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Barrierefreiheit zum Anfassen
05.11.2010, 10:35–11:10 Uhr, Raum 1In diesem Vortrag zeigt Marco Zehe Ansätze von Inclusive Design am Beispiel der mobilen Apple-Produkte iPhone und iPad. Er gibt weiterhin einen Überblick darüber, welche inkludierenden Lösungen es auch für andere Plattformen im Open-Source-Bereich gibt und erläutert die dazu passende Strategie der Mozilla Foundation.
Unterlagen
Transkription:
Klaus Miesenberger: Ich darf in der Zwischenzeit gleich Herrn Marco Zehe vorstellen. Barrierefreiheit zum Anfassen wird Herr Zehe uns präsentieren. Jahrgang 1973, Hochrechnung auf das Alter überlasse ich den einzelnen. Er arbeitete jahrelang bei der Firma Freedom Scientific im Bereich des Supports des Screenreaders JAWS, der sicher bekannt ist. Er berät heute Firmen in der Umsetzung von zugänglichen Desktopanwendungen, arbeitet für die Mozilla Corporation als Qualitätsbeauftragter für Barrierefreiheit im Webbrowser Firefox und andere mozillabasierte Produkten und er berät Webentwickler in Barrierefreiheitsfragen speziell im Bereich WAI-ARIA. Und jetzt hoffen wir, dass die Technik gleich funktioniert und dann kann ich an Herrn Marco Zehe übergeben.
Marco Zehe: So, einen schönen guten Morgen zusammen. Habt Ihr Bild? [Publikum: Ja.] Moment, dann mache ich mal alle anderen Fenster weg.
Kleine Premiere heute, weil ich nämlich das erste Mal eine Präsentation mit Keynote erstellt habe und festgestellt habe, dass das alles wesentlich weniger oder sich überhaupt nicht so nach Baustelle anfühlt wie das unter Windows häufig der Fall ist leider mit JAWS und Powerpoint. Ja wie schon gesagt wurde, früher habe ich bei Freedom Scientific gearbeitet, ich kenn also diese Screenreaderwelt irgendwie ziemlich in- und auswendig und heute arbeite ich viel, ja, weitreichender für Mozilla, die Mozilla Corporation. Und hier geht’s jetzt also hauptsächlich aber um einen Überblick über das, was so im Bereich Barrierefreiheit an, ja, Möglichkeiten da ist, an Ansätzen da ist von früher und von heute vor allem und da hauptsächlich um die Barrierefreiheit zum Anfassen, die nämlich vom vornherein zum Anfassen gemacht ist, nämlich die von Apple.
Geht also los.
Präsentiert mobile Barrierefreiheit: Marco Zehe betont die Errungenschaften durch das iPhone für Blinde Ganz zu Anfang war DOS und ganz frühe Windows-Geschichten ohne irgendwelche definierten APIs und dann kam später Microsoft und hat die erste Schnittstelle entwickelt, die nannte sich Microsoft Active Accessibility, hatte furchtbar viele Lücken, aber sie hat auch einiges Gutes bewirken können zumindest schon mal und die Lücken wurden dann aufgefüllt mit etwas, das sich IAccessible2 schimpft, das wir unter anderem in Firefox sehr intensiv verwenden, mit dem NVDA sehr viel zusammenarbeiten und einige andere auch, inzwischen sich daran hängen, unter anderem auch als neuestes Beispiel Adobe, das ist endlich mal was richtig Sinnvolles.
Und im mobilen Bereich gibt es ja seit mehreren Jahren, noch nicht lange, noch nicht so lange wie die Barrierefreiheit auf PC, aber auch seit einigen Jahren Ansätze auf Symbian-Handys und auf Windows Mobile-Plattformen, aber alles eher so Stückwerk, da muss also immer sich ordentlich reingehängt werden überall und nirgendwo und wo man vielleicht auch am besten nicht hinkuckt wie sie’s machen, weil das wohl alles ziemlich grauselig ist, teilweise läuft es auch nicht so wirklich stabil, wobei es auf Symbian besser läuft als auf Windows.
