arbeite derzeit an den „Widgets“, die wir für Fernseher haben, auch in Yahoo!. Wir bauen jetzt viel mehr Sachen für Fernseher, die… wo ich dann auch meine Flickr-Fotos im Fernsehen angucken könnte beispielsweise und warum nicht mit einer Wii-Mode, kann man auch anschließen dann. Und das ist einfach so eine Sache, wo man darüber nachdenken müsste: „Zurück zum Menschen.“ Was wir auch brauchen, ist mehr Geduld mit den Entwicklern und Designern. Es geht ja immer: „Oh, die hören mir nicht zu, die hören mir noch einmal nicht zu. Bäh!“ (…) Wer schult, wer Leuten etwas beibringen will, muss aus seiner eigenen Welt heraus, muss ein bisschen etwas von sich weggeben und sagen: „Pass auf, ich erkläre es dir fünf Mal, auch wenn du zu dämlich erscheinst, das zu verstehen.“ Es geht einfach darum: „Im Endeffekt will ich dir das beibringen.“ Das absolute Hammerbeispiel: Das ist Anne Sullivan, die Lehrerin, die der blinden und gehörlosen Helen Keller sprechen beigebracht hat. Und sie hat ihr Sprechen beigebracht, indem sie ihr erlaubt hat, ihre Nase, ihren Mund und ihren Adamsapfel – Moment, nicht bei einer Frau, halt – …

    Person aus dem Publikum: Ihren Kehlkopf.

    Chris Heilmann: … den Hals zu betasten und diese Muskelbewegungen nachzuahmen. Ja, als Geek sage ich jetzt: „Walk in mind melt“, kein Problem, nicht? Kam ja schon von „Star Trek“: einfach „My mind to your mind.”

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Aber, ich würde mich da nicht glücklich fühlen. Wenn jemand mir einen halben Tag da im Gesicht herumfummelt. Aber dies… Sie wollte halt wirklich sagen, ich will ein exzellentes Ergebnis haben. Ich will zeigen, dass ein Mensch, der nicht sehen und nicht sprechen kann, sprechen lernen kann. Und da musste sie aus der eigenen Sicherheitszone heraus und musste sagen: „Okay, ich bringe ihr das jetzt so bei.“ Und das Ende des Videos zeigt… ist eben Helen Keller da und sagt jetzt: „Ich kann jetzt sprechen.“ Und das ist einfach ein wunderschöner Moment in diesem Video. Und das ist halt auch klasse, dass YouTube, das sonst ja nur voller pinkelnder Affen oder sonst etwas ist, eben auch solche Videos drin hat. Und es ist einfach nur schön, so etwas nachzugucken, wenn man auch einmal mit Managern spricht und sagt: „So, okay, Schulung: Hier ist etwas, was Leute gemacht haben, was für Ergebnisse sie hatten. Vielleicht sollten wir ein bisschen mehr Geld für Schulungen ausgeben in dieser Firma auch, kann ja nur ‚for’ sein.“ Andere Sache ist immer Integration: „Oh, Menschen wollen keine Behinderten integrieren, das ist total schwierig.“ Wunderschönes Beispiel: Auf einem Cannibal Corpse-Konzert in Amerika, einer Death Metal-Band…

    Chris Heilmann: … Cannibal Corpse (lautmalerisches Nachahmen des martialischen Gesangs)…

    Chris Heilmann: … war dieser Typ im Elektrorollstuhl großer Fan von der Band und hat da seine Kreisel gedreht und „abgemoscht“. Und jeder denkt sich: „Oh, mein Gott, diese Metall-Typen, die hauen ihm eine rein oder sonst etwas, und geh’ einmal aus dem Weg hier.“ Fünf Minuten später schleppen die den schweren Elektrorollstuhl, tragen ihn auf die Bühne, geben ihm einen Wikingerhelm, dass er neben der Band sitzen kann im letzten Lied und das letzte Lied zusammen mit der Band spielen kann. Und wenn irgendwelche langhaarigen Metall-Typen keine Probleme mit Rollstuhlfahrern haben, dann weiß ich echt nicht, warum Stadtverwaltungen das noch haben.

    (Schmunzeln und Applaus im Publikum)