Und ganz wichtige Info für alle, Windows Phone 7 geht zurzeit gar nicht, da hat Microsoft alles dicht gemacht. Da ist es also auch so weit, dass also einer der Hersteller dieser Software namens Code Factory, die stellen den Screenreader Mobile Speak her, einen sehr guten, sehr offensiven Blogbeitrag dazu geschrieben haben, wo sie sagen, wir können da im Moment nichts anbieten, Microsoft hat da sämtliche Schotten dicht gemacht. Microsoft bietet aber auch nichts Eigenes, also sie haben die Barrierefreiheit, die bisher möglich war, auch wenn sie mit ziemlichen Klimmzügen behaftet war, weggenommen und macht jetzt also die Schotten ganz dicht und da geht gornix im Moment wie man bei uns in Norddeutschland so schön sagt.
Andere Plattform, Linux, quasi inklusiv in dem Sinne, dass also der Gnome-Desktop, eine der unter Linux verwendeten graphischen Benutzeroberflächen, einen Screenreader, eine Vergrößerung und auch extensive Braille-Unterstützung mitbringt. Aber das alles ist leider relativ klimmzughaft, also alleine um zum Beispiel so eine Ubuntu-Installation sprechend zu kriegen muss man immer noch recht viele Tastendrücke im Blindflug durchführen, bevor es dann tatsächlich funktioniert und dann muss man immer noch beten, dass die Soundkarte auch erkannt wird.
Auf neueren Rechnern mit neuen Distributionen ist das manchmal ja doch fraglich, auf neuen Distributionen der älteren Rechner geht’s dann meistens.
Also ich hab da aber auch schon teilweise Stunden mit verbracht, Leute, die mich auf Twitter lesen wissen das auch, dass ich da öfter dabei schon irgendwie geflucht, gefragt, sonst was habe, wenn ich mal wieder irgendwie ne Linux-Distribution nicht zum Sprechen brachte und sie eigentlich installieren wollte. Es ist aber insofern wirklich inklusiv als das wirklich Ubuntu oder Debian oder ähnliche Distributionen, die den Gnome-Desktop mitliefern, viele dieser Barrierefreiheitstechnologien schon von Anfang an an Bord haben mit Firefox als Webbrowser, der unterstützt wird mit Open Office als Officeanwendung und so weiter.
Also es ist schon sehr nahe dran an wirklich inklusivem Design und bis Apple dann auf der Bildfläche erschien, das einzige was wir hatten. Ja und dann kam Apple und sagte sich, wir nehmen uns ein bisschen Zeit, wir erscheinen relativ spät auf der Bildfläche, aber mit Mac OS 10.4 namens Tiger, haben sie VoiceOver und auch die Zoomfunktion, die Zoomfunktion war glaube ich sogar schon ein bisschen eher da, ins Betriebssystem eingebaut, liefern eine englische Sprachausgabe mit. Und da sie die Hardware kontrollieren, können sie natürlich auch sicherstellen, dass es auf allen ihren Geräten läuft.
Das heißt wenn man so einen Mac OS, so einen Mac-Rechner kauft, egal ob jetzt einen iMac, einen Mac mini oder eins der MacBooks, man schaltet das ein und wenn man die erste Startmusik abwartet, dieses groovy Teil was da immer läuft, bekommt man einen Hinweis, dass man wenn man nicht sehen kann eine Taste drücken muss um VoiceOver-Unterstützung zu kriegen. Und wenn man nicht weiß wie VoiceOver verwendet wird, dann kann man eine andere Taste drücken und dann wird’s einem erzählt. Also für Blinde und um die geht es hier hauptsächlich, weil sie eben diejenigen sind, die den Bildschirm gar nicht sehen können, eine unheimliche Hilfe. Momentan leider noch nur auf Englisch. Ich hoffe, dass sich da bei Apple was ändert und sie auch auf den Desktops in Zukunft selber mehrsprachige Sprachausgaben mitliefern, weil nämlich der einzige Haken im Moment für nicht englischsprachige Benutzer ist, dass sie sich eine Sprachausgabe immer noch selber kaufen müssen, wenn sie kein Englisch sprechen oder wenn sie zusätzlich zu Englisch noch andere Sprachen wie Deutsch oder Französisch sprechen wollen. Kann man aber machen, die Installation ist dann auch komplett barrierefrei, das funktioniert wunderbar. Und es ist längst nicht so teuer sich so eine Sprachausgabe für einen Mac zu kaufen als für Windows.
Und dann kam der 19. Juni 2009, das iPhone 3GS erschien in Deutschland und es hatte VoiceOver an Bord. Der erste Touchscreen, der für Blinde richtig bedienbar war mit einer Sprachausgabe, die über 20 Sprachen spricht, einer Installation, die vom PC oder MAC aus das Aktivieren von VoiceOver auf dem Handy erlaubt ohne dass man sehende Hilfe benötigt.
Und es hieß ja ganz lange Jahre und das haben sicherlich hier viele auch schon gehört: „Touchscreens für Blinde, das geht gar nicht, kann man sich überhaupt nicht vorstellen.“ Apple haben sich einen – Entschuldigung –Scheißdreck um diese Konventionen und diese Diskussionen gekümmert und haben’s einfach gemacht. iOS, das Betriebssystem für das iPhone, und das iPad, die iPod-Touchmodelle und auch den neuesten Nano liefert neben dem VoiceOver für Blinde auch eine Zoomfunktion für Sehbehinderte mit Farbinvertierungsmöglichkeit, grade im auditiven Bereich für Menschen mit Hörbehinderung sehr interessant, eine Mono-Audiofunktion, Videountertitelung, was ja für Gehörlose sehr gut und wichtig ist. Also eine ganze Reihe von Barrierefreiheitsfunktionen, die seit mehreren Versionsgenerationen im Betriebssystem standardmäßig integriert sind, man muss nichts dazu kaufen, man muss nichts dazu installieren, es ist einfach alles da.
Ich kann also auch zum Beispiel zu einem Telekom-Shop gehen und mir das einfach mal von einem Verkäufer anschalten lassen, es geht nämlich auch über das Handy selber ohne dass man iTunes verwendet dafür und dann kann man’s ausprobieren. So hab ich das iPhone kennen gelernt. Ich hab mich in den Gravis-Shop in Hamburg gestellt, damals gab’s in Hamburg noch keinen Apple-Store, und einer der Verkäufer wusste schon wie man das VoiceOver einschaltet, der hat mir das eingeschaltet und ich hab dann über eine halbe Stunde einfach mit rumprobiert bevor ich dann entschieden hab, dass ich ein iPhone haben will.
Ja, es wird auch weiter entwickelt. Also Apple haben sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht, sondern sie entwickeln mit jeder Betriebssystemversion sowohl von Mac OS als auch von iOS das VoiceOver immer weiter, nähren sie sehr stark an, also Snow Leopard wurde zum Beispiel für die Geräte mit Touchpad oder jetzt auch mit dem Magic Trackpad, vieles von der Unterstützung per Touch auch aus dem iOS wieder ins Mac OS „back to the mac“ sozusagen übernommen, sozusagen also in das Betriebssystem Mac OS zurück übernommen. Also viele der Gesten, die man vom iPhone kennt, dasselbe Sounddesign und so weiter, das sind alles Dinge, die jetzt auch wieder bei Snow Leopard funktionieren. Und es geht eben immer weiter.
Also jetzt in iOS 4.0 zum Beispiel hat Apple Unterstützung für die WAI-ARIA Landmarks und ich vermute mal auch in Zukunft für die HTML5 Landmarks eingebaut. Das heißt das sind zusätzliche Sprungmarken, die man problemlos dann anspringen kann auf Webseiten und ähnliches. Und hier kommen wir zu einem sehr spannenden Punkt: Webseiten zum Beispiel auf dem iPhone oder auf dem iPad sind richtig zum Anfassen, also auch ich als Blinder habe das Gefühl jetzt wirklich zu wissen wie sich so eine Webseite anfühlt, wie ist sie layoutet. Weil unter Windows und unter Linux die Webseiten ja immer sehr gestreamlined werden, also die werden wirklich runter gebrochen auf ein einfachstes Layout, einspaltig, einfach top to bottom, von oben nach unten runter, und hier grade auf einem iPad mit so einem etwas größeren Bildschirm habe ich wirklich das Gefühl, ich merke zum Beispiel es gibt eine Sidebar, es gibt oben quer rüber die Hauptnavigationspunkte oder je nachdem, das Suchfeld befindet sich oben rechts oder unten links oder wat weiß ich denn. Der Hauptteil ist sehr leicht auffindbar, indem man einfach zum Beispiel in die Mitte des Displays tippt und kuckt wo dann tatsächlich der Hauptteil losgeht. Es gibt Überschriften, Navigation, Link Navigation, alle möglichen wichtigen Ansprungmöglichkeiten.
Und ich hab auf dem iPhone das erste Mal und dann auf dem iPad später wirklich das Gefühl gehabt, ich kann endlich mal mitreden mit Sehenden um zu wissen wie so eine Webseite tatsächlich aussieht.
So, ich mach jetzt erst mal weiter und am Ende, wenn dann noch Zeit ist, mach ich gern noch eine kleine Demonstration.
Konkurrenz zum iOS oder die vielversprechendste Konkurrenz im Moment ist Android, ich hoffe ich bin mit den Folien noch synchron, [Publikum: Ja.] wunderbar. Im Prinzip auch inklusiv, indem eigentlich alles an Bord ist, aber Google hat bei dem Einarbeiten oder bei dem Entwickeln der API doch ziemlich viele Dinge nicht berücksichtigt oder – ja – schlecht designed, die ein so ein intuitives Arbeiten wie bei Apple schlicht und einfach nicht möglich machen.
Es gibt auf meinem Blog, auf meinem deutschen technischen Blog, eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels vom NVDA-Entwickler James Teh, der sehr gut aufschlüsselt, welche Probleme es mit dem API gibt und welche Folgen diese habe. Ich empfehle also jedem, der daran interessiert ist, diesen Blogeintrag zu lesen. Im Moment ist der oberste Blogeintrag, wenn man auf die Seite geht, der Link steht hier auf der Folie.
Und vielleicht irgendjemand kann den bestimmt auch eben mal raussuchen und twittern. Ich hatte ihn neulich selbst auch ja verbreitet gehabt. Wer dran interessiert ist, also sehr informativ und leider auch immer noch sehr ernüchternd. Und die einzige Möglichkeit wäre also diese Fehler zu korrigieren, die Google gemacht hat, diese API im Grunde noch mal umzuschmeißen und neu von unten aufzuziehen, weil auch einfachste Sachen, das Erforschen einer Anwendung nur schwer oder teilweise noch gar nicht möglich ist. Und im Prinzip auch reine Touchscreen Androids wie das Google Nexus One überhaupt noch nicht funktionieren, weil diese API damit funktionieren oder da drauf abzielen, dass man ein Gerät mit einer physischen Tastatur hat.
Aber wenn ich mal ganz ehrlich sein darf, ich schreibe viel lieber auf einer virtuellen Tastatur auf einem Touchscreen als mir mit einer Minitastatur eines Android-Handys die Finger zu brechen, tut mir leid, kann ich nicht drauf.
Okay, was gibt es noch, BlackBerry, gibt’s hier irgendjemanden, der das nutzt. Lange Gesichter, okay hör ich bis hier. Sie haben eine API eingebaut und sie haben dann gesagt den Screenreader dafür soll eine Firma entwickeln, die auch schon Screenreader entwickelt hat und insofern ist dieses Geschäftsmodell nicht wirklich inklusiv, denn man muss sich zum einen das Gerät kaufen und man muss sich zum anderen den Screenreader, der noch mal so viel kostet wie das Gerät, auch noch dazu kaufen. Und man muss es vom PC aus installieren, es ist also nicht von vornherein damit ausgestattet und ich habe auf dem Blogbeitrag, wo ich eben drauf verwiesen hab, gibt es einen Kommentar von einem, der den BlackBerry mal getestet hat.
Also wenn man da Softwareupdates bekommt kann es durchaus mal passieren, dass dann dieses Softwareupdate eingespielt wird und im nächsten Schritt man aufgefordert wird: „Bitte hol dir jetzt einen sehenden Freund, den die nächsten Schritte kann nur ein Sehender ausführen!“. Autsch, ganz toll, autsch.
Okay, das ist also die aktuelle Situation dessen was im Moment an Lösungen da ist und was nicht da ist, bevor gefragt wird, die Palm, Palm Pre heißen die Geräte, haben überhaupt keine Accessibility Story, also diese Smartphones haben meines Wissens nach bisher überhaupt nichts in Richtung Barrierefreiheit getan. Ob HP da in Zukunft was anders machen wird, keine Ahnung, ich hab bisher noch nichts Derartiges verlauten hören.
So, was macht Mozilla im Bereich der ja der Verringerung der Schranken für Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen. Wir unterstützen verschiedene Projekte, unter anderem das NVDA NonVisual Desktop Access-Projekt unter Windows, das ist der erste und bisher einzige Open-Source-Screenreader für Windows, der als allererstes von Mozilla unterstützt wurde. Und da das ziemlich erfolgreich war und das mit dem Firefox alles ziemlich gut läuft, haben Microsoft irgendwann gesagt, wir würden auch gerne das ihr den Internet Explorer besser unterstützt und vor allem dass ihr vielleicht mal unsere Schnittstelle UIA, diese UI Accessibility, die Microsoft als MSIA-Nachfolger entwickelt hat, unterstützt, weil sonst viele Sachen in Windows Vista und Windows 7 gar nicht so wirklich barrierefrei zu machen sind. Und haben sich dann sich dementsprechend auch dran beteiligt das Projekt zu unterstützen. Yahoo hat sehr stark im Bereich WAI-ARIA-Implementierungen in ihren Webseiten gearbeitet, die bauen also im Prinzip wirklich von Anfang an inklusive Webseiten, also die Menschen mit Behinderungen von Anfang an unterstützen und nicht dass alles erst später aufpfropfen wie ein sehr großer namhafter Suchmaschinenhersteller dies tut. Und Adobe haben auch gesagt, wir möchten bitte vom NVIDIA auch unterstützt werden, grade wo wir uns jetzt so neue große Mühe geben, die haben also den NVIDIA inzwischen auch mit unterstützt.
Blindenführhund Hexe lauscht den Ausführungen ihres Herrchens gespannt zu Und das ist also die eine Sache, die wir unter Windows machen um zu ermöglichen dass ein Blinder ohne Extrakosten Windows und mindestens einen barrierefreien Browser, nämlich den Firefox, nutzen kann. Wir arbeiten natürlich auch mit den kommerziellen Screenreader- und Schriftvergrößerungsherstellern zusammen, wir arbeiten auch mit Neuance zusammen im Bereich der Spracherkennung und wollen eben auch wirklich dass der Firefox und Co. von Menschen mit allen möglichen Formen der Behinderung genutzt werden können und da ist aber eben natürlich die Blindenwelt doch ziemlich prädominant.
Unter Linux, dasselbe mit Orca und verschiedenen ähnlichen gelagerten Barrierefreiheitsprojekten, Unterstützung, enge Zusammenarbeit mit dem Teams, dadurch dass wir dann eben sehr eng kommunizieren was braucht ihr, was machen wir noch falsch, was kann der Firefox noch besser erweitern um diese inklusiven Lösungen zu unterstützen.
Und das sind so unsere beiden großen Baustellen, unter Mac OS gibt es ja einen Screenreader, der von Apple entwickelt wird, da arbeiten wir dran, dass wir den Firefox da auch endlich mal barrierefrei gestalten, dass er mit VoiceOver besser zusammen arbeitet.
Es gibt Fortschritte, aber sie sind leider noch sehr langsam, weil eben die anderen Plattformen, grade Windows immer doch sehr Aufmerksamkeit erfordert und natürlich auch neue Technologien wie HTML5 und so weiter. Aber Mozilla arbeitet ja auch im Bereich mobiler Webbrowsergeschichten seit einiger Zeit, den Fennec, den Firefox für Mobilgeräte gibt es ja für sowohl die Nokia Memos als auch für Android jetzt in einer neuen Version, das ist jetzt in der Betaphase.
Wir kucken natürlich auch, was können wir denn überhaupt mit diesen Beschränkungen, die Android uns im Moment auferlegt, überhaupt machen außer eine reine Self-Voicing-Geschichte zu schreiben, das was wir eigentlich nicht wollen. Und behalten das natürlich im Auge das Projekt, das im Erforschungsstadium ist, weil wir da eben nicht wirklich viel machen können.
Aber Mozilla bietet auch eine Anwendung fürs iPhone an, nennt sich Firefox Home, das ist also eine Möglichkeit, die mit der Synchronisierungsfunktion auf dem Firefox Desktop synchronisierten Lesezeichen, Chroniken, Tabs und so weiter auch auf dem iPhone nutzen zu können, um auf seine Daten zugreifen zu können, also unsere Möglichkeit der Synchronisierung auch mit dem doch recht geschlossenen System des iPhones.
Diese Anwendung ist mit VoiceOver komplett zu bedienen. Wenn jemand die gerne mal ausprobieren möchte in Bezug auf Nutzung durch Sehbehinderte, wäre das ganz prima, weil mir da tatsächlich das Feedback noch fehlt, also wie Sehbehinderte damit klarkommen oder wie das mit der Zoomfunktion zusammenarbeitet und so weiter. Da wäre ich als auch für Feedback sehr dankbar, weil das natürlich eine Sache ist, die ich als Vollblinder nicht machen kann. Und das ist also das, was wir dort anbieten.
Als Fazit, wirklich komplett inklusiv ist im Moment nur Apple und das auch wirklich durchdekliniert von A bis Z. Es gibt verschiedene andere Ansätze mit Abstufungen, ich hab das hier noch mal ein bisschen aufgeschlüsselt, wer da wie viel macht so als Übersicht, weil wirklich die Barrierefreiheit so komplett zum Anfassen von vorne bis hinten ohne dass man was extra braucht, das unterstützt im Moment nur Apple. Und da ist es eben wichtig für diejenigen, die das Webstandards-Magazin kennen, habe ich in der Märzausgabe einen Artikel geschrieben, Webstandards beachten.
Das wurde eben auch im Vortrag vom Peter sehr schön deutlich, all diese Dinge, zum Beispiel Suchfeld oder Telefonnummernfeld oder Ziffernfeld, werden auch von VoiceOver natürlich als solche erkannt und die entsprechend unterschiedlich eingeblendeten Elemente auch für Blinde und so weiter dann eben umgesetzt. Also das auf jeden Fall beachten, gerne nutzen, gerne auch die neuen Technologien immer anwenden, da werden wir auch nachher noch einiges drüber hören vom Eric, dass er da einiges noch an Tipps und Ideen dazu hat. Und ja das war im Grunde mein Hauptteil, ping und weg. [Applaus]
Klaus Miesenberger: Vielen herzlichen Dank für den Vortrag. Ich hab irgendetwas läuten hören, es gibt noch eine Demo.
Marco Zehe: Ja, sehr gerne.
Klaus Miesenberger: Oder sollen zuerst Fragen gestellt werden, wenn es welche gibt. Sollen wir abstimmen demokratisch. Demo, gut okay. Bitte.
Marco Zehe: Alles klar. Haben wir denn einen Stecker für das Audio, weil das wäre jetzt natürlich schon spannend zu hören. Alles klar. Ich glaub ich muss das mal aus der Hülle raus nehmen, weil das sonst sperrt. So jetzt geht’s. Achtung. Jawohl. So, das ist die deutsche Stimme vom iPhone, ich hab hier ein iPhone 4 in der Hand.
Und ich bin jetzt auf dem gesperrten Bildschirm, also ich hab grade einfach die Home-Taste gedrückt. […] Jetzt bin ich grade mitten in meiner Twitteranwendung, die war als letzte offen. Und jetzt habe ich wirklich hier einen ganz normalen Bildschirm, den ich von links oben an erforschen kann. Ich kann jetzt ganz links oben zum Beispiel feststellen, dass ich einen Button hab, der mich einen Bildschirm zurückführt, eine so genannte Zurück-Taste.
Und da drunter habe ich dann meine Mentions in diesem Fall, also die Nachrichten, die direkt an mich gingen.
[…]
Das ist der Dominik Pesch aus Bonn, der mir geschrieben hat vorhin, dass er es leider mal wieder nicht her geschafft hat. Ich geh mal ganz nach oben. Das mache ich genau wie ein Sehender. Oh, ich war ja sehr schnell mit meinem Vortrag. Und jetzt bin ich beim obersten, jetzt kann ich’s lesen.
[…]
Und es hat also jetzt der Manfred Schütz geschrieben, dass vollständig inklusiv nur von Apple, also hat mich zitiert. Und das kann ich hier also wunderbar lesen, das ist also eine Twitterapp, Twitterrefic, kennt vielleicht der eine oder die andere vom Mac oder auch eben vom iPhone und iPad. Das ist die, die ich im Moment am liebsten nutze. Es gibt mehrere barrierefreie Apps für Twitter auf dem iPhone, aber das ist die, die ich so am schönsten finde, weil man sehr schnell zum Ziel kommt. Es gibt natürlich, ich geh mal raus da, Gowalla, kennt man auch. Die ganz normalen Nachrichtenanwendungen, die ganz normalen iPhone-Apps sind alle mit VoiceOver nutzbar inklusive auch der Kartenanwendung, also auch die kann ich nutzen um zum Beispiel mir einen Weg beschreiben zu lassen oder raus zu finden wo ich denn grade bin eigentlich. Eine Navigationslösung gibt es dafür und ich kann zum Beispiel, ich kann auch mit ein bisschen Übung kann ich Fotos machen und ich twitter ja auch regelmäßig Fotos, diejenigen die mir auf Twitter folgen, die kriegen das dann auch ab und zu mal mit. Manchmal verhau ich mich dann auch mal und krieg dann irgendwelchen Blödsinn drauf. Aber es ist eben eine ganze Menge möglich einfach dadurch, dass Apple diese API, diese Schnittstellen zum Programmieren so vollständig durchdekliniert hat und da die Möglichkeiten bietet.
[…]
Marco Zehe führt die Bedienung seines Touchscreen-Mobiltelefons vor Und wenn ich jetzt zum Beispiel mal den Safari aufmache, da ist er. Oh, da war ich ja schon länger nicht mehr drin. Ja ist ja gut.
[…]
Ich hab jetzt also mal die Seite des A-Tag 2010 eingegeben. Die Taste, die tatsächlich eingegeben wurde und die Tiefe, die Taste auf die ich vorher meinen Finger gelegt hab, wenn ich also falsch gelegen hab, konnte ich also den Finger noch korrigieren und hab dann einfach den Finger angehoben und dann wurde mit der etwas höheren Stimme gesagt welcher Buchstabe denn jetzt eingegeben wurde. Und jetzt hab ich hier Überschrift eben ne eins, Hyperlink, Anfang des Orientierungspunkts. Das heißt, da ist auch ein WAI-ARIA Landmark gesetzt, brav so, und wird vom iPhone ausgewertet und jetzt kann ich hier durch Wischen nach rechts, das ist eine Geste von VoiceOver, einfach von da an weiter lesen.
[…]
Und das hab ich jetzt gemacht, indem ich einfach in die Mitte des Displays getippt hab und genau da war dann tatsächlich diese Überschrift, wo der Hauptteil losging. Und wenn ich jetzt mal ganz links irgendwo im oberen Drittel des Bildschirms tippe, kucken was da passiert. Kennt man den, die kennt man auf jeden Fall. Na ja, da sind jetzt also auf der linken Seite die Namen der Vortragenden tatsächlich.
Also ich merke tatsächlich jetzt und das haben mir meine Windows-Lösungen oder so was mir erzählt, dass diese Auflistung der Vortragenden zum Beispiel auf der linken Seite zu finden ist und der Hauptteil rechts daneben steht. Das kann ich hier also auf dem iPhone wunderbar nachvollziehen. Und so letztendlich wirklich mit Sehenden besser über die Seiten kommunizieren. Wenn mir jetzt ein Sehender sagt, auf der linken Seite stehen die Namen der Vortragenden, fass ich da hin und dann ist das einfach da. Und das ist etwas, das auch zum Beispiel andere Lösungen wie die Symbian- oder Windows Mobile-Lösung mir in der Form nicht liefern können, weil auch die sämtliche Informationen einer Webseite in einen mehr oder weniger einspaltiges Layout pressen müssen um sie vorlesen zu können.
Und da ist wirklich diese Inklusivität dessen, dass man wirklich als Blinder, der ja sonst wirklich keine Vorstellung davon hatte, über diesen Touchscreen diese Möglichkeiten bekommt da so dran teilzunehmen, indem einfach die Kommunikation erheblich erleichtert wird. Es ist also nicht nur wirklich das erste Mal, dass ein Touchscreen so richtig effektiv bedienbar wurde, sondern es erhöht gleichzeitig die Kommunikation oder die Kommunikationsmöglichkeiten mit Sehenden über dieselben Projekte. Und ich kann das nur jedem empfehlen, dass er es einfach mal ausprobiert im Apple-Store, ja weiß ich nicht wie das in Österreich gehandhabt wird, also in Deutschland auf jeden Fall in den Telekom-Shops oder bei Apple-Händlern, sich das einfach mal anzufühlen wie sich so ein Touchscreen anfühlt.
Es ist definitiv nicht für jeden nutzbar in dem Sinne, weil es Leute gibt, die vielleicht motorisch damit nicht klar kommen, aber man sollte es auf jeden Fall mal probiert haben. Und da muss man wirklich sagen, also obwohl Apple eben so ein geschlossenes System ist mit iTunes, mit den ja mit den iPhones, wo man eben kaum an irgendwelche Informationen rankommt, sie haben da was Barrierefreiheit angeht wirklich ganz tolle, ganz tolle Arbeit geleistet.
Klaus Miesenberger: Herzlichen Dank. Ein ausgezeichneter Moderator dieses iPhone, unterhaltsam, spannend. Aber jetzt möchte ich doch zu den Fragen bitte übergehen. Gibt es Fragen? Bitte.
Robert Lender: Ich hab nur grad über Twitter eine Frage bekommen, nämlich ob die Ausführungen zum iPhone auch gleich fürs iPad gelten, also ob das iPad auch genauso gut bedienbar ist.
Marco Zehe: Ja, ist es, ist es. Und jetzt demnächst wo das IOS 4.2 auch fürs iPod erscheint kann man davon ausgehen, dass auch sämtliche Funktionen, die ich eben gezeigt hab mit den Landmarks und so weiter, dass die dann auch mehr vom iPod unterstützt werden. Also das ist wirklich ja von Apple komplett durchdekliniert, diese ganzen Sachen mit den Webseiten und so weiter, die funktionieren auch auf jedem neueren iPod Touch, da macht Apple also keinen Unterschied was die Geräte angeht.
Wolfgang Mohl: Ja, geht schon. Eine Frage von mir, Wolfgang Mohl ist mein Name von der ÖJAB. Ich bin kein Programmierer, hab also auch keine speziellen Kenntnisse in dem Bereich, sondern ich bin sehr beschäftigt mit der Eingabe von Content in eine neue Website, die wir gerade entwickeln in der Endphase und die bald online gehen wird von der ÖJAB, der Österreichischen Jungarbeiterbewegung.
Meine Frage ist, wie geht es einem blinden Menschen im Internet mit Abkürzungen. Wir leben in einer Welt der Kürzel, der Abkürzungen. Ich kenn noch das kleine Einmaleins der Contenteingabe, des barrierefreien Contents, das eben sagt, verwende keine Abkürzungen und wenn du sie verwendest musst du sie erklären oder eine Erklärung hinterlegen. Jetzt habe ich mit Interesse wahrgenommen, dass Sie selbst sehr viele Abkürzungen verwendet haben auch auf den Screens, auf dem Bildschirm, den Sie gezeigt haben. Wie weit ist da die Technologie, kann man Abkürzungen als solche belassen und sie werden von Screenreadern so vorgelesen bis sie auch ein normaler Mensch oder ein sehender Mensch lesen und sprechen kann. Oder zum Beispiel kam auf unserer Webseite vor, wir haben Wohnheime da, dass die Zimmer mit WC sind. WC geht nicht, weil der Screenreader wird wahrscheinlich „wök“ und nicht durch Toilette ersetzen. Ist das immer noch so?
Marco Zehe: Nicht unbedingt. Nein, also die moderneren Sprachausgaben, gerade die bei der Software, da wird jede Sprachausgabe Ihnen das WC auch als WC vorlesen. Da kann man davon ausgehen, das waren Sachen, die in den 90er Jahren mit den Hardwaresprachausgaben passiert sind, wo die dann versucht haben auch aus Worten, die keine Vokale enthielten dann irgendwelche Worte zu zaubern. Und heutige Sprachausgaben kommen aber mit vielen Abkürzungen klar. Also ob’s jetzt das WC ist oder zum Beispiel auch so Konstrukte wie die BITV, diese in Deutschland noch immer nicht in Kraft getretene zweite Version der Verordnung für barrierefreie Informationstechnologien, wird in der Regel grade wenn es sich um vollständig groß geschriebene Abkürzungen handelt immer richtig vorgelesen werden. Es gibt auch viele, zum Beispiel „bzw.“ oder „beziehungsweise“, da gibt es also dann manchmal so Streitpunkte, manche meinen, sollte ausgesprochen werden, wenn da bzw. steht, weil man’s eben auch so liest, andere, das sind dann so sehr genaue, meistens Juristen oder anderweitig sehr fuchsige Leute, die meinen, wenn’s da abgekürzt steht, will ich das auch als abgekürzt hören. Also das ist so ein Punkt, da muss man sagen, da kann man’s nicht immer jedem Recht machen. Es gibt Leute, die wollen Abkürzungen ausgesprochen bekommen, es gibt Leute, die wollen es nicht. Und da gibt’s auch eben unter den Blinden, 100 Blinde, 500 verschiedene Vorlieben.
Klaus Miesenberger: Gibt’s noch weitere Fragen? Es schaut nicht so aus. Damit darf ich mich noch mal herzlich bedanken bei Herrn Marco Zehe für den Vortrag über den Stand der Accessibility in den verschiedenen Betriebssystemen und Techniken und natürlich auch für die spannende Demonstration.
Bilder von web’n’foto.
Tomas Caspers
Sylvia Egger
Eric Eggert
Wolfram Huber
Stefanie Meißner
Klaus Miesenberger
Peter Minarik
Philipp Naderer
Michael Rederer
Marco Zehe
Marco Zehe