    Chris Heilmann: Das Problem mit Barrierefreiheit … Wir versuchen es immer Leuten …: „Du musst Barrierefreiheit machen. Das ist das Gesetz. Und, ah, ja!“ Barrierefreiheit darf einfach kein Zwang sein. Wir können Leute nicht zwingen, Barrierefreiheit zu machen. Wir können nicht von der Kanzel oben sagen: „Oh, du musst jetzt barrierefrei sein.“ Das funktioniert einfach nicht. Weil damit … Jedes Mal, wenn ich jemandem etwas aufzwingen will, kommt etwas zurück. Und das Erste, was zurückkommt: „Was willst du von mir?“ Nicht so: „Hey, guck einmal: Wenn wir das machen, machen wir Leute so glücklich.“ „Oh, geil, machen wir das einmal.“ Also, Barrierefreiheit muss um einiges mehr menschlich werden und unter die Haut gehen. Wir müssen mehr Geschichten erzählen über Sachen, die einfach schön sind. Wie diese alten Leute mit der „Wii“. Das ist einfach, schöne Fotos jemandem zu zeigen, so: „Wow! Das ist neueste Technologie, die funktioniert.“ Die Handys, das ist neue Technologie, die jetzt mir erlaubt, auch etwas zu sehen. Ein Blinder kann das iPhone benutzen. Wirklich? Das hier ist auch ein Ding, dass Leute sich kleine Plastikkugeln unter der Haut einsetzen, um Braille-Tattoos zu haben.

    (Leichtes Raunen beziehungsweise Räuspern im Publikum)

    Chris Heilmann: Jetzt beispielsweise: Das war die Ehefrau von einem blinden Mann, die den Namen von ihrem Mann auf ihrem Arm hatte, dass er den abtasten kann und sagen kann: „Das ist meine Frau.“ Ne …

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: … dass er einfach sagen kann: „Sie hat meinen Namen und sie liebt mich so weit, dass sie jetzt die Knöpfchen drunter hat.“ Und das ist einfach genial, dass so Body-Modification, wo du sonst nur irgendwelche Piercings machst, auf einmal an Braille denkt. Das finde ich einfach eine schöne Idee. Also, wir müssen einmal aufhören, die Schuld zu suchen, sondern wir müssen inspirieren, Gutes zu tun.

    (Lachen im Publikum)

    Chris Heilmann: Es ist einfach Zeit, dass wir sagen: „So, es gibt keine Schuld für nicht-barrierefreie Sachen. Es gibt einfach schlechte Lösungen.“ Und es gibt schlechte Lösungen, weil niemand jemand anderen inspiriert hat, die richtige Lösung zu machen. Diese Zeitschrift „Meine Schuld“ gibt es wirklich …

    (Lachen des Vortragenden)

    Chris Heilmann: … Hammer. Und … Ja, das ist alles, worüber ich sprechen wollte. Danke schön.

    (Applaus)

    Moderation Eric Eggert: Ich bedanke mich auch. Viel besser hätten wir die Zeit nicht herumkriegen können.

    (Lachen im Publikum)

    Moderation Eric Eggert: Okay. Fragen?

    (Pause)

    Moderation Eric Eggert: Frage?

    Chris Heilmann: Saufen?

    (Lachen des Moderators)

    Chris Heilmann: Ah! Eine Frage in der Mitte.

    Moderation Eric Eggert: Eine Frage in der Mitte.

    Chris Heilmann: Warum ist eigentlich da der Stuhl da in der Mitte? Das habe ich vorhin schon gedacht. Das ist nicht barrierefrei, der Raum.

    Person aus dem Publikum: Ich wollte eigentlich bloß wissen, wem dieser Foto gehört, die hier die ganze Zeit herumgegangen ist und jetzt bei mir ist?

    Chris Heilmann: Das ist meiner.

    Person aus dem Publikum: Okay, ich bringe ihn dann gleich vor.

    Chris Heilmann: Okay, keine Fragen, keine Inspiration, alles Scheiße, gehen wir trinken.

    (Lachen im Publikum und des Interviewers)

    Chris Heilmann: Eine?

    Person aus dem Publikum: Jürgen Rogner, „Artefakt“. Ich wollte nur anmerken, dass das für mich ein wunderschöner Abschluss dieses Veranstaltungstages war, nämlich positive Beispiele im Gegensatz zu den, jo, doch sehr häufigen Negativ-Beispielen, die wir untertags gehört haben. Besten Dank!

    Chris Heilmann: Bitte schön.

    (Applaus)

    Moderation Eric Eggert: Okay, vielen Dank. Dann würde ich gern noch Eva Papst bitten, kurz ein paar Abschlussworte zu sagen.

    (Pause)

    Moderation Eric Eggert: Das kannst du auch von hier aus machen.

    Eva Papst: Ja, gib mir das Ding einfach. Also, eigentlich gibt’s nicht mehr viel zu sagen. Ich glaube, es war wirklich ein bravuröser Abschluss. Ich sage einfach nur noch „Danke“. „Danke“ an euch Gäste, die ihr gekommen seid. „Danke“ an die Referenten, die uns heute so viel auf den Weg mitgegeben haben. „Danke“: die Sponsoren, die dies ermöglicht haben. „Danke“: das Team. Und ich klaue mir jetzt einfach noch einen Satz vom Chris Heilmann vom letzten Jahr: „Hebt’s eure Hintern, geht’s raus und erzählt’s, wie toll ‚Accessibility’ ist.“

    (Applaus)

    Bilder von Karola Riegler. Intro von Derek K. Miller.

Der A-Tag ’09 ist eine Veranstaltung von accessible media. A-Tag 2